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MV aktuell Frauen in der Feuerwehr: „Ein anderer Schwung“
Nachrichten MV aktuell Frauen in der Feuerwehr: „Ein anderer Schwung“
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08:59 17.03.2019
Anna Strempel (34) steht neben dem Feuerwehrfahrzeug. Quelle: dpa
Ziesendorf/Schwerin

Gut 3700 Frauen arbeiten oder engagieren sich in Mecklenburg-Vorpommern bei der Feuerwehr. Dies entspricht einem Anteil von etwa 13 Prozent aller Feuerwehrleute - deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. „Der Frauenanteil steigert sich seit Jahren kontinuierlich“, sagt die Frauenbeauftragte des Landesfeuerwehrverbands, Iris Reckling. Aus ihrer Sicht dürfte die Zahl aber gerne weiter wachsen.

3700 Frauen sind in Mecklenburg-Vorpommern in der Feuerwehr aktiv. Ihr Anteil ist deutlich größer als im Bundesdurchschnitt. Problematisch sei die Zusatzbelastung zu Beruf und Familie.

Die aktuellsten Zahlen stammen nach ihren Angaben aus dem Jahr 2016. Demnach waren damals von den etwa 3700 Feuerwehrfrauen rund 2000 Mädchen in den Jugendfeuerwehren. Bundesweit engagierten sich 92.000 Frauen in den freiwilligen Feuerwehren, nur 600 waren damals hauptberuflich Brandbekämpferinnen, wie Steffi Bergmann vom Bundesfeuerwehrverband sagt. Insgesamt gibt es ihr zufolge gut 1,3 Millionen Feuerwehrleute in Deutschland, der Frauenanteil entspricht bundesweit also gut sieben Prozent.

„Wir wollen Feuerwehrfrauen sichtbarer machen in den Medien und öffentlich Anerkennung und Auszeichnung zeigen und weiter an der Vernetzung arbeiten“, sagt Reckling. Dafür gebe es das bundesweite Netzwerk Feuerwehrfrauen. Im Nordosten gebe es einen regelmäßigen Austausch, etwa in Workshops. „Weil viele Frauen Angst haben mit der Atemschutzmaske und dass die zu schwer ist“, habe sie etwa einmal einen Workshop „Keine Angst vor Atemschutz“ angeboten, sagt Reckling. „Da habe ich gesagt, dann machen wir das jetzt mal und daraufhin sind fast alle in die Atemschutzausbildung reingegangen.“

Vereinbarkeit von Familie, Ehrenamt und Beruf ein Problem

Probleme mit sexistischen Sprüchen habe sie noch nicht erlebt. „Das einzige Problem, das wir zur Zeit haben, ist der Balanceakt Familie - Ehrenamt - Beruf, auch in den freiwilligen Feuerwehren: Wenn der Piepser geht, wohin mit den Kindern, wenn der Mann auch in der Feuerwehr oder nicht da ist?“ Außerdem gehe es darum, als ganz normales Mitglied anerkannt zu werden, sagt Reckling. „Die Frauen wollen nicht speziell auf Händen getragen, sondern anerkannt werden. Sie werden oft nicht wahrgenommen, das ist auch oft ein Problem in MV.“ Sexismus sei das für sie aber nicht.

Eine von jenen, die wegen der Doppel- und Dreifachbelastung nicht weiter aufsteigen will, ist Anna Strempel. Die 34-Jährige engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr Ziesendorf bei Rostock. „Seit 2006 bin ich stellvertretende Wehrführerin, also jetzt in der dritten Wahlperiode“, berichtet sie.

„Eine Frau denkt immer anders als ein Mann“

Nachdem sie von Rostock nach Ziesendorf gezogen war, sei sie erst in die Jugendfeuerwehr und mit 16 Jahren dann in den aktiven Dienst eingetreten. Über Weiterbildungen habe sie schließlich die Möglichkeit bekommen, sich zur Wahl als stellvertretende Wehrführerin aufstellen zu lassen, sagt Strempel. Das sei damals positiv aufgenommen worden: „Es kam dadurch auch ein anderer Schwung mit rein.“

Und: „Eine Frau denkt immer noch mal anders als ein Mann, ist vielleicht etwas umsichtiger, oder beleuchtet andere Punkte mehr“, sagt Strempel. „Ob es Personalplanung ist oder Umgang mit Kameraden, auch das Führen.“ Probleme habe sie als Frau weder bei sich in der Wehr noch bei Ämtern je gehabt. Es sei auch wichtig, dass ihr Wehrführer und der Bürgermeister hinter ihr stünden. Weiter aufsteigen wolle sie aber nicht. „Arbeit, Familie und das ist dann doch schon noch ein Rucksack mehr.“ Als Stellvertreterin habe sie schon genug zu tun, noch mehr wäre als Berufstätige kaum machbar.

Strempel: Frauen sollten an sich selbst glauben

Frauen und Mädchen, die sich für die Feuerwehr interessieren, raten Reckling und Strempel, sich engagiert einzubringen und Fachwissen anzueignen. „Geht zu eurer Feuerwehr, guckt euch das an, macht ein Praktikum. Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten, viele Spezialisierungen, ob das Rettungsdienst ist, die Leitstelle, ins Feuer fahren“, rät Reckling. Strempel empfiehlt: „Auch an sich selber zu glauben, dass auch eine Frau eine Führungsposition in einem typischen Männerberuf ausüben kann.“ Dann klappe es auch mit dem Sich-Beweisen gegenüber den Männern.

RND/dpa