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Ferienwohnungs-Betrüger gesteht vor Gericht alle Taten

Rostock Ferienwohnungs-Betrüger gesteht vor Gericht alle Taten

56-Jähriger kassierte in Kühlungsborn für Appartements, die ihm nicht gehörten / Der Betriebswirt sagt, er habe „wie ein Drogensüchtiger“ gehandelt / Sein Motiv: Schulden

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Die Täter hatten auch diese Internetplattform für Inserate missbraucht.

Rostock. „Ich brauche Geld.“ Darum dreht sich alles im Juli 2014 im Leben Hans-Joachim Hs. aus dem Landkreis Rostock. Bekannte, denen er 75000 Euro schuldet, machen Druck. Dann hört er im Radio von Betrügern, die auf Sylt mit fingierten Ferienwohnungsanzeigen Kasse gemacht hatten. Plötzlich hat der studierte Betriebswirt eine Idee. Die folgenden Wochen erlebt er „in Trance“. Wie „ein Drogensüchtiger“, der nur noch nach dem nächsten Schuss giert. Nur dass seine Droge das Geld ist.

 

OZ-Bild

Der Angeklagte H. vor Verhandlungsbeginn in Rostock

Quelle: dpa

Ich hatte die Regie über mein Leben verloren. Ich schäme mich zutiefst.“ Hans-Joachim H.

in seinem Geständnis

Seit gestern muss sich der 56-Jährige vor dem Rostocker Amtsgericht verantworten. Laut Anklage vermietete er im Juli und August 2014 in 60 Fällen über das Internet Ferienwohnungen, die ihm nicht gehörten. Leute aus ganz Deutschland überwiesen die komplette Miete im Voraus. Mal waren es 444, mal 1675 Euro. Insgesamt kamen rund 60000 Euro zusammen.

Anja Betz aus Kühlungsborn ist die echte Vermieterin einiger der von H. angebotenen Wohnungen. Sie schildert, wie Familien mit kleinen Kindern, müde von endlosen Autofahrten, aber voller Vorfreude, vor der Tür stehen. Und erfahren müssen, dass sie reingelegt wurden und gleich wieder die Heimreise antretenkönnen. Die Wohnungen waren ja mitanderen Gästen belegt. Anja Betz: „Im August finden Sie hier kein freies Zimmer mehr.“ Außerdem war ja auch das Geld für die Unterkunft weg.

Das landete bei H., der nach außen wohlhabend wirkt. Nach eigenen Angaben arbeitet er als Coach für Finanzdienstleister, verdient bis zu 10 000 Euro brutto im Monat. Er besitzt drei Häuser. Die Probleme begannen vor etwa fünf Jahren. Das Finanzamt wollte Geld, er pumpte sich welches im Freundeskreis. Immer wieder, bis er nicht mehr durchblickte. Wieso das ihm, dem Finanzfachmann, passierte, kann er nicht sagen. „Ich hatte die Regie über mein Leben verloren“, meint er. Inzwischen hat er angefangen, Häuser zu verkaufen. Sein Vermögen schätzt er auf eine Million, die Verbindlichkeiten auf 800000 Euro.

Für den Betrug benutzte H. Namen und Konto eines Strohmanns, Stefan S. aus Rostock. Dem hatte er die Geschichte einer angeblichen Ex-Frau aufgetischt, an der Einnahmen vorbeigeschleust werden sollten. S. bekam zehn Prozent. Vom Betrug wusste er nichts, wie auch sonst nichts über H., nicht einmal den Namen. Über sein Konto wurde S. gefasst und 2015 wegen Geldwäsche zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der eigentliche Betrüger blieb vorerst unentdeckt.

Erst diesen Januar wird es eng. Aktenzeichen XY sendet einen Telefonmitschnitt mit der süddeutsch gefärbten Stimme des Täters. Ein Kripo-Beamter, ein Bekannter H.s aus dem Rotary-Club, erkennt sie.

Er rät ihm, sich einen Anwalt zu nehmen. Es kommt zu einer Hausdurchsuchung, eine Gegenüberstellung mit Stefan S. steht bevor. H. bricht zusammen und gesteht.

Er habe sich schriftlich bei den Opfern entschuldigt, sagt der dreifache Familienvater im Gericht. Die Sache tue ihm sehr leid. Laut seinem Anwalt haben fast alle ihr Geld zurückbekommen, ein Fall sei noch offen. Weinend berichtet H., wie er seine Frau zur Mittäterschaft zwang, als das Konto des Strohmanns gesperrt war, er aber mehr Geld wollte. Mit einer Perücke übergab sie ahnungslosen Familien auf einem Parkplatz angebliche Ferienwohnungsschlüssel gegen die volle Miete. Nach zwei Übergaben ist Frau H. mit den Nerven am Ende. Die Betrügerei ist vorbei. Es dauert noch anderthalb Jahre, bis alles auffliegt. Das Ehepaar verdrängt die Taten, redet einfach nicht darüber. „Der Druck war unerträglich“, sagt H. Das Geständnis sei eine Befreiung gewesen.

Gerald Kleine Wördemann

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