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Führerschein ahoi: Bootsfans entern Fahrschulen

Rostock/Wolgast Führerschein ahoi: Bootsfans entern Fahrschulen

Lehrgänge im Land sind gut gebucht / Bei kostenlosen Schnupperkursen können Interessierte Seetauglichkeit testen

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Alle Mann an Bord: Hannes Werner (37) macht Henrike Pfeil (30) aus Rostock fit für die Prüfung.

Quelle: Frank Söllner

Rostock/Wolgast. Der Sommer weckt die Lust aufs Bootsfahren. Noch mehr Spaß macht das, wenn man dabei selbst das Steuer in der Hand hat. Dafür muss der Führerschein her.

Und den wollen in Mecklenburg-Vorpommern offenbar viele machen. Die Lehrgänge in Bootsfahrschulen sind gut gebucht. Mit Beginn der Urlaubssaison nimmt das Geschäft weiter Fahrt auf. Die Betreiber können auf noch mehr Kundschaft hoffen.

Mit dem eigenen Motorboot über die Ostsee brausen oder entspannt zum Angeln rausfahren – weil sich viele diesen Traum erfüllen wollen, plant Hannes Werner zu expandieren. Mit seiner Fahrschule Maaß

bringt er bereits in Rostock, Barth und Ribnitz-Damgarten Freizeitkapitänen in spe bei, sicher auf See zu manövrieren. „Die Kurse sind ganz gut gefragt. Deshalb möchte ich weitere Standorte aufmachen.“

Von Jahr zu Jahr mehr Schüler büffeln in der Segelschule „Rückenwind“ in Wolgast. „Jetzt im Sommer kommen viele Urlauber zu uns, im Frühjahr und Herbst sind es Einheimische aus einem Umkreis von 100 Kilometern“, berichtet Schulleiter Ralf Nehm. 60 Kurse bietet er pro Jahr an – querbeet vom Segel- bis zum Sportbootschein See. Letzterer ist bundesweit begehrt: Rund 37500 Prüflinge haben nach Angaben des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) diese Fahrerlaubnis im vergangenen Jahr gemacht. Auf die Prüfung bereiten sich immer mehr Menschen im Internet vor. Die Zahl derjenigen, die Onlinekurse nutzen, nimmt laut DSV stetig zu. Dennoch sind Autodidakten in der Minderheit: 90 Prozent aller Prüflinge haben zuvor in gewerblichen Sportbootschulen trainiert, fünf Prozent in Vereinen.

Dass ihm Onlineanbieter die Kundschaft streitig machen könnten, befürchtet Hannes Werner nicht. Im Gegenteil. „Viele, die online gescheitert sind, landen dann bei mir.“ Er hat Schüler jedes Alters.

Besonders eifrig sei die Generation 65 plus. „Oft sind es Rentner, die den Führerschein machen und sich dann gleich ein großes Boot zulegen.“ Sein bislang ältester Schüler sei 89 Jahre alt gewesen.

Die Sorgen vieler Bootsfahrlehrer, sie könnten weniger zu tun haben, nachdem vor einigen Jahren die Bestimmungen für Sportbootführerscheine gelockert wurden, haben sich nicht bestätigt, sagt Hans-Wolfgang Weinert vom Prüfungsauschuss für amtliche Sportbootführerscheine und Funkzeugnisse Rostock. Seit 2012 dürfen Boote mit einer Motorleistung bis 15 PS auch ohne Führerschein gefahren werden. „15 PS sind für Fahrten auf der Ostsee oder Seen wie der Müritz aber reichlich wenig. Und jungen Leuten reicht das schon mal gar nicht“, sagt Weinert.

Ab- und Anlegemanöver, Wetter- und Gesetzeskunde, Navigieren auf offener See – die Segelschule „Rückenwind“ bietet Interessierten drei Kursvarianten an: Um in Theorie und Praxis fit zu werden, können sie zwischen Kursen über zwei Wochen, eine Woche oder zwei Wochenenden wählen. Nicht jeder schafft den Sportbootschein auf Anhieb: In MV liege die Durchfallquote bei zwölf Prozent, sagt Ralf Nehm. In seiner Schule rasseln sechs Prozent beim ersten Versuch durch.

Wer nicht weiß, ob er überhaupt seetauglich ist, kann das am 2. und 3. Juli in Rostock-Warnemünde herausfinden. Dann laufen die Macher der Kampagne „Start Boating“ mit Segel- oder Motorbooten verschiedenster Typen im Hafen ein. Die Initiative führender Verbände und Unternehmen aus der Wassersport-Branche tourt durch ganz Deutschland und bietet kostenfreie Schnupperfahrten an. An Bord dürfen dabei auch Laien. Darüber dürften sich auch die Bootsfahrlehrer im Land freuen. Wer als Kapitän für einen Tag Spaß am Wassersport gefunden hat, nimmt womöglich bald schon Kurs auf ihre Schulen.

• Infos: www.start-boating.de

Drei verschiedene Scheine

Sportbootführerschein-See

Amtliche Fahrerlaubnis, die auf den Seeschifffahrtsstraßen und bis zu drei Seemeilen Abstand von der Küste benötigt wird, um motorisierte Sportboote mit einer größeren Nutzleistung als 11,03 kW (15 PS) zu führen. Jenseits der 3-Seemeilen-Zone besteht in Deutschland keine Führerscheinpflicht. Der SBF-See wird auch international von Vercharterern anerkannt und gefordert.

Mindestalter: 16 Jahre Sportbootführerschein-Binnen

Amtliche Fahrerlaubnis, die neben den Bundeswasserstraßen auch auf zahlreichen Landeswasserstraßen und Landesgewässern als Befähigungsnachweis gefordert wird. Der SBF-Binnen kann als reiner „Segelschein“ (SBF-Binnen unter Segel), „Motorschein“ (SBF-Binnen mit Antriebsmaschine) oder kombiniert als SBF-Binnen mit Antriebsmaschine und unter Segel erworben werden.

Mindestalter: unter Segel 14 Jahre; mit Antriebsmaschine 16 Jahre Sportküstenschifferschein

Amtlich anerkannte Fahrerlaubnis für alle Küstengewässer bis zwölf Seemeilen Abstand zur Küste. Er wird auch international von Vercharterern anerkannt und gilt als Befähigungsnachweis gegenüber Versicherern. Empfohlen wird er allen Wassersportlern, die die Drei-Seemeilen-Zone verlassen wollen. Voraussetzung ist der Besitz des Sportbootführerscheins-See.

Mindestalter: 16 Jahre Infos zu Preisen und Prüfungsterminen:

www.sportbootfuehrerscheine.org

Antje Bernstein

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