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Fiskus greift nach der Rente: Viele Senioren müssen zahlen

Rostock/Berlin Fiskus greift nach der Rente: Viele Senioren müssen zahlen

Durch die Rentenerhöhung zum 1. Juli müssen Tausende Ruheständler in MV erstmals eine Steuererklärung abgeben / Besonders häufig betroffen sind Witwen und Witwer

Rostock/Berlin. Rentenerhöhung, das hört sich gut an, aber bei immer mehr Ruheständlern holt sich der Staat einen Teil des Geldes zurück. Tausende Rentnerinnen und Rentner in Mecklenburg-Vorpommern müssen in diesem Jahr erstmals Einkommensteuern auf den Teil ihrer Rente zahlen.

Am 31. Mai endet die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2015. In Mecklenburg- Vorpommern sind laut Schweriner Finanzministerium etwa 183000 Bürger dazu verpflichtet.

Darunter befinden sich auch immer mehr Ruheständler. 2014 waren von den 470000 Rentnern, die im Nordosten leben, etwa 55000 steuerpflichtig.

„Auf Antrag ist eine Fristverlängerung möglich — etwa um vier Wochen. Der Zeitraum liegt im Ermessen des Finanzamtes“, sagt der Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine, Uwe Rauhöft. So werden Verspätungszuschläge vermieden. Diese belaufen sich auf bis zu zehn Prozent der festgesetzten Steuer.

„Erhalten Steuerpflichtige Unterstützung von Steuerberatern, verlängert sich die Abgabefrist automatisch bis zum 31. Dezember dieses Jahres“, erklärt Dr. Holger Stein. Der Präsident der Steuerberaterkammer MV weiß, dass immer mehr Rentner Einkommensteuer an das Finanzamt entrichten müssen. Der Grund: Seit 2005 gilt eine nachgelagerte Versteuerung der Renten. Je nach Eintritt in den Ruhestand wird ein Freibetrag gewährt. Für Neurentner, die 2015 in Rente gingen, beträgt dieser 30 Prozent, in diesem Jahr sind es 28 Prozent. Wer 2040 in Rente geht, hat gar keinen Freibetrag mehr.

Der Fiskus greift zu, wenn das Einkommen den persönlichen Grundfreibetrag übersteigt. Bei Alleinstehenden beträgt er in diesem Jahr 8652 Euro, für Verheiratete 17304 Euro.

Die zum 1. Juli anstehende Erhöhung der Renten — im Osten um 5,95 Prozent — lässt in MV einige tausend Empfänger der Bezüge erstmals steuerpflichtig werden. „Denn der gesamte Erhöhungsbetrag der Rente ist steuerpflichtig“, erklärt Dr. Frank-Peter Maaß, Geschäftsführer der BBO Steuerberatungsgesellschaft Rostock. Besonders aufmerksam sollten Ruheständler sein, deren Partner verstorben sind. Laut Deutscher Rentenversicherung wurden Anfang vergangenen Jahres hierzulande 105348 Witwen- und 21942 Witwer-Renten bezogen. „Deren Empfänger haben nur noch einen Grundfreibetrag zur Verfügung“, verdeutlicht Dr. Stein. Er verweist darauf, dass im Todesjahr die Betreffenden steuerrechtlich noch als Ehepaar zählen. Auch im Folgejahr wird die sogenannte Splittingtabelle angewendet. Erst im zweiten Jahr nach dem Todesfall gilt für den Hinterbliebenen die Steuertabelle für Alleinstehende.

Im Alltag aber meldet sich ein Großteil der erstmals Steuerpflichtigen nicht. „Dies geschieht zumeist aus Unkenntnis. Oder die Bürger glauben, dass das Finanzamt ihren Fall übersieht“, erläutert Steuer-Fachmann Dr. Maaß. Ein teurer Irrtum. Zumal die Behörden sechs Prozent Zinsen für ausstehende Beträge fordern — pro Jahr.

Von Volker Penne

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