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MV aktuell Bruchlandung für Parchimer Flughafen
Nachrichten MV aktuell Bruchlandung für Parchimer Flughafen
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19:56 19.12.2018
Kein Flieger aus China in Sicht: Investor Pang auf dem leeren Rollfeld. Quelle: Neue Visionen Filmverleih
Parchim

Niemand geht ans Telefon, egal, wie oft man es versucht. Der Internetauftritt besteht aus einer einzigen Seite mit einem kurzen Text – auf Chinesisch. Keine Frage, der Flughafen Schwerin-Parchim hat schon bessere Zeiten erlebt. Jetzt wurde auch noch bekannt, dass zum Jahreswechsel die meisten Mitarbeiter des Frachtdienstes gehen müssen. Die hochtrabenden Pläne von Flughafenbesitzer Yuliang Pang, der sich Jonathan Pang nennt, in Parchim ein Drehkreuz für Frachtflüge zu gründen, dürften sich damit nach elf Jahren wohl endgültig erledigt haben.

Die Pang-Firma mit dem Namen Baltic Airport Mecklenburg GmbH hat „zum 1. Januar 2019 Kündigungen für ihre Mitarbeiter ausgesprochen, die im Bereich der Frachthalle arbeiten“, sagt Sprecherin Renate Gundlach vom Schweriner Verkehrsministerium. Laut „Schweriner Volkszeitung“ müssen 20 von 25 Beschäftigten gehen, die Betroffenen wurden bereits am Montag informiert. Pang brachte sich erst vergangenes Jahr selbst in die Schlagzeilen, als er verkündete, die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin für eine Milliarde Euro übernehmen und damit retten zu wollen. Daraus wurde bekanntlich nichts, Air Berlin wurde abgewickelt. 2016 hatte Pang – ebenfalls vergeblich – im Verkaufspoker um den Flughafen Frankfurt-Hahn mitgeboten.

In Parchim liefen die Geschäfte währenddessen offenbar immer schlechter. Vor einem Jahr gab es Berichte über finanzielle Probleme bei Pangs Firma Global Link. Das Parchimer Tochterunternehmen Baltic Airport Mecklenburg veröffentlichte erst vor wenigen Wochen ihre Bilanz für 2015 im Bundesanzeiger. Demnach machte das Frachtgeschäft damals 315 000 Euro Verlust, aktuellere Zahlen sind nicht bekannt. Mindestens 36 Millionen Euro an Fördermitteln flossen nach der Wiedervereinigung in den Flughafen.

Landkreis hat keinen Kontakt zum Flughafen-Chef

Weder Geschäftsführer, Betriebsleiter noch andere Mitarbeiter waren am Mittwoch für eine Stellungnahme zu erreichen. Beim Landkreis Ludwigslust-Parchim herrscht Ratlosigkeit. „Wir haben keinen Kontakt zu Herrn Pang“, sagt Sprecher Andreas Bonin. Die aktuelle Entwicklung des Flughafens sei „betrüblich“. Der chinesische Geschäftsmann kaufte 2007 den Flughafen für 30 Millionen Euro vom Landkreis. Nach ausbleibenden Zahlungen und langen Verhandlungen wurden Pang schließlich zwölf Millionen Euro vom Kaufpreis erlassen. Der Manager wollte Parchim zu einem Logistik-Drehkreuz für den Handel mit China machen, er versprach Tausende Arbeitsplätze. Neben dem Rollfeld wollte er viel und groß bauen: Luxushotels, Einkaufstempel und ein Kasino, für die vielen Chinesen, die nach Parchim kommen sollten. Parchim werde den neuen Berliner Flughafen ersetzten, kündigte der Investor großspurig an. Pang investierte auch tatsächlich, unter anderem für einen neuen Tower. Der Dokumentarfilm „Parchim International“, der sein leidenschaftliches, aber glückloses, Engagement zeigt, lief bundesweit in vielen Programmkinos.

Vorerst nicht betroffen ist der Betrieb des Flughafens mit dem internationalen Kürzel „SZW“. Für den ist ein anderes Pang-Unternehmen zuständig, die Baltic Airport Management GmbH. Hier stehen laut Verkehrsministerium vorerst keine Entlassungen an. „Aus diesem Grund gibt es derzeit für die Landesluftfahrtbehörde keinen Anlass, genehmigungsrechtliche Schritte einzuleiten, da der sichere Flugbetrieb weiterhin gewährleistet ist“, sagt Sprecherin Gundlach. Sollte sich Letzteres ändern, würden allerdings „die erforderlichen Maßnahmen“ getroffen, der Flughafen stehe unter „erhöhter Aufsichtsintensität“.

Parkplatz für ausgemusterte Jets

Wenig intensiv geht es auf dem Rollfeld zu. Fluggesellschaften nutzen das Areal, um nicht gebrauchte Jets zu parken. Der Luftfahrt-Bericht des Statistischen Bundesamtes verzeichnet für 2017 exakt 54 Passagiere bei gewerblichen Flügen, die in Parchim eincheckten. Damit liegt der Flughafen weit abgeschlagen hinter kleineren Anlagen wie Barth, Rügen-Gütin und Rechlin. Insgesamt gab es rund 2300 Starts, das waren aber bis auf 126 ausschließlich Schulungsflüge. Zeitweise trainierten sämtliche deutschen Airlines auf dem Regionaflughafen. Fehlender Verkehr und kein Nachflugverbot boten ideale Bedingungen. „Unsere Kunden landen hier noch“, heißt es bei Salomo Flugzeugservice, die auf dem Parchimer Flughafen kleine Privatmaschinen wartet. Wenigstens etwas.

Vor elf Jahren kaufte der Chinese Yuliang Pang den Flughafen Parchim. Aus dem Ausbau zum Frachtdrehkreuz wurde nichts, nun müssen die meisten Mitarbeiter gehen.

Kommentar zum Thema: Willkommen in der Wirklichkeit

Gerald Kleine Wördemann