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Gefährlich: Tausende schreiben während der Fahrt mit dem Handy

Rostock/Braunschweig Gefährlich: Tausende schreiben während der Fahrt mit dem Handy

Allein in MV wurden 2015 mehr als 6200 Verstöße festgestellt / Aktuelle Studien alarmieren / Dunkelziffer extrem hoch

Rostock/Braunschweig. Es wird beim Autofahren bundesweit soviel telefoniert, gesimst und in sozialen Netzwerken gesurft wie noch nie. Ein Trend, der auch im Nordosten auf den Straßen für Gefahr sorgt. Im vergangenen Jahr wurden durch die Polizei hierzulande mehr als 6200 Handy-Verstöße festgestellt.

„Die Dunkelziffer ist mindestens 20-fach so hoch“, sagt Helmut Bode, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes MV. Er beklagt den zunehmenden Leichtsinn vieler Fahrer, die oft praktisch im „Blindflug“

unterwegs sind. Wer beispielsweise in der Ortschaft bei Tempo 50 nur drei Sekunden auf das kleine Display des Smartphones statt auf die Straße schaue, lege rund 45 Meter orientierungslos zurück, so Bode.

Alarm schlagen auch Verkehrspsychologen der Technischen Universität Braunschweig (Niedersachsen). Diese hatten 12000 vorbeifahrende Autos an 30 Standorten in Hannover, Braunschweig und Berlin beobachtet. Sie stellten fest, dass 4,5 Prozent der Fahrer mit dem Mobiltelefon hantierten. Aufgrund des Lesens und Tippens auf dem Smartphone stellten diese ein ernsthaftes Verkehrsrisiko dar.

„Dieses Thema ist brandheiß“, betont der Präsident des Autoclubs Mobil in Deutschland, Michael Haberland. Bei einer Online-Umfrage seines Clubs gaben 77 Prozent der 2000 Befragten zu, mit dem Smartphone beim Fahren zu hantieren. Ablenkung am Steuer durch Handygebrauch gilt als eine der Hauptunfallursachen. „Laut einer amerikanischen Hochrechnung gab es dort dadurch rund 3000 Verkehrstote und rund 100000 Verletzte im Jahr. Heruntergerechnet auf Deutschland wären das 750 Verkehrstote pro Jahr und 25000 Verletzte“, sagt Haberland.

„Wir müssen verstärkt auf Aufklärung setzen, denn das Nutzen des Smartphones erweist sich häufig als tödlicher Leichtsinn“, verdeutlicht auch Christian Hieff, Pressesprecher des ADAC Hansa. Hieff macht auf die Ergebnissse eigener Tests aufmerksam. Demnach seien selbst versierte Autofahrer derart abgelenkt, dass sie auch bei geringem Tempo plötzlich auftauchenden Hindernissen nicht ausweichen können.

Auf die Probleme der Behörden — Handyverstöße nachzuweisen — verweist Carolin Radloff, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg. „Die Betreffenden sind vorsichtiger beim Hantieren mit dem Smartphone geworden. Unsere Kollegen müssen sie im richtigen Augenblick ertappen.“ Deshalb sagten die Fallzahlen wenig über die tatsächliche Zahl der Gesetzesverstöße aus. Für höhere Strafen plädiert Bode. In Italien zum Beispiel müssen Handysünder mindestens 160 Euro zahlen.

Von Volker Penne

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