Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Gefangen im Sturm: Elf Segler aus Seenot gerettet
Nachrichten MV aktuell Gefangen im Sturm: Elf Segler aus Seenot gerettet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:34 11.09.2013
Bodo Breuhahn, 3. Vormann der „Eugen“
Greifswald

Böiger Westwind zerrt unbarmherzig an zerfetzten Segeln. Den Großbaum hat der Sturm bereits entschärft. Wellenberge peitschen das Boot durch die Dämmerung. Nur noch mit Motorkraft lässt sich die „Charlotte“ bewegen. Doch das reicht nicht. Immer weiter treibt die Segelyacht ab von ihrem Kurs. Die dreiköpfige Crew ist völlig entkräftet. Und sie schwebt in Gefahr.

Manövrierunfähig treibt sie durch den Schifffahrtsweg, der Sassnitz auf Rügen mit dem polnischen Swinemünde verbindet.

Die Segelyacht „Charlotte“ war am Montagabend in der Pommerschen Bucht in Seenot geraten — rund 33 Kilometer östlich der Greifswalder Oie. Eine plötzlich aufgezogene Unwetterfront hatte sie in Bedrängnis gebracht. Der Wind hatte schlagartig auf West gedreht und wehte in Böen bis Stärke acht. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 74 Kilometern pro Stunde. Der hielt das Segel der Yacht nicht mehr stand. Auch die Kraft des Schiffsmotors konnte dem Sturm nichts entgegensetzen. Die Mannschaft trieb hilflos auf der Oderbank — einem Flachwassergebiet in der Ostsee. Gerettet wurde das Segler-Trio durch die Besatzung des Seenotkreuzers „Eugen“. Eine besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), wie Bodo Breuhahn erzählt. „Es war stockduster und hat stark geregnet. Es hat gestürmt. Wenn der Motor es nicht mehr schafft, dagegen anzukommen, und die Mannschaft entkräftet ist, kann solch eine Situation für Segler gefährlich werden“, beschreibt der 3. Vormann der „Eugen“.

Mit seinen Kollegen sicherte Breuhahn die zwölf Meter lange Yacht am Seenotkreuzer und schleppte sie zur Insel Ruden. Die Rettung kam für die Crew keine Sekunde zu früh: „Eine Person war bereits seekrank und nicht mehr einsatzfähig“, schildert Breuhahn. Vor allem der Skipper war unterkühlt. Sicher an Land, wärmte er sich mit Decken und heißem Tee wieder auf. Die Segler wollten am nächsten Tag bei besserem Wetter von Ruden zum Hafen Freest (Landkreis Vorpommern-Greifswald) weiterfahren. Fast zeitgleich waren die Seenotretter am Montagabend nur wenige Seemeilen entfernt gefordert. Hier setzte der Starkwind einer polnischen Segelyacht zu. Die „Gowod“ hatte zwischen den Inseln Ruden und Greifswalder Oie einen Motorschaden erlitten. Die Yacht war notdürftig von einem Fischerboot gesichert worden. Dieses konnte den Havaristen allerdings bei Windstärke sieben nicht allein schleppen. Die freiwilligen Seenotretter sprangen ein. Die Besatzung der „Heinz Orth“ brachte die manövrierunfähige Yacht sicher in den Hafen von Freest. Die zwei Segler an Bord des polnischen Bootes waren stark unterkühlt.

Auch am späten Montagabend mussten Seenotretter erneut zum Einsatz raus. Diesmal war der Kreuzer „Harro Koebke“ aus Sassnitz gefragt. Die Besatzung der 15 Meter langen Segelyacht „Aglaia“ hatte einen Notruf abgesetzt. Ihr Boot trieb fünf Seemeilen östlich der Insel Rügen in Höhe Sassnitz mit einem Motorschaden. Bei Südwestwind der Stärke sechs hatte die Crew keine Chance mehr, aus eigener Kraft den Hafen anzusteuern. Die Mannschaft der „Harro Koebke“ kam den sechs Besatzungsmitgliedern zu Hilfe. Sie schleppte den Havaristen nach Sassnitz.

Ehrenamtliche Retter
Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist seit 1865 in den deutschen Seegebieten eigenverantwortlich und unabhängig zuständig für den Such- und Rettungsdienst. Sie wurde als Ergebnis einer der ersten Bürgerinitiativen im Land gegründet. Sie ist in der Struktur einem eingetragenen Verein vergleichbar und als gemeinnützig anerkannt.

17 Stationen der DGzRS gibt es in Mecklenburg-Vorpommern.

Seit ihrer Gründung hat die DGzRS insgesamt 80 198 Menschen aus

Seenot gerettet oder aus lebensbedrohlicher Gefahr befreit. Allein im Jahr 2012 fuhr die Rettungsflotte

insgesamt 2117 Einsätze.

www.seenotretter.de

Antje Bernstein

Der Herbstwind fegt die Strände leer. Das war‘s endgültig mit der Badesaison — und die Strandkorbvermieter packen ein.

11.09.2013

Polizei fahndet nach dem Verbrecher, der 19 000 Euro erbeutet hat.

11.09.2013

Die Deckelung der Krankenhausbudgets muss nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern abgeschafft werden.

11.09.2013