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Gefährliche Seuche aus Amerika: Bedroht sie auch Hirsche in MV?

Greifswald Gefährliche Seuche aus Amerika: Bedroht sie auch Hirsche in MV?

Eine mit dem Rinderwahnsinn verwandte Krankheit tritt erstmals in Europa auf / Forscher und Jäger verfolgen die Ausbreitung mit Sorge

Greifswald. Wildtierexperten sind alarmiert: Eine tödliche Krankheit, die seit Jahren in Nordamerika unter Hirschen grassiert, ist jetzt „über den Großen Teich geschwappt“. Im März starb in Norwegen ein wild lebendes Rentier an der Hirnkrankheit Chronic Wasting Disease (CWD). Erstmals trat die Krankheit damit auch in Europa auf. In den USA und Kanada gelang es bisher nicht, die für Hirsche und Elche besonders gefährliche Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Laut dem online-Wissensmagazin scinexx.de sollen dort mindestens 20 Prozent der Hirsche befallen sein, weil sich die Erreger durch den Kot aasfressender Krähen ständig weiterverbreiten. In Nordamerika wird versucht, durch Tötung ganzer Herden der Ausbreitung der Epidemie Einhalt zu gebieten — vergeblich.

 

OZ-Bild

Ein Rothirsch beim Brunftschrei. Unter den Hirscharten zeichnet sich der Rothirsch durch ein besonders großes und weit verzweigtes Geweih aus.

Quelle: Helmut Jaschof

Noch sei das verendete Tier in Norwegen ein Einzelfall, meint Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung, die in Klepelshagen (Vorpommern-Greifswald) ein Ökogut mit wildtierfreundlicher Forstwirtschaft betreibt. „Trotzdem muss man ihn ernst nehmen.“ Kinser hält es für sinnvoll, bei der Kontrolle von Proben erlegter Tiere auch auf CWD-Erreger zu untersuchen. „Damit wir es schnell mitbekommen, falls die Krankheit nach Deutschland überschwappt.“

Die Jägerschaft in Mecklenburg-Vorpommern kennt die beunruhigende Nachricht aus Norwegen über die dem Rinderwahnsinn ähnliche Hirnkrankheit — und ist sensibilisiert. „Bei Tierseuchen mus man immer sehr wachsam sein, die Krankheit gilt als sehr ansteckend“, sagt Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband in Damms (Ludwigslust-Parchim). Bisher bestehe aber noch „kein Grund zur Panikmache“. In Mecklenburg-Vorpommern seien die Rot- und Damwildbestände „gesund und stabil“.

Laut Schweriner Agrarministerium leben in MV rund 25000 Damwild-Tiere, beim Rotwild wird der Bestand auf 19000 Tiere geschätzt. Nach Einschätzung der Tierseuchenexperten des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems (Vorpommern-Greifswald) kann die Krankheit auch bei Rehen nicht ausgeschlossen werden. Davon gibt es in MV rund 165 000.

Auf jeden Fall schauen die Jäger aufmerksam hin, „wenn Tiere irgendwo auffällige Veränderungen zeigen“, meint Pirzkall. Würden taumelnde oder stark abgemagerte Tiere erlegt oder tot aufgefunden, verständigen Jäger den zuständigen Amtstierarzt. „Dann werden nicht nur Proben genommen, dann stellen wir der Veterinärbehörde das ganze Tier zur Untersuchung zur Verfügung.“

Dr. Anne Balkema-Buschmann vom Friedrich-Loeffler-Institut, die sich als Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSEs) mit diesen speziellen Tierseuchen auskennt, nennt zwei Wege, über die die Krankheit nach Deutschland eingeschleppt werden könnte: „Wenn lebende Tiere durch die Ostsee schwimmen oder Zoos Tiere aus Nordamerika oder Skandinavien importieren.“ Beides sei „überschaubar“.

Konkrete Pläne für ein Überwachungsprogramm gibt es laut Loeffler-Instiut derzeit nicht. Aber: Von 2007 bis 2009 gab es schon einmal ein CWD-Monitoring, bei dem in Norwegen sowie allen EU-Ländern 13000 Tiere untersucht wurden. Auf Deutschland entfielen damals Proben von knapp 1000 Rothirschen. „Bei keiner dieser 13000 Proben wurde der CWD-Erreger gefunden“, sagt Dr.

Balkema-Buschmann. Der Fund in Norwegen ändert jetzt die Situation.

Chronische Auszehrkrankheit

Die Hirnkrankheit CWD gilt als chronische Auszehrkrankheit, bei der die Tiere an Gewicht und Kondition verlieren sowie zentralnervöse Störungen zeigen. Wie der Rinderwahnsinn BSE und Scrapie bei Schafen und Ziegen gehört CWD zur Gruppe schwammartiger Hirnleiden. Erste Fälle wurden 1967 bei Maultierhirschen in den USA bekannt. Inzwischen sind 23 US-Staaten und zwei kanadische Provinzen betroffen. Die Krankheit wurde bei Wapiti- und Weißwedelhirschen, Elchen und Maultierhirschen nachgewiesen. Von 2001 bis 2005 meldete auch Südkorea einige Fälle, nachdem das Land in den 1990er Jahren infizierte Wapitis importiert hatte. Im März 2016 wurde CWD erstmals in Europa nachgewiesen — bei einem Rentier in Norwegen. Auf den Menschen ist die Krankheit — anders als BSE — nicht übertragbar.

Von Elke Ehlers

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