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Fusions-Idee spaltet Altefähr

Altefähr Fusions-Idee spaltet Altefähr

Stralsund will das Seebad am Sund eingemeinden. Auch Rostocker Bürger diskutieren einen Zusammenschluss der Hansestadt mit Umland-Orten.

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Blick auf Altefähr und Stralsund. Derzeit laufen Gespräche für eine mögliche Fusion.

Quelle: Fotos: Hansestadt Stralsund/berndt (3)

Altefähr. Wird die Rügener Gemeinde Altefähr ein Stadtteil von Stralsund? Ein Forum mit 250 Bürgern hat am Wochenende vor allem eines deutlich gemacht:

 

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Die Mär von einer Zwangsfusion gehört zu den Pseudoargumenten.Oliver Petrich Zugezogener

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Wenn wir Seebad bleiben wollen, wäre es gut, wenn uns Stralsund dabei hilft.Siegfried Rudolph Ex-Vize-Bürgermeister

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Rosarote Berge sind nichts gegen das, was Sie uns hier versprechen.Jürgen Diederich geboren in Altefähr

Es geht ein Riss durch die Einwohnerschaft. Befürworter eines Zusammenschlusses und dessen Gegner halten sich augenscheinlich die Waage. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) nutzte das Forum, um auf die Vorteile hinzuweisen, die die Altefährer bei einer Fusion mit seiner Stadt erwarten würden: kürzere Wege, ein stündlicher Pendelverkehr mit Bus und Fähre, Straßensanierungen, Ausbau der Infrastruktur, bessere Nahversorgung.

Möglich werden soll das mit einer Finanzspritze vom Land in Höhe von bis zu 2,8 Millionen Euro. Das Geld sei dann zwar zur Tilgung von Altschulden zu verwenden, gleichzeitig, so Badrow, werde Stralsund aber eine gleich hohe Summe locker machen, die dann vollständig in die Entwicklung von Altefähr fließe. Badrow verhehlte nicht, dass die Fusion ihm vor allem wegen der Erschließung neuen Baulandes am Herzen liegt. Dabei verwies er auf die Fläche „zwischen Ortskern und B 96“.

Ingulf Donig (SPD), Bürgermeister von Altefähr, stellte wiederum dar, dass es mit den Finanzen der Gemeinde rapide bergab gehe. Von den 1,1 Million Euro umfassenden Gemeindehaushalt gingen 500000 Euro als Umlage an den Kreis, „damit die Verwaltung dort arbeiten kann“. 250000 Euro schlucke die Amtsverwaltung in Samtens, 70000 Euro die Schulumlage und die Kita koste 60000 Euro.

„Bleiben uns vielleicht noch 100000 Euro, um etwas für die Gemeinde zu tun.“ Und das Geld werde in Zukunft nicht mehr. Deshalb sei die Fusion so enorm wichtig.

Jürgen Diederich (73), in siebenter Generation in Altefähr ansässig, zeigte sich äußerst skeptisch. „Rosarote Berge sind nichts gegen das, was Sie uns hier versprechen, Herr Badrow“, sagte Diederich.

„So sehr auf Rosen gebettet ist die Hansestadt auch nicht, dort gibt es genug Probleme.“ Es sei zu prüfen, ob nicht eine Großgemeinde mit umliegenden Partnern gebildet werden könne. Denn: „Altefähr ist eine ländliche Region. Wir passen nicht zu Binz und ebenso wenig zu Stralsund.“ Schon 1928 hätten die Altefährer es abgelehnt, sich der Hansestadt anzuschließen. Und das, so Diederich, hätten sie nicht von ungefähr getan.

Oliver Petrich, ein Zugezogener, stieß ins gleiche Horn. „Stralsund hat eine Haushaltskonsolidierung, 97 Millionen Euro Schulden, zwei arme werden nicht eine reiche Kommune.“ Im Verlauf der Debatte nannte er die Ausführungen von Badrow und Donig „Pseudoargumente“ und kritisierte vor allem, dass Drohszenarien aufgebaut würden, die aus „der Mär von einer Zwangsfusion oder einer Gewerbesteueranhebung“ bestünden.

Siegfried Rudolph, ehemaliger langjähriger Vize-Bürgermeister von Altefähr, beklagt, dass der Gemeinde Vieles abhanden gekommen sei. „Wenn wir aber Seebad bleiben wollen, wäre es gut, wenn uns Stralsund dabei hilft“, sagt er. Deshalb favorisiere er die Fusion.

Zum Aufreger könnte in den nächsten Wochen noch die Beteiligung der Bürger am Entscheidungsprozess werden. Auf Nachfrage verkündete Ingulf Donig, dass die für den 27. Mai geplante Bürgerbefragung „erst einmal weggeschoben“ werde. „Wir wollen noch weiter informieren, allen Haushalten Postwurfsendungen zukommen lassen – und wer möchte, kann sich Herrn Badrow auch zu einem Gespräch einladen“, sagte Donig. Die Befragung solle dann in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen.

Auch in der Region um Rostock geht es ums Geld, um neue Baugebiete und das Dauer-Problem mit Zehntausenden Pendlern: Den Ball ins Rollen gebracht hat die Hansestadt mit ihrem so genannten „Zukunftsplan“. In den kommenden Jahren will Rostock einen neuen Flächennutzungsplan aufstellen – und dabei sind die Bürger gefragt. Nicht wenige Rostocker haben vor allem einen Wunsch: „Die Hansestadt sollte mit den Umlandgemeinden ein Wohnraumkonzept entwickeln (die OZ berichtete). Am Ende könnte eine Fusion von Bad Doberan bis Sanitz und von Graal-Müritz bis Dummerstorf stehen.

Die Fusion

Am 1. Januar 2019 könnten Altefähr und Stralsund zu einer Gemeinde

verschmelzen. Dazu soll es in der zweiten Hälfte dieses Jahres eine Bürgerbefragung geben.

Laut Bürgermeister Ingulf Donig steht der Vereinigung formal nichts mehr im Wege, da die Gemeinde-

vertreter geschlossen hinten den

Plänen stehen würden.

Derzeit hat Altefähr laut Bürger-

meister 1200 Einwohner. Das

Landesraumentwicklungsprogramm gestattet der Gemeinde noch einen Zuwachs von rund 240 Einwohner, dann ist Schluss.

Jens-Uwe Berndt

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