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MV aktuell Schenkung gut durchdenken – wichtige Fragen und hilfreiche Antworten zum Thema Erbe
Nachrichten MV aktuell Schenkung gut durchdenken – wichtige Fragen und hilfreiche Antworten zum Thema Erbe
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01:31 05.05.2018
Gefragte Gesprächspartner in Rostock: AOK-Sprecher Markus Juhls (v. l.), Pflegeberaterin Astrid Klinzing, OZ-Chefredakteur Andreas Ebel, Sozialberaterin Kirsten Masch, Geschäftsführer der Notarkammer MV, Dr. Niclot von Stralendorff, und Notarin Sabine Klink (nicht auf dem Bild Notarin Claudia Nagy). Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Die Themen „Erben und vererben sowie Pflege von Angehörigen“ bereitet vielen OZ-Lesern Kopfzerbrechen. Das wurde bei den drei Ratgeber-Foren in der vergangenen Woche in Rostock, Grevesmühlen und Greifswald deutlich. Die Infoveranstaltungen führte die OSTSEE-ZEITUNG gemeinsam mit der Notarkammer MV, den Pflegestützpunkten des Landes, der AOK Nordost und der Verbraucherzentrale MV durch. Insgesamt rund 400 Leser nutzten die Chance, sich bei den Pflege-Profis, Notaren und Verbraucherschützern zu informieren. Hier einige wichtige Fragen und Antworten.

Muss ich in jedem Fall einen Erbschein beantragen?

Der Erbschein wird in denjenigen Fällen benötigt, in denen kein notarielles Testament vorliegt, also wenn der Erblasser kein Testament oder ein solches lediglich in handschriftlicher Form verfasst hat. Der Erbschein stellt neben dem notariellen Testament das einzig anerkannte Legitimationspapier für die Erben dar.

Kann man ein gemeinschaftliches Testament noch ändern, wenn einer der beiden Erblasser verstorben ist?

Wenn in dem Testament keine Änderungsmöglichkeit vorgesehen wurde, ist eine Abänderung nach dem Tod eines Ehegatten bei einer auf Gegenseitigkeit beruhenden Verfügung grundsätzlich ausgeschlossen. Um Probleme zu vermeiden, sollten gemeinschaftliche Testamente am besten nach notariellem Rat gestaltet werden.

Wer erbt das gemeinsame Haus eines Ehepaares, wenn beide Kinder aus anderen Verbindungen mit in die Familie gebracht haben?

Nach der gesetzlichen Erbfolge vererbt der zuerst versterbende Ehegatte sein Vermögen anteilig an den länger lebenden Ehegatten und darüber hinaus nur an die eigenen Kinder. Nach dem Tod des länger lebenden Ehegatten wird dieser durch seine eigenen Kinder beerbt, die bezüglich des Gesamterbes gegenüber den anderen Kindern möglicherweise bevorteilt werden. Ist eine abweichende Regelung erwünscht, empfiehlt es sich, klare Regelungen für den Todesfall eines Ehepartners zu treffen.

Wie kann ich mein behindertes Kind nach meinem Tod so absichern, dass es nicht das ererbte Vermögen an den Sozialhilfeträger verliert?

Es gibt die Möglichkeit des sogenannten Behinderten-Testamentes. Hier bekommt das Kind nicht das gesamte Erbe ausgezahlt. Es erhält vielmehr monatliche Zuwendungen, die nur so hoch sind, dass der Anspruch auf staatliche soziale Hilfe daneben bestehen bleiben kann. Die einzelnen Gestaltungsaspekte sollten in jedem Fall mit einem Notar abgeklärt werden.

Was passiert, wenn der Erblasser einen großen Teil seines Vermögens zu Lebzeiten verschenkt? Haben die Erben nach seinem Tod dann keinen Zugriff mehr darauf?

Das kommt darauf an: Ist die Schenkung länger als zehn Jahre her, fällt sie unter Umständen aus dem Erbe heraus. Stirbt der Schenker davor, wird der Wert der Schenkung – zumindest teilweise – der Erbmasse wieder hinzugerechnet. Das führt dazu, dass sich mögliche Pflichtteilsansprüche gegen den Erben nach dem um die Schenkung erhöhten Wert des Nachlasses berechnen. Dies gilt in jedem Fall auch nach Ablauf von zehn Jahren, wenn sich der Schenker an einer verschenkten Immobilie zum Beispiel einen sogenannten Nießbrauch vorbehalten hat.

Ist es besser, wenn wir unser Grundstück bereits zu Lebzeiten auf unsere Kinder übertragen oder sollen wir dies durch Testament regeln?

Sicherlich stellt Ihre Immobilie – wie bei vielen Bürgern – den größten Wert Ihres Vermögens dar. Es will also gut überlegt sein, dieses Vermögen bereits zu Lebzeiten wegzugeben. Im Notfall hätten Sie kein Vermögen, was eingesetzt werden kann , sei es, um sich ein altersgerechtes Wohnen oder etwa im Krankheitsfalle Behandlungen zu ermöglichen, die von Krankenkassen nicht bezahlt werden. Durch hohe Erbschaftsteuerfreibeträge eines Kindes von 400000 Euro (siehe Kasten) gibt es auch aus steuerlicher Sicht häufig keine Notwendigkeit, dazu Überlegungen anzustellen.

Ich habe mit meinem Mann ein gemeinsames eigenhändiges Testament errichtet. Wir haben ein Grundstück. Ist es besser, das Testament notariell beglaubigen zu lassen?

Rechtlich ist zwischen der Beglaubigung und der Beurkundung zu unterscheiden, wobei in diesem konkreten Fall die Beurkundung zu bevorzugen ist. Eine Beglaubigung Ihres Testamentes würde nur bedeuten, dass der Notar bestätigt, dass Sie dieses Testament selbst unterschrieben haben. Es bleibt aber ein von Ihnen selbst gefertigtes eigenhändiges Testament. Möchten Sie ein notarielles (beurkundetes) Testament errichten, so wenden Sie sich an einen Notar! Mit diesem können Sie Ihre Wünsche besprechen. Und er kann Ihnen erklären, wie das Testament gestaltet werden muss, um das Gewünschte so weit wie rechtlich möglich umzusetzen. Das notarielle Testament wird zur Verwahrung an das Amtsgericht übergeben. Damit kann es nicht verloren gehen, was bei eigenhändigen Testamenten immer wieder passiert. Letztlich bedarf es im Todesfalle nur der Eröffnung dieses Testamentes, ein Erbscheinverfahren ist nicht mehr notwendig. Dies spart Zeit und Geld.

Wir haben ein Testament errichtet, in dem wir uns zunächst gegenseitig zu Erben eingesetzt haben. Wie können wir verhindern, dass unsere Kinder bereits beim Tode des Erstversterbenden ihren Pflichtteil geltend machen?

Der Pflichtteilsanspruch kann nicht ohne Mitwirkung der Kinder einfach ausgeschlossen werden. Dieser Anspruch steht den Kindern gesetzlich zu. Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu den Kindern haben, sollten Sie diese Problematik mit ihnen besprechen. Sie können mit den Kindern vor einem Notar Ihrer Wahl einen Pflichtteilverzichtsvertrag oder auch einen Erbvertrag schließen. Zudem kann durch eine entsprechende Testamentsgestaltung verhindert werden, dass der den Pflichtteil geltend machende Berechtigte gegenüber anderen Erben bevorteilt wird.

Mehr unter www.ostsee-zeitung.de

Hier gibt es Hilfe

Rostock. In MV sind 53 Notare an 29 Standorten zugelassen:

Notarkammer MV,

Alexandrinenstraße 26

19055 Schwerin

☎ 03 85 / 5 81 25 75

Internet: www.notarkammer-mv.de

Pflegestützpunkte bei der Kranken- und Pflegekasse erfragen, beispielsweise bei der AOK Nordost, Am Grünen Tal 50, 19063 Schwerin

☎ 08 00 / 2 65 08 00

Internet: www.aok.de oder www.pflegestuetzpunktemv.de

Im Nordosten existieren derzeit zehn Amtsgerichte:

Justizministerium MV

Puschkinstraße 19-21, 19055 Schwerin

☎ 03 85 / 5 88 30 03

Mehr im Internet unter:

www.mv-justiz.de/gerichte und www.jm.mv-regierung.de

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