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Frühling bringt Radler in Fahrt

Rostock Frühling bringt Radler in Fahrt

Es gibt viele gute Gründe, jetzt auf‘s Zweirad umzusatteln

Rostock. Der Frühling kommt endlich auf Touren und bringt müde Geister in Fahrt: Die ersten wärmeren Tage und die erblühende Natur wecken bei vielen die Lust auf Bewegung.

Also nichts wie rauf aufs Rad. Wer in den vergangenen Monaten mit Bus oder Auto vorlieb nehmen mussten, sattelt jetzt aufs Zweirad um. Gut so, denn der einstmals schlichte Alltagsbegleiter hat jede Menge zu bieten.

LIEBLINGSSTÜCK

Mit mehr als 1,4 Millionen Fahrrädern rollen Mecklenburger und Vorpommern privat von A nach B. Hinzu kommen abertausende Leihfahrräder, mit denen Touristen auf Tour gehen. Bundesweit sind 72

Millionen Räder unterwegs, so viele wie nie zuvor. Damit hat statistisch gesehen beinahe jeder Deutsche ein eigenes Bike. Das Gefährt steht allerdings auch bei Dieben hoch im Kurs. 7046 Räder verschwanden laut Statistik des Landeskriminalamtes 2014 in MV — 180 mehr als im Vorjahr. Schaden: rund drei Millionen Euro.

KASSENKNÜLLER

Mit der Lust, am Rad zu drehen, verdient der Fachhandel viel Geld. 2,42 Milliarden Euro setzte er im vergangenen Jahr nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes um — neuer Rekord. Für ein Rad zahlten Verbraucher im Schnitt 557 Euro. 4,5 Millionen Stück wurden bundesweit verkauft. Qualität und hochwertige Ausstattung ließen sich immer mehr Kunden etwas kosten, sagt Jörg Bänder, Chef des Bike-Market in Rostock. Für Modelle mit Elektroantrieb zahlten Käufer zum Beispiel durchschnittlich 2300 Euro. „E-Bikes sind total im Trend, das Klientel dafür wird immer jünger“, sagt Bänder. Gute Geschäfte macht die Branche auch mit Zubehör und Reparaturen. Für Textilien, Ersatzteile und Werkstattleistungen geben die Deutschen mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr aus. „Räder haben heute viele Raffinessen. Da ist Service vom Fachmann wichtig“, sagt Bänder.

GESUNDHEITSCOACH

Wer regelmäßig radelt, halbiert das Risiko, an Herz-Kreislaufleiden oder Diabetes zu erkranken. Für jene, die häufig im Sitzen arbeiten, ist Radfahren der perfekte Ausgleich. Denn es hält Gelenke und Muskeln auf Trab und beugt zugleich Rückenleiden und Verspannungen vor. Eine Radtour macht Spaß, baut Stress ab und ist gut für das seelische Wohlbefinden. Allerdings fährt ein Stückchen Risiko mit:

Wer ohne Helm unterwegs sei, könne sich bei einem Sturz lebensgefährliche Kopfverletzungen zuziehen, warnt Prof. Thomas Mittlmeier, Leiter der Unfallchirurgie an der Uniklinik Rostock. Jetzt im Frühjahr müsse er auch häufig angeknackste Handgelenke und Schlüsselbeine verarzten, die herhalten mussten, um einen Sturz abzufedern.

FITNESSTRAINER

Wer sich nur selten bewegt, verbrennt kaum Fett. Regelmäßiges und entspanntes Radfahren ist laut den Experten der Deutschen Sporthochschule in Köln die beste Methode, den Körper wieder daran zu gewöhnen, die Reserven anzuzapfen. Das liege an der langen Belastungszeit. Beim Sport baue der Körper in der ersten Dreiviertelstunde nur Kohlenhydrate ab. Erst danach gehts an die Fettpolster.

Verausgaben solle man sich allerdings nicht: Wer aus der Puste sei, verbrenne kein Fett.

EXPORTSCHLAGER

1,16 Millionen Bikes hat Deutschland 2015 in alle Welt exportiert. die meisten gingen in die Niederlande. Zeitgleich wurden 3,28 Millionen Räder ins Land geliefert. Jedes fünfte importierte Rad kommt aus Kambodscha, jedes zehnte aus Polen.

STATUSSYMBOL

Früher Ökoschese, heute Kult: Das Fahrrad ist zum Lifestyle-Objekt aufgestiegen. Die Angebotspalette ist riesig und reicht vom robusten Lastenrad über Retro-Cruiser bis zum Designermodell mit Bambusrahmen. Vor allem junge Städter legen Wert auf Stil und persönliche Note, sagt Trendforscher Jon Christoph Berndt. „Mit 08/15 von der Stange bist du total out.“ Beim Fahrrad gehe es längst nicht mehr nur darum, vom Fleck zu kommen. „Die Leute wollen mit tollen Modellen ihre Seele streicheln, sich etwas gönnen.“ Das Rad habe das Auto als Lieblingskind der Deutschen abgelöst. Es wird gehegt, gepflegt und aufgemotzt. Bei besonders Radverrückten kenne die Liebe kaum Grenzen. „Oma kann ruhig im Freien schlafen, aber mein Rad? Auf keinen Fall. Das muss mit in die Wohnung“, scherzt Berndt. Mit Form, Farbe und Design verrate der Besitzer viel über sich selbst. Sicherheitsbedürftige fahren Singlespeed: Das Rad ohne Gänge und Chichi verspricht minimale Wartung bei maximaler Verlässlichkeit. Der Draufgänger steigt aufs Fatbike — ein Modell mit extra breiten Reifen. „Damit könnte man auch durch den Steinbruch kommen. Aber darum geht‘s gar nicht: Wenn Mann damit vor dem Eiscafé vorfährt, denken die Ladies: Was für ein cooler Typ. Der kann bestimmt gut küssen“, erklärt Berndt.

WOHLTÄTER

Wer im Sattel sitzt, kann Staus umfahren und braucht nicht lange nach Parkplätzen zu suchen. Das spart Spritkosten, schont die Nerven und die Umwelt. Räder setzen keine schädlichen Abgase frei, machen keinen Lärm und sind ressourcenschonend: Für das, was die Produktion eines Autos an Energie und Rohstoffen verschlingt, könnte man bis zu 100 Fahrräder bauen.

Von Antje Bernstein

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