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Gauck hört auf: Bedauern in MV über Abschied des Präsidenten

Rostock/Berlin Gauck hört auf: Bedauern in MV über Abschied des Präsidenten

Rostocker entscheidet sich gegen zweite Amtszeit in Berlin / Viel Respekt aus Politik

Rostock/Berlin. Joachim Gauck (76) zieht sich zurück. Der Bundespräsident aus Rostock hat gestern angekündigt, Anfang 2017 nicht mehr für das höchste Amt im deutschen Staat zu kandidieren. In Mecklenburg-Vorpommern überwiegen Stolz auf einen „Präsidenten von hier“, Bedauern, aber auch Verständnis für Gaucks Entscheidung, aus Altersgründen aufzuhören. In Schwerin läuteten Sekunden nach Gaucks Rede in Berlin die Dom-Glocken.

 

OZ-Bild

Bundespräsident Joachim Gauck (76)

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Pastor und Präsident

Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren, wuchs in Wustrow (Fischland) und Rostock auf.

Er wirkte als evangelischer Pastor und Mitbegründer des Neuen Forums in Rostock. Von 1991 bis 2000 war er Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Die nächste Präsidentenwahl ist für den 12. Februar 2017 geplant. Gaucks Amtszeit endet am 17. März.

„Er ist ein wunderbarer Präsident“, sagt Dietlind Glüer (78) wehmütig. Wie immer habe er „souverän entschieden“. Die Rostockerin kennt Gauck seit der Gründung des Neuen Forums, das ein besseres Leben für die Menschen in der DDR forderte. Glüer ist sicher: „Er hat den Norddeutschen Selbstbewusstsein gebracht.“ Für Henry Lohse (69), Joachim Gaucks besten Freund aus Rostock, ist der Rückzug „eine ambivalente Geschichte“. Einerseits sei da Verständnis, dass auch ein Präsident andere Dinge für wichtig erachte. Andererseits könne gerade ein Mann wie Gauck in diesem Amt etwas bewirken: „Er nennt die Dinge beim Namen“, so Lohse. Dass Gauck 2014 die deutsche Schuld im 2. Weltkrieg gegenüber Griechenland thematisierte, indem er sich entschuldigte, habe ihn tief beeindruckt.

Vier Minuten widmete Gauck gestern dem deutschen Volk, um im Schloss Bellevue seinen Rückzug zu erklären. Er werde auch weiterhin gern und engagiert Präsident sein, sagte er: „Bis zum 17. März 2017.“ Den Zuhörern machte er Mut: „Wir haben gute Gründe, uns Zukunft zuzutrauen.“

Diese Bodenständigkeit sei es, die Menschen so sehr an Gauck schätzten, sagt CDU-Landesvorsitzender Lorenz Caffier, „dass er nie vergessen hat, wo er herkommt“. Als Staatsoberhaupt habe er „uns ins Stammbuch geschrieben, wo noch Luft nach oben ist“. Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche, hebt Gaucks „Glaubwürdigkeit und Besonnenheit, die Klarheit und politische Weitsicht“ hervor, die gerade in jüngster Zeit bei der Integration von Flüchtlingen sehr wichtig gewesen seien. Jürgen Suhr (Grüne) lobt den Präsidenten für eine „klare und mutige Haltung gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus“, Ministerpräisdent Erwin Sellering (SPD) die Überparteilichkeit: „Seine Stimme hat Gewicht.“ Er widerspreche Gauck aber bei dessen Forderung, Deutschland solle militärisch mehr Verantwortung übernehmen.

Umstritten ist Gauck in Rostock. Seine Rolle zur Wendezeit bewerten viele Menschen differenziert. 2012, kurz nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten, kürte ihn die Hansestadt zum Ehrenbürger. Eine OZ-Umfrage sorgte seinerzeit deutschlandweit für Aufsehen: 58 Prozent der 1897 Leser waren gegen diese Ehrung. Seiten 2 und 3

Frank Pubantz

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