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Ferienwohnungs-Betrüger muss nicht ins Gefängnis

Rostock Ferienwohnungs-Betrüger muss nicht ins Gefängnis

Dem Ferienwohnungs-Betrüger von Kühlungsborn bleibt die Gefängniszelle erspart: Das Amtsgericht Rostock verurteilte gestern Hans-Joachim H. (56) zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

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Der Angeklagte Hans-Joachim H. im Rostocker Amtsgericht

Quelle: B. Wüstneck/dpa

Rostock. Dem Ferienwohnungs-Betrüger von Kühlungsborn bleibt die Gefängniszelle erspart: Das Amtsgericht Rostock verurteilte gestern Hans-Joachim H. (56) zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Der Betriebswirt aus dem Landkreis Rostock hatte gestanden, im Sommer 2014 insgesamt 60 Mal Ferienwohnungen in dem Ostseebad, auf die er keinen Zugriff hatte, über das Internet vermietet zu haben. Dutzende Urlauberfamilien, viele davon mit kleinen Kindern, wurden um Geld und Urlaubsfreuden geprellt.

„Ich bitte um eine zweite Chance“, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung. Wegen des Prozesses habe er seine Arbeit verloren und sei gesellschaftlich isoliert. Die Strafe entspricht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Beide Seiten verzichten auf Rechtsmittel, das Urteil ist damit rechtskräftig. Neben dem Geständnis wertete es das Gericht unter Vorsitz von Richter Peter Langer zu H.s Gunsten, dass der den Schaden inzwischen größtenteils beglichen hat. „Das kommt selten vor“, sagte Staatsanwalt Thomas Peters.

Das Motiv waren Geldsorgen. Der eigentlich wohlhabende Finanzcoach schuldete Bekannten 75000 Euro. Banken hätten ihm Kredite verweigert, wegen offener Rechnungen beim Finanzamt.

Nur wegen eines fast schon unglaublichen Zufalls wurde er nach anderthalb Jahren doch noch erwischt. Wie knapp es war, zeigte die Zeugenaussage von Anke Z. aus Kleinmachnow bei Berlin, einer der Geschädigten. Sie hatte unwissentlich ein Telefonat mit H. aufgezeichnet. Eine App auf ihrem Handy, die sie fast vergessen hatte, speicherte stets die letzten zehn Anrufe. Kurz darauf kaufte sie sich ein neues Mobiltelefon und sortierte das alte aus. So wurde das Gespräch nicht automatisch gelöscht, was die Ermittler später auf die Spur des Täters brachte.

Im Januar dieses Jahres berichtete die Sendung Aktenzeichen XY über die Kühlungsborner Betrugsserie, mit Auszügen des Anrufs und einem Phantombild. Wegen seines Badener Dialekts erkannten Zuschauer H. wieder, der so schließlich unter Verdacht geriet. Nachdem die Polizei sein Haus durchsucht hatte, gestand er. Die Staatsanwaltschaft hatte da die Ermittlungen schon längst eingestellt.

2015 war der Rostocker Stephan S. (46) als Strohmann wegen der Fälle zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, während H. noch lange unbescholten blieb. Auch S. sagte gestern als Zeuge aus: Als „Uwe“ habe ihn Hans-Joachim H. an einem Asia-Imbiss angesprochen, schildert der damals arbeitslose Tiefbauer mit Alkoholproblemen. Anzugträger H. hatte sich kostümiert mit Basecap und Jeansjacke. Der falsche Uwe gewann des Vertrauen des Rostockers und nutzte dessen Namen und Konto für den Betrug.

S. bekam 4000 Euro von der Beute, ohne etwas von den Taten zu wissen. Zwei Wochen nach dem Treffen am Imbiss stand bei S. die Polizei vor der Tür. Eine Spur zu H. fehlte, es gab nur ein mit Hilfe von S. gezeichnetes Phantombild.

Betrogene Urlauber schilderten den Reinfall als Schock: Ein Berliner Bundestagsmitarbeiter erzählte von seiner verstörten zweijährigen Tochter, die ihn fragte, ob es „mehr böse oder mehr gute Menschen auf der Welt“ gibt. „Mit der Ostsee sind wir durch“, sagte eine gebürtige Mecklenburgerin aus dem Landkreis Osnabrück. War es H.s letzter Ausflug zu den bösen Menschen? Das Gericht sieht eine „positive Sozialprognose“.

gkw

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