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MV aktuell Geburtenkontrolle bei Nandus mit dem Akku-Bohrer
Nachrichten MV aktuell Geburtenkontrolle bei Nandus mit dem Akku-Bohrer
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00:05 12.05.2017
Nandus stehen auf einem Feld zwischen Utecht und Schlagsdorf im Landkreis Nordwestmecklenburg. Europas einzige wilde Nandu-Population wächst und hat den Winter gut überstanden. Im Frühjahr waren 220 Tiere gezählt worden. Quelle: Foto: Christian Charisius/dpa
Schlagsdorf

. Etwa 20 Eier im XXL-

Im Biosphärenreservat Schaalsee bohren Ranger die Eier der Laufvögel an

Format und Eierschalen liegen in einem Nest am Boden. Das Gelege der Nandus auf einer Wiese bei Schattin (Landkreis Nordwestmecklenburg) ist verlassen, wie Ranger Mario Axel vermutet. Die Eier sind kalt, einige sind kaputt und leer. Sie waren erst vor drei Tagen von Rangern des Biosphärenreservats Schaalsee-Elbe angebohrt worden.

Dabei wurde die Schale von vier der 23 Eier bis ins Dotter durchbohrt, um sie unfruchtbar zu machen. Das Anbohren der Eischalen gilt als mildestes Mittel der Bestandsregulierung, auf der die Landwirte beharren. Nach ihrer Ansicht läuft die Zahl der verwilderten Nandus aus dem Ruder. 

Die Eingriffe mit dem Akku-Bohrer wurden in diesem Jahr zum ersten Mal genehmigt. Niemand hat Erfahrungen damit, räumt Axel ein. „Vielleicht taugt die Methode nicht.“ Der Ranger hatte eigentlich einen brütenden Hahn auf dem Rest des Geleges erwartet. Die Vögel bemerken die Manipulation an den Eiern normalerweise eine ganze Weile nicht, erklärt der Ornithologe Klaus-Dieter Feige. Irgendwann geben sie auf. „Der Bruttrieb lässt nach, sie haben dann keine Lust mehr.“ Würde man dagegen den Vögeln die Eier wegnehmen, würden sie sofort nachlegen.

Bisher haben Ranger lediglich zwei Gelege entdeckt. Nur bis zum 15. Mai dürfen die Eier angebohrt werden und auch nur solche, die noch kein Embryo enthalten. „Der Entwicklungsstand der Eier ist an ihrer gelben Färbung zu erkennen, erläutert Axel. Ein Gelege enthält im Schnitt 20 bis 25 Eier, aus jedem zweiten schlüpft ein Küken. 

Um die Jahrtausendwende waren einige der straußenähnlichen Vögel, die ursprünglich in Südamerika beheimatet sind, aus einem Gehege in Groß Gronau südlich von Lübeck entlaufen. Die Grenzregion zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit Wiesen und Feldern sagte ihnen offensichtlich zu: Die Tiere blieben und vermehrten sich. Bei der diesjährigen Frühjahrszählung waren nach Angaben des Biosphärenreservatsamtes in Zarrentin 220 Tiere registriert worden, 60 mehr als ein Jahr zuvor.

Bauern in der Region spüren die Folgen. „Im zeitigen Frühjahr finden sich Gruppen von 50 bis 70 Tieren zusammen“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg, Petra Böttcher. „Wenn sie über ein Rapsfeld ziehen, ist nichts Grünes mehr zu sehen.“ 2016 hätten 15 Hektar Raps umgebrochen und neu bestellt werden müssen.

Staatliche Entschädigungen gibt es nicht, da Nandus keine heimische Tierart sind. Der Kreisbauernverband stellte daher einen Antrag im Namen von etwa 20 betroffenen Landwirten beiderseits der Grenze und bat um die Einschränkung der Population. Dem stimmte das Biosphärenreservatsamt zu. Wie dessen Sprecherin Ulrike Müller sagte, bohren die Ranger des Reservats die Eier in den Naturschutzgebieten an, auf den Feldern tun es die Bauern selbst. Die Landwirte müssten aber genau dokumentieren, wo sie welche Gelege unfruchtbar gemacht haben.

Der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft MV reicht das nicht. Deren Vorsitzender Feige forderte, das Anbohren der Eier Fachleuten zu überlassen. „Auch manche Gänse haben sehr große Eier.“

Birgit Sander

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