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MV aktuell Fußball-WM: Sollen Politiker nach Russland reisen?
Nachrichten MV aktuell Fußball-WM: Sollen Politiker nach Russland reisen?
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08:01 12.06.2018
Angela Merkel 2014 mit der Weltmeistermannschaft des DFB Quelle: Guido Bergmann
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Rostock

Ab Donnerstag rollt der Ball bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Schon vor dem ersten Anpfiff sorgt das Mega-Turnier auch in Mecklenburg-Vorpommern für Diskussionen: Sollen deutsche Spitzenpolitiker nach Russland reisen oder angesichts der politischen Spannungen zwischen dem Gastgeber und dem Westen lieber darauf verzichten? „Ich kann und will anderen Politikern nicht vorschreiben, ob sie nach Russland fahren sollen oder nicht“, sagt Sportministerin Birgit Hesse (SPD). Jeder Politiker, der zur WM reise, werde sich das „sicher gut überlegt haben“.

Aus dem Bundeskabinett hat bisher nur Innenminister Seehofer angekündigt, die DFB-Elf vor Ort unterstützen zu wollen. Kanzlerin Merkel legt sich noch nicht fest. Mitglieder der Landesregierung in Schwerin lehnen einen Reiseboykott ab.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verweist auf die guten Wirtschaftsbeziehungen des Nordostens zu Russland, die auch Hesse hervorhebt: „Mecklenburg- Vorpommern pflegt viele Verbindungen nach Russland – insbesondere für die Wirtschaft sind sie wichtig.“

Einen Politiker-Boykott, wie ihn Großbritannien, die Ukraine und Island angekündigt haben, lehnen Poltitiker und Sportler aus MV einhellig ab. „Politische Dinge dürfen nicht auf dem Rücken der Sportler ausgetragen werden. Die Politiker sollten in Russland Flagge zeigen!“, fordert Ruder-Weltmeister Hannes Ocik. Das sieht auch der Chef des Landes-Fußballverbandes, Joachim Masuch, so: „Die Politik sollte sich zum Sport bekennen und in Russland präsent sein.“

Bisher hat nur Innenminister Horst Seehofer (CSU) angekündigt, sich vor Ort ein Spiel der DFB-Elf anschauen zu wollen. Andere Berliner Spitzenpolitiker scheinen einen Auftritt im Land von Wladimir Putin meiden zu wollen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Vizekanzler Olaf Scholz, Außenminister Heiko Maas (alle SPD) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) haben laut einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ keine Reisepläne. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Russland reisen wird, ist noch nicht bekannt. „Kann gut sein“, antwortete sie am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“ auf eine entsprechende Frage.

„Bei der Fußball-WM sollte der Sport im Vordergrund stehen“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg, der als Merkel-Vertrauter gilt. Besuche von Politikern bei der WM würden aber auch immer politisch interpretiert, urteilt der einstige Vorstandschef von Hansa Rostock. Er sei aber „fest davon überzeugt, dass die Meisten mit ihrer Reise der Mannschaft und den Fans deutlich machen wollen, dass die Bundesrepublik hinter unserer Nationalmannschaft steht.“ Er selbst wird die Spiele - wie auch die Schweriner Spitzenpolitiker - zu Hause am Fernseher verfolgen: „Ich wünsche mir, dass wir sportlich faire Spiele ohne unnötige politische Begleiterscheinungen erleben.“

Für Rehbergs Parteikollegen und MV-Innenminister Lorenz Caffier „spricht nichts dagegen, wenn Spitzenpolitiker zur WM fahren“. Die Debatte darüber könne er aber nachvollziehen, denn: „Sport ist nicht unpolitisch, sondern setzt im internationalen Rahmen öffentlich wahrnehmbare Signale.“ Der Sport dürfe aber nicht durch die Politik missbraucht werden: „Der Fußball soll im Vordergrund stehen. Dazu reisen die Sportler an, dafür haben sie sich qualifiziert.“

Für Gerd Kische, WM-Teilnehmer 1974 aus Rostock, ist es entscheidend, dass der Dialog auch in politisch schwierigen Zeiten nicht abreißt. „Wenn die Sportart Nummer eins, der Fußball, zur Verständigung beitragen kann, kann das nur gut sein.“

Das findet auch Hansa-Idol Juri Schlünz: „Wenn man nicht miteinander spricht und sich gegenseitig blockiert, führt das nicht zu guten Ergebnissen.“ Ex-Nationalspieler Stefan Beinlich würde es begrüßen, wenn Merkel, Steinmeier und Co. die Löw-Elf vor Ort unterstützen: „Es ist eine Fußball-WM, da geht es für unsere Jungs nicht um Politik, sondern darum, ihr Land gut zu vertreten.“

Sönke Fröbe

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