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MV aktuell Frustiert im Job: Jeder Fünfte hat innerlich gekündigt
Nachrichten MV aktuell Frustiert im Job: Jeder Fünfte hat innerlich gekündigt
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05:54 01.11.2016
„Keine vernünftige Bezahlung, keine Mitbestimmung – daraus entstehen innere Kündigungen.“ Uwe Polkaehn, DGB-Chef Nord

Jeder fünfte Beschäftigte hat innerlich gekündigt, erledigt auf Arbeit nur noch das Nötigste. Das ist das Ergebnis einer Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA/Berlin). Für Mecklenburg-Vorpommern (laut Statistischem Landesamt derzeit 747000 Erwerbstätige), würde das bedeuten: Knapp 150000 Beschäftigte arbeiten mit Frust, sind damit anfälliger für Depressionen, Herz-Kreislauf- und Sucht-Erkrankungen.

„Immer mehr Druck, immer mehr Angstmacherei, keine vernünftige Bezahlung, keine Mitbestimmung – daraus entstehen innere Kündigungen“, sagt der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. Die Folgen innerer Kündigungen sind laut Studie gravierend – für Unternehmen und Angestellte: Qualitätseinbußen, sinkende Produktivität, Konflikte im Team und Fehlzeiten. Zudem zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport der Krankenkasse AOK: Beschäftigte haben häufiger körperliche und psychische Beschwerden, wenn sie mit der Unternehmenskultur ihres Betriebs nicht zurechtkommen.

Das sorgt dem Report zufolge auch in MV für eine Zunahme der krankheitsbedingten Fehlzeiten. Bei den AOK-versicherten Arbeitnehmern hat der Krankenstand im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr auf 5,5 Prozent leicht zugelegt (plus 0,1 Prozent). Der Bundesschnitt lag bei 5,3 Prozent.

Im Nordosten war damit im Jahr 2015 jeder Beschäftigte im Schnitt 20,6 Tage krankgeschrieben. Den höchsten Krankenstand verzeichnete der Kreis Ludwigslust-Parchim mit 6,4 Prozent, den niedrigsten Rostock mit fünf Prozent. „Es gibt einen engen Zusammenhang von Unternehmenskultur und dem gesundheitlichen Wohlbefinden der Mitarbeiter“, sagt der Leiter Prävention bei der AOK Nordost, Werner Mall. Der Experte nennt Stress, fehlende Anerkennung und mangelnde Kommunikation als häufige Ursachen für Fehlzeiten.

Laut der Studie führen unter anderem Führungsschwächen dazu, „dass Mitarbeiter ihr Engagement verlieren und den Arbeitseinsatz auf ein Minimum reduzieren“. Auch Veränderungen in der Organisation des Unternehmens können innere Kündigungen auslösen. Hinzu kommt laut Uwe Polkaehn von DGB Nord: Arbeitnehmer werden zunehmend atypisch beschäftigt – stundenweise, befristet, in Leiharbeit, in unfreiwilliger Teilzeit, Minijobs oder auf Abruf. Die extrem ungesunde Arbeit auf Abruf sei besonders prekär. Arbeitnehmer seien „fast wie Tagelöhner“ tätig: „keine festen Arbeitszeiten, kein festes Einkommen, aber allzeit bereit“. Im Norden sei „Arbeit auf Abruf“ vor allem in Hotels, Gaststätten, im Einzelhandel, Verkehr, im verarbeitenden Gewerbe und Gesundheitswesen verbreitet.

Auf bis zu 118 Milliarden Euro pro Jahr wird in einer älteren Studie des Beratungsunternehmens Gallup (2014) der volkswirtschaftliche Schaden durch unmotivierte Mitarbeiter in Deutschland geschätzt.

Damals lag der Anteil der Arbeitnehmer, die innerlich gekündigt haben, noch bei 16 Prozent. „Vielen Unternehmen und Verbänden in MV ist das Thema bewusst“, sagt die Geschäftsführerin der Unternehmensberatung der Wirtschaft, Andrea Dietrich. Im Netzwerk „Arbeit und Gesundheit“ sei man dabei, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Axel Meyer

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