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MV aktuell „Den Lehrermangel hat MV selbst verschuldet“
Nachrichten MV aktuell „Den Lehrermangel hat MV selbst verschuldet“
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17:51 28.09.2018
Eberhard Schmidt aus Arpshagen ist ehemaliges Schulratsmitglied. Quelle: Jana Franke
Rostock

Es gab Zeiten, in denen mehr Lehrer da waren als es das finanzielle Budget der Landesregierung zulassen wollte. Was wurde getan? Es wurde ein Lehrerpersonalkonzept mit flächendeckender Teilzeitarbeit „erarbeitet“. Die Folge: Nicht wenige gut ausgebildete Lehrer verließen das Land – für immer. Der Rest feilschte um Stunden oberhalb der Zweidrittelbeschäftigung mit erheblichen finanziellen Nachteilen bis zur Rente und danach.

Der Begriff der Fachlichkeit wurde erfunden. Man bekam Stunden aus einem Pool, wenn man mindestens in drei Folgejahren im selben Fach unterrichtet hatte. Eine Unterbrechung führte zur Aberkennung. Viele gut ausgebildete Fachkräfte gingen in Vorruhestand und Altersteilzeit. Und zu wenig ausgebildete Lehrkräfte wurden neu eingestellt, weil die Verbeamtung in anderen Bundesländern ein großer Anreiz war.

„Wozu bedarf es da eines pädagogischen Studiums?“

Jetzt soll alles im Hau-Ruck-Verfahren aufgeholt werden. Doch geht es nun nicht mehr um „Fachlichkeiten“. Quer- oder Seiteneinsteiger sind die neuen Schnelllösungen. Wozu bedarf es da eines pädagogischen Studiums? Hauptsache kein Unterrichtsausfall. Dennoch können vor allem in Mathematik und den Naturwissenschaften viele Stellen nicht besetzt werden, siehe „Stellenalarm“ des Bildungsministeriums.

Was aber, wenn nun darüber hinaus etwa Krankschreibungen und Beurlaubungen anfallen. Auf wen greift man dann zurück? Die Antwort: Es könnten arbeitswillige sich im Ruhestand befindliche Lehrkräfte angesprochen werden. Aber wie geht man mit diesen um? Wie sieht es mit Vergütungen für unterrichtsfreie Zeit, Urlaubsansprüchen und Kündigungsfristen aus?

Erfahrungsstufen sollten heruntergruppiert werden

Meine Frau, ebenfalls Lehrerin, und ich haben das mit Teilzeitverträgen am Grevesmühlener Gymnasium am eigenen Leib erfahren. Eine zunächst kurzfristig angedachte Krankheitsvertretung wurde immer wieder verlängert. Bereits zu Beginn gab es Probleme mit der Eingruppierung bezüglich der Erfahrungsstufen. Wir sollten heruntergruppiert werden, weil wir länger als sechs Monate nicht unterrichtet hätten, so die Begründung. Wir setzten uns durch und wurden genauso vergütet wie die anderen ausgebildeten Lehrkräfte.

Uns gefiel die Arbeit, die Schulleitung kam uns entgegen und wir verlängerten immer wieder, jeweils um drei Wochen. Das Schuljahresende nahte und wir erhielten, weil die zu vertretende Lehrkraft sich gesund zurückgemeldet hatte, unsere Kündigung, ohne die 14-tägige Frist einzuhalten. Wieder mussten wir uns wehren. Uns wurde seitens einer Regionalschule ein Anschlussvertrag angeboten. Wir sagten zu, doch das Angebot wurde vier Tage später annulliert. Offiziell hieß es: Derzeit seien alle Stellen in den Fächern Mathematik und Physik besetzt. Und: Man hätte uns in den Sommerferien weiter bezahlen müssen.

„Unser Beispiel sollte Ansporn für andere sein“

Die Bemerkung, dass, wenn wir noch Geld bräuchten, man zu Beginn des Schuljahres eine Arbeit für uns finden würde, ließen wir unkommentiert. Wir haben bezüglich unserer Ansprüche für unterrichtsfreie Zeit und Urlaub eine Aufrechnung gemacht. Diese wurde nie beantwortet. Nachfragen auf öffentlichen Veranstaltungen der Bildungsministerin und der Ministerpräsidentin führten ins Leere.

Unser Beispiel sollte Ansporn für andere sein, in der jetzigen Notsituation kurzfristig zu helfen. Das ist daneben gegangen. Schade! Also: Lieber Stundenausfall, fachfremde Vertretungen, Nichtfachlehrer und Seiteneinsteiger als befristet eingestellte Lehrer mit Forderungen.

Und noch eins: Mit Kritik kann offensichtlich weder das Staatliche Schulamt noch das Bildungsministerium umgehen. Statt optimale Bedingungen zu schaffen, offen auf die Vertretungslehrer zuzugehen, ihnen zu helfen, ihre Ansprüche zu respektieren, lieber Kostenvermeidung um jeden Preis. Auf Dauer werden das auch die Eltern nicht mehr hinnehmen und sich nicht immer wieder vertrösten lassen. So wird es nicht besser!

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Eberhard Schmidt

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