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Gefängnis für Teilnehmer an illegalen Straßenrennen?

Rostock/Berlin Gefängnis für Teilnehmer an illegalen Straßenrennen?

Bundesrat prüft Initiative für höhere Strafen / Rasern könnte dann auch das Auto weggenommen werden / Gefährliche PS-Protzerei auch in MV

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Innenminister Lorenz Caffier Fotos (2): C. Kettler

Rostock/Berlin. Vollgas – ohne Rücksicht auf Menschenleben: Teilnehmer illegaler Autorennen sollen künftig härter bestraft werden: mit Haftstrafen und dem Verlust ihres Autos. Eine entsprechende Initiative Nordrhein-Westfalens prüft jetzt der Bundesrat. „Wenn eine Strafverschärfung weitere illegale Autorennen in Deutschland verhindert und somit Leben geschützt wird, kann eine solche Initiative nur begrüßt werden“, sagt die Schweriner Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU).

Bußgeld und Fahrverbot für illegale Rennen

400 Euro beträgt derzeit das Bußgeld für die Teilnahme als Fahrer an einem illegalen Straßenrennen. Zudem gibt es zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.

Wenn es bei einem illegalen Autorennen zu einer Gefährdung oder gar einem Unfall kommt, drohen neben drei Punkten die Entziehung des Führerscheins, Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Auch in MV kommt es immer wieder zu Straßenrennen – mit teils verheerenden Folgen. So wurde vor drei Jahren bei einem PS-Kräftemessen zwischen zwei Motorradfahrern eine Autofahrerin auf dem Rostocker Südring schwer verletzt. Ein Jahr zuvor wurde ein unbeteiligter Autofahrer an der Rostocker Vorpommern-Brücke Opfer eines illegalen Autorennens.

Vier Treffen, „bei denen es, der Erfahrung nach, zu Rennen hätte kommen können“, meldet das Polizeipräsidium Neubrandenburg für 2015. Die Polizei konnte beispielsweise im September 2015 ein illegales Rennen von rund 40 Autos verhindert, als die Fahrer sich auf dem A 20-Parkplatz Riedbruch Süd bei Grimmen getroffen hatten. Im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock verhängten Beamte im Jahr 2015 für sieben Personen Bußgelder und Fahrverbote wegen illegaler Autorennen.

Die Dunkelziffer solcher Veranstaltungen ist hoch. Über soziale Netzwerke verabreden sich die Teilnehmer kurzfristig zu den Treffen. Auf der Autobahn bremsen dann zwei oder drei der Fahrer nebeneinander auf 60 oder 70 Kilometer pro Stunde ab. Dann geben sie plötzlich Gas und testen, wer schneller ist.

Die Teilnehmer illegaler Autorennen „setzen ihr eigenes Leben und vor allem das Leben Unschuldiger leichtfertig und skrupellos aufs Spiel“, sagt der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Sie glaubten, dass sie im Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei sowieso nicht gefasst würden. Um eine Strafverschärfung durchzusetzen, sei zudem „ausreichend Personal und Technik für die Polizei“

nötig. Dass illegale Autorennen als Straftaten und nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden, fordert auch die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht MV, Andrea Leirich. Laut dem neuen Gesetzentwurf sollen illegale Autorennen künftig mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden, wenn dabei jemand schwer verletzt oder getötet wird. Und es soll möglich sein, die Fahrzeuge der Raser einzuziehen.

„Der Verlust ihres Autos würde diesen Leuten richtig wehtun“, betont Andrea Leirich. Meist seien die Teilnehmer dieser Rennen junge Männer, einige noch Führerscheinneulinge. „Für die ist ihr Auto ein Statussymbol, mit dem sie andere Leute beeindrucken wollen.“ Die jungen Leute könnten mit den Autos zwar sehr gut umgehen, aber ihnen fehle oftmals völlig das Bewusstsein, dass man mit einem Auto auch töten kann. Zumal bei den illegalen Rennen auch Alkohol und Drogen im Spiel seien. Zu den sogenannten Tuning-Treffen in Neubrandenburg kamen laut Polizei bis zu 1000 Leute mit 500 Autos.

Ein tragisches Unglück sorgte im Februar 2016 in Berlin für großes Aufsehen. Ein damals 26- und ein 24-Jähriger waren über den Kürfürstendamm gerast, bis einer der beiden in den Wagen eines Arztes krachte, der noch an der Unfallstelle starb. „Hier musste ein Mensch sterben, weil ein paar Idioten ihr Testosteron nicht im Griff haben“, wurde der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) in der Zeitung „Die Welt“ zitiert.

In Köln starben innerhalb von vier Monaten eine 19-jährige Radfahrerin, ein 26-jähriger Radfahrer und ein 49-jähriger Taxifahrgast als unbeteiligte Opfer illegaler Raserei. Trotz der vielen Opfer und Unfälle ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht von der Anti-Raser-Initiative überzeugt. Dobrindt hält die bestehenden Geldbußen und Strafen für ausreichend. Stattdessen sollten die Bundesländer mehr Polizeikontrollen durchführen.

Axel Meyer

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