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Forscher findet neue Krabbe an der Ostseeküste

Rostock Forscher findet neue Krabbe an der Ostseeküste

Rostocker Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

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Dieses Exemplar einer Asiatischen Strandkrabbe stammt aus der Wismarbucht.

Quelle: Fotos: Wranik

Rostock. Spektakuläre Funde an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern: Der Meeresbiologe Dr. Wolfgang Wranik von der Universität Rostock entdeckte beim Tauchen im Flachwasser der Wismarbucht eher zufällig neue Einwanderer, sogenannte Aliens. Konkret handelt es sich um die Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus takanoi) sowie Vertreter der Kopfschildschnecken.

OZ-Bild

Rostocker Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

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Aggressive Allesfresser

50 000 Eier können die Weibchen der Asiatischen Strandkrabbe bis zu viermal im Jahr produzieren. Ursprünglich stammen die Tiere aus den gemäßigten bis subtropischen Küstengewässern des nordwestlichen Pazifik. Meist leben sie in küstennahen Gewässern und sind aggressive Allesfresser, die Tiere bis zur gleichen Größe überwältigen können.

Die drei Zentimeter breiten und zumeist grau bis braun gefärbten Asiatischen Strandkrabben sind ursprünglich im westlichen Pazifik an den Küsten Chinas und Japans beheimatet und aggressive, räuberische Allesfresser, erklärt Wranik. Der Experte vermutet, dass diese Meerestiere sich an der Außenhaut von Schiffen festgekrallt und so die Distanz aus asiatischen Gewässern bis in den Atlantik und die Nordsee überbrückt haben. Anhand der „pelzartigen Strukturen an der Basis der Scheren“ lassen sie sich leicht von den anderen in der Ostsee vorkommenden Krabbenarten unterscheiden.

Vor zwei Jahren entdeckten Kieler Biologen solche Krabben in der Kieler Förde. Und nun sind die Einwanderer, die versteckt unter Steinen oder anderem Hartsubstrat leben, erstmals auf der Sedimentoberfläche in den küstennahen Gewässern von MV von Wolfgang Wranik gesichtet worden. Der Rostocker Wissenschaftler geht davon aus, dass diese Meerestiere bereits seit 1993 zunächst an die französische Küste gelangt sind. Seither breiten sie sich entlang der französischen, belgischen, niederländischen und deutschen Nordseeküste aus und haben sich hier fest etabliert.

Anders bei der neu entdeckten Schneckenart. Die etwa einen Zentimeter großen Tiere besitzen eine blasenförmige, aber nur sehr dünnwandige Schale. „Die genaue Artbestimmung über äußere Merkmale ist schwierig“, sagt Wranik. Deshalb gebe es gegenwärtig eine DNA-Untersuchung.

Die Entdeckung von zwei neuen Arten an der Ostseeküste von MV „ist sowohl beunruhigend als auch aufregend“, sagt die international erfahrene Rostocker Meeresbiologin Prof. Inna Sokolova. „Es ist noch zu früh zu sagen, ob die neuen Arten Auswirkungen auf die Ökosysteme von MV haben werden oder ob sie sogar in der Lage sind, nachhaltige Populationen zu etablieren.“ Trotzdem sei ihr Eintritt in die Gewässer von MV „besorgniserregend wegen der Unberechenbarkeit der möglichen Konsequenzen für das Ökosystem“, sagt Inna Sokolova. Die Forschung der Rostocker Meeresbiologin erstreckt sich über die Ökosysteme von der Atlantik- und Pazifikküste der USA, der Nordsee, dem arktischen Weißmeer und jetzt besonders auf die Ostsee.

Weltweit ist die Expansion invasiver – das heißt ökologisch oder wirtschaftlich problematischer – Arten einer der wichtigsten Faktoren für den Verlust der biologischen Vielfalt. „Die Ostsee ist ein Hotspot für die Arteninvasion, mit etwa 100 gebietsfremden Arten, die in den letzten 150 Jahren in die Ostsee eingeführt wurden, meistens unabsichtlich durch die Schifffahrt“, erklärt Inna Sokolova.

Zum Glück seien aber nur wenige der eingeführten Arten in der Ostsee invasiv.

Ein Problem stellt etwa die Schwarzmundgrundel dar. Der ursprünglich im Kaspischen Meer beheimatete Fisch breitet sich rasant in der Ostsee aus und beeinflusst inzwischen das Meeres-Ökosystem.

Untersuchungen zufolge ist die Grundel ein Nahrungskonkurrent für Flundern und könnte Plattfische aus deren Gebieten verdrängen. Außerdem steht sie im Verdacht, Eier und Larven von Heringen zu fressen.

Auch die walnussgroße, amerikanische Rippenqualle verspeist nach Beobachtungen von Meeresbiologen Fischlarven, etwa von Dorschen. Problematisch sind ebenfalls die in den Sommermonaten massenhaft vorkommenden Ohrenquallen. Experten zufolge ernähren sie sich räuberisch: Sie fressen Plankton, reinigen dadurch zwar das Wasser, konkurrieren aber auch mit Fischen um die Nahrung.

Insbesondere „opportunistische Raubtiere“ wie die Asiatische Krabbe haben laut Prof. Sokolova das Potenzial, invasiv zu werden: „Wir müssen nun die Lebensräume, die für diese Arten potenziell geeignet sind, genau überwachen.“ So soll festgestellt werden, ob die Alienspopulationen sich etablieren und ausbreiten. Außerdem wollen die Wissenschaftler mehr über die Ökologie und Physiologie der neuen Arten herausfinden. Ziel der Untersuchungen: künftigen Invasionen fremder Arten besser entgegenwirken zu können.

Wolfgang Thiel und Axel Meyer

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