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Forscher: Ärztemangel verkürzt Lebenserwartung

Greifswald Forscher: Ärztemangel verkürzt Lebenserwartung

Prof. Helmut Klüter fordert bessere Versorgung der ländlichen Regionen

Greifswald. Stirbt man in Mecklenburg-Vorpommern früher, weil die Wege zum nächsten Arzt oder Krankenhaus länger sind als anderswo? „Ja“, sagt Professor Helmut Klüter von der Universität Greifswald. Die Lebenserwartung liegt im Nordosten seit Jahren konstant unter dem Bundesdurchschnitt. „Wer in einem abgelegenen Dorf einen Herzinfarkt erleidet, hat das gleiche Recht auf eine schnelle Behandlung wie ein Berliner“, sagt Klüter. Die Realität sei davon weit entfernt. Auf dem Land dauere es oft deutlich länger als in der Stadt, bis Notfall-Patienten beim Arzt seien. Das führe zu vermeidbaren Todesfällen und zu einer statistisch kürzeren Lebenserwartung, so der Wissenschaftler, der zu regionaler Geographie forscht.

 

OZ-Bild

Es passiert nichts und es wird weiter gestorben. Prof. Helmut Klüter, Universität Greifswald

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Seiner Meinung nach wäre es nötig, die Ärztedichte nicht nur nach Einwohnern, sondern auch anhand der Fläche festzulegen. „Aber es passiert nichts und es wird weiter gestorben“, kritisiert Klüter.

Auch die Millionen Touristen, die jährlich ins Land kommen, würden kaum berücksichtigt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 2015 laut Statistik für Männer in MV 76,5 Jahre. Das sind 1,5 Jahre weniger als im Bundesschnitt. Zwar steigt die Lebenserwartung bundesweit seit Jahren an – auch im Nordosten. Die Lücke bleibt aber bestehen: MV ist weiter Schlusslicht, zusammen mit Sachsen-Anhalt. Für Frauen fällt die Prognose günstiger aus: Ihre Lebenserwartung lag 2015 im Nordosten bei 82,9 Jahren und damit nur rund zwei Monate unter dem Bundesschnitt.

Gunnar Bauer, Sprecher des Landesgesundheitsministeriums, weist den Vorwurf mangelhafter medizinischer Versorgung zurück: „Diese Aussage teilen wir nicht.“ Die Lebenserwartung hänge „wesentlich von der Gesundheitskompetenz der Menschen ab“. Dabei spielten sozialer Stand, Alkohol, Rauchen, Sport und die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen eine Rolle. MV sei weder bei niedergelassenen noch bei Klinikärzten schlechter aufgestellt als Stadtstaaten und Ballungsräume. Bauer verweist auf Statistiken: Denen zufolge liegt MV im Mittelfeld – hinter Hessen, Berlin und Hamburg, aber vor Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein. Und zwar bei der Ärztezahl je Einwohner – also der Zählweise, die Klüter kritisiert.

„Flächendeckend haben wir ausreichend Krankenhäuser“, sagt dagegen Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer MV. Es sei aber wichtig, dass alle Standorte „erhalten bleiben“. Kliniken, die für Urlaubsregionen zuständig sind, müssten laut Kammer finanziell besser ausgestattet werden. Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft, weist die Kritik aus Greifswald als „absolut unbegründet“ zurück. Die „Rettungskette bis zum Krankenhaus“ sei immer „kurzfristig gewährleistet“.

Gerald Kleine Wördemann

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