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Freundin starb bei Folter: 5 Jahre Haft für Peiniger von Alt Rehse

Neubrandenburg Freundin starb bei Folter: 5 Jahre Haft für Peiniger von Alt Rehse

Das Gericht hält den Angeklagten für vermindert schuldfähig

Neubrandenburg. . Kurz vor Schluss kommt eine Art indirektes Geständnis. „Ihr Tod kam für mich mehr als überraschend, und ich kann mir nicht erklären, warum ich nicht den Notarzt geholt habe“, erklärt Axel G. (51) gestern in seinem „letzten Wort“ vor dem Landgericht Neubrandenburg – er habe wohl schon vorher jegliches Vertrauen in den Rechtsstaat verloren. Kurz danach wird der Mann, der seine Lebensgefährtin zu Tode gefoltert hat, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Richter Klaus Kabisch spricht den 51-Jährigen aus Alt Rehse der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. „Einiges an Ihrem Verhalten hat nahezu skurril angemutet“, sagt Kabisch. Der Angeklagte galt als vermindert schuldfähig.

 

OZ-Bild

Axel G. bekam gestern sein Urteil. Fünf Jahre Haft.

Quelle: Foto: Felix Gadewolz

Die genaue Todesursache der Frau sei unklar geblieben. Nach Auffassung des Gerichts fesselte der Mann im Juni 2016 nach einem Streit seine 32 Jahre alte Lebensgefährtin nackt ans Bett, folterte sie mit einer Peitsche und gab ihr so lange kein Essen und Trinken, dass sie schließlich starb. Der Angeklagte hatte versucht, sie wiederzubeleben, aber vergeblich.

Im Prozess machte der Mann bis zum Schluss keine Angaben zu den Vorwürfen. Polizisten und ein Gefängniswärter sagten vor Gericht, er habe die Frau misshandelt, weil er angenommen habe, dass „der Bundesnachrichtendienst und die Dorfbewohner“ die 32-Jährige auf ihn angesetzt hätten. „Sie sollte mich zersetzen“, habe er erklärt. Sie solle auch Brillen und Schlüssel gestohlen haben.

„Das kam uns auch sonderbar vor“, sagte ein Polizist. Das Opfer, das aus Rheinland-Pfalz stammt, war durch eine TV-Kuppelshow bekannt geworden. Die Frau, die bei Amtsgeschäften gerichtlich betreut wurde, hatte den Angeklagten über das Internet kennengelernt. Ihre Leiche war im August im Haus entdeckt worden. Der Mann hatte die Tote nach eigenen Angaben gewaschen, in Decken und Folien gewickelt und auf eine Sackkarre gebunden, die er in dem ehemaligen Gasthof hin- und hergeschoben hatte. Nachbarn hatten die Frau schon länger vermisst. Der Mann hatte mit allen Nachbarn Streit – oft wegen Ruhestörungen.

Der 51-Jährige stammt aus der Nähe von Stuttgart und war Mitte der 1990er nach Belzig (Brandenburg) gezogen. Dort lebte er 15 Jahre in der Gemeinschaft Zentrum für experimentelle Gesellschaft sgestaltung. Zuvor hatte er sich als Computer- und Technologiespezialist selbstständig gemacht. „Ich war in hoch verantwortlicher Stellung bei namhaften Firmen tätig“, sagte er vor Gericht. Im Prozess belehrte er auch mehrfach die Richter. Schließlich zog er mit seiner ersten Frau nach Alt Rehse und übernahm dort den früheren Gasthof. Die Beziehung kippte, die Frau zog Anfang 2015 aus – danach begannen seine Probleme im Ort.  

Oberstaatsanwalt Bernd Bethke hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert. Die Nebenklage, der den Vater des Opfers vertrat, plädierte dagegen auf Totschlag und verlangte elf Jahre Haft: „Sie hatten dem Vater versprochen, gut für die Tochter zu sorgen.“

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne sichtbare Regung auf. Im Internet hatte er sich einmal als „Reichsbürger“ bezeichnet – das spielte im Prozess aber keine Rolle.

Winfried Wagner

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