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Finanznöte bei Nordic: Erster Zulieferer muss Leute entlassen

Rostock Finanznöte bei Nordic: Erster Zulieferer muss Leute entlassen

Land fordert Werftengruppe auf, alle Schulden schnell zu begleichen

Rostock. Geht Nordic Yards die Luft aus? Kurz vor der endgültigen Abwicklung des Verkaufs der Werften-Standorte Wismar, Warnemünde und Stralsund an die malaysische Genting-Gruppe berichten Firmen-Chefs von hohen Beträgen, die Nordic nicht beglichen habe — in der Summe ein zweistelliger Millionenbetrag. Ein erster Unternehmer hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Dutzend Mitarbeiter entlassen müssen, andere Firmen haben ihre Leute seit Wochen vom Bau der Offshore-Plattform „Dolwin gamma“ abgezogen. Wenn Nordic-Inhaber Witalij Jussufow nicht bald frisches Geld an Land ziehe, sei eine Pleite unausweichlich, heißt es.

„Die Zahlungsmoral ist grauenhaft“, sagt ein Unternehmer wütend. Er bekomme sein Geld mit Verspätung, „aber nur wenn ich drohe, meine Leute abzuziehen“. Andere Firmen haben dies längst getan. „Seit Wochen geht an der Plattform fast nichts mehr“, berichtet ein Firmen-Chef. Seit Februar sei kein Geld geflossen — und das obwohl noch alte Rechnungen zu begleichen seien. Firmen hätten Anwälte eingeschaltet; auch von geplanten Strafanträgen gegen Nordic ist zu hören. Auf der Baustelle der riesigen Plattform „Dolwin gamma“ in Warnemünde, die Nordic als letzten Großauftrag noch zu Ende bauen will, herrsche derzeit „Totentanz“, berichtet ein anderer Subunternehmer. Dabei dränge die Zeit: Im Sommer soll die Plattform fertig sein. Doch viele Gewerke — Lüftungstechniker, Maler, Elektriker — verweigern die Arbeit. Ein Unternehmer appelliert an die Landespolitik: „Sie darf nicht wieder abtauchen; und die Firmen tragen den Schaden.“ Nach den Werften-Pleiten von Wadan und P+S würde sich die Branche von einem Zahlungsausfall bei Nordic kaum erholen. Das Wirtschaftsministerium reagierte gestern: Es habe von Nordic „die Begleichung aller korrekt in Rechnung gestellten Leistungen der Unternehmen eingefordert“, so Sprecherin Wiebke Wolf.

Selbst der noch nicht vollständig abgewickelte Deal mit Genting könnte noch platzen, fürchten Unternehmer. Der Konzern hatte die Werften im März für 230,6 Millionen Euro übernommen, will im Verbund mit der Lloyd-Werft in Bremerhaven Kreuzfahrtschiffe bauen lassen. Die Plattform wollte Genting nicht haben — nun sei Nordic in Not. „Das Finanzproblem ist da“, erklärt ein Insider. Bislang hielten viele Firmen, die in Vorleistung gegangen sind, die Füße still — wohl aus Angst, überhaupt kein Geld zu erhalten. Nordic selbst reagierte gestern auf eine OZ-Anfrage nicht.

Von Frank Pubantz

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