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Freiheitsstrafen für Glockendiebe von Groß Ridsenow

Groß Ridsenow Freiheitsstrafen für Glockendiebe von Groß Ridsenow

Vier Männer haben im Oktober 2012 eine seltene Friedshofsglocke gestohlen und zum Schrotthändler gebracht. Dafür bekamen sie gestern ihr Urteil.

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So sah sie aus, die Glocke von Groß Ridsenow.

Groß Ridsenow. Funkstille auf der Anklagebank: Wann und wie genau die Friedhofsglocke von Groß Ridsenow gestohlen und zerstört wurde, wird wohl nie geklärt. Die Diebe schweigen beharrlich. Das Aussageverweigerungsrecht hat den vier jungen Männern aus der Umgebung von Laage (Landkreis Rostock) allerdings nicht zum erhofften Freispruch verholfen. Stattdessen haben sie gestern Freiheitsstrafen zwischen sechs und 14 Monaten kassiert — dafür, dass wegen ihnen eine der bedeutendsten Glocken Mecklenburg-Vorpommerns für alle Ewigkeit verloren ist.

Geständnis? Fehlanzeige. Auch Worte des Bedauerns gibt es nicht. Stattdessen säen die Verteidiger Zweifel: Es sei gar nicht die Glocke aus Groß Ridsenow (Landkreis Rostock) gewesen, die ihre Mandanten im Oktober 2012 beim Schrotthändler abgeliefert haben. Auf das gute Bronzestück hätten die jungen Männer schließlich auch in einem Abrisshaus oder auf einem Feld stoßen können, argumentieren die Anwälte. Doch wo diese angebliche Fundstelle sein soll, dazu schweigen sie.

Richter Björn Kröhnert findet es „sehr unwahrscheinlich“, dass eine weitere 530 Kilogramm schwere seltene Glocken aufgetaucht sein soll — just zu der Zeit, wo eine andere verschwunden ist. Für ihn ist klar: Die Glocke, die Ende Oktober 2012 bei einem Entsorgungsunternehmen im Nordosten Rostocks zerstückelt gefunden wurde, ist die aus Groß Ridsenow. Zumal es in MV nur noch 23 Glocken gibt, die die berühmte Monkehagen-Gießerei im Mittelalter angefertigt hat — auch die von Groß Ridsenow. Dass das kleine Dorf in der Nähe von Güstrow seinen Kulturschatz an Metalldiebe verloren hat, können die Mitglieder der Kirchgemeinde schwer verkraften. Einige von ihnen haben den Prozess verfolgt — auch Pastor Thomas Lehmann. Er ärgert sich über das Schweigen der Angeklagten. „Man sollte zu seinen Taten stehen und Verantwortung übernehmen“, sagt er. Dadurch würde man zeigen, dass es einem leid tut. Ansonsten lebe man mit einer Lüge weiter. 9000 Euro hat seine evangelische Kirchgemeinde bisher gesammelt, um die völlig zerstörte Glocke wieder herstellen zu lassen. „Aber sie wird natürlich nie wieder die alte sein“, bedauert er.

500 Euro soll Christian H. (29) an Kretschmanns Kirchgemeinde zahlen. Hinzu kommt für ihn eine Freiheitstrafe von 13 Monaten — ausgesetzt zur Bewährung. Der junge Mann hat erst vor Kurzem eine lange Haftstrafe hinter sich gebracht. Gericht und Bewährungshelfer sehen ihn auf dem Weg der Läuterung. Er beginne bald einen neuen Job und hätte mittlerweile familiären Rückhalt. Wie er sind auch die drei anderen Männer vorbestraft — wegen Betruges, Diebstahl und Raub. Denny K. wird das zum Verhängnis. Der 30-Jährige muss 14 Monate ins Gefängnis. Er hatte noch eine Bewährungstrafe, als er die Glocke zum Schrotthändler brachte.

Die Glockendiebe Sebastian R. (23) und Marcel W. (30) werden zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Und sie müssen 80 bzw. 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Zwei der Angeklagten haben so etwas schon einmal abgeleistet — bei der Kirchgemeinde von Pastor Kretschmann. Damals haben sie sich um die Pflege des Grüns gekümmert — auch auf Friedhöfen.

Überwachungskamera überführt Täter

600 Jahre alt soll die Friedhofsglocke von Groß Ridsenow (Landkreis Rostock) ungefähr gewesen sein. Angefertigt wurde sie in der berühmtesten Glockengießerei des Mittelalters: der Monkehagen-Gießerei mit Sitz in der Hansestadt Rostock.
Die Anlieferung beim Schrotthändler ist gefilmt worden. Denn der hat ein Überwachungssystem auf seinem Gelände installiert. Außerdem musste einer der jungen Männer seine Personalien hinterlegen.


Nach dem Diebstahl ist die Glocke vermutlich in der Ortschaft Subsin zwischengelagert worden. Am 6. Oktober 2012 wurde sie dort in einen Pkw-Anhänger geladen und zu einem Entsorgungsunternehmen im Nordosten Rostocks gefahren.

 



Kerstin Schröder

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