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Geflügelpest im Norden: Halter bangen um ihre Tiere

Riems/Plön Geflügelpest im Norden: Halter bangen um ihre Tiere

Die Vogelgrippe nähert sich MV / Funde sollen sofort gemeldet werden

Riems/Plön. Angst vor der Vogelgrippe: An den Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns wurden mehr als 170 tote Wasservögel gefunden. 74 davon im polnischen Lubczyna am Dammschen See, nur 20 Kilometer Luftlinie von MV entfernt. „Bei fünf Enten und einer Möwe ist der Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen worden“, teilt das dortige Veterinäramt mit. Dieser Typ sei hochansteckend vor allem für andere Vögel. Auch in Plön wurde das Virus gestern nachgewiesen. Laut Bauernverband bangen viele Geflügelhalter im Norden um ihre Tiere. Denn: „Wenn in der Küstenregion unserer Nachbarn Geflügelpest bei Wildvögeln nachgewiesen wurde, ist nicht auszuschließen, dass das Virus auch Mecklenburg-Vorpommern erreicht hat oder noch erreichen wird“, warnte gestern Agrarminister Till Backhaus (SPD).

2006 starben Tausende Tiere in MV an der Vogelgrippe vom Typ H5N1, der auch für Menschen gefährlich ist. Vor genau zwei Jahren trat in einer großen Putenmastanlage des Landkreises Vorpommern-Greifswald und bei in Zoos gehaltenen Vögeln in Anklam und der Hansestadt Rostock Geflügelpest des Typs H5N8 auf. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat deshalb gestern eine Warnung an alle Geflügelhalter herausgegeben. Sie sollen die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen einhalten: Wer Geflügel im Freien hält, muss sicherstellen, dass die Tiere nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden. Außerdem dürfen sie nur an Stellen gefüttert werden, die wild lebende Zugvögel nicht erreichen. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, müssen ebenfalls geschützt werden. Grund: Die Ausbreitung des Virus ist durch die Wanderung der Vögel nicht zu kontrollieren.

In Plön in Schleswig-Holstein waren bis Montagabend mehr als 150 Kadaver an verschiedenen Seen entdeckt worden, darunter viele Enten, Möwen und Schwäne. Mitarbeiter der Stadt suchten daraufhin gestern in Schutzanzügen erneut alle Uferbereiche ab und fanden weitere 50 Kadaver, vor allem von gut genährten Reiherenten. Am späten Nachmittag gab es dann die Gewissheit: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald, das einige Funde untersucht hatte, bestätigte die hochansteckende Vogelgrippe. Laut Pressesprecherin Elke Reinking seien in den vergangenen Tagen die Viren bereits bei Puten und wilden Wasservögeln in Ungarn und Kroatien nachgewiesen worden. Weitere Verdachtsfälle aus Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg würden derzeit noch untersucht.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ordnete als Vorsichtsmaßnahme eine Stallpflicht für Geflügel wie Hühner, Puten oder Gänse im Bundesland sowie Sperr- und Beobachtungsgebiete an. Ihm sei bewusst, dass dies ein harter Eingriff sei, sagte Habeck. „Aber der Ausbruch in einem Bestand hätte noch gravierendere Folgen.“

Im Kreis Plön richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein. Im polnischen Lubczyna gilt bislang keine Stallpflicht – auch nicht in Mecklenburg-Vorpommern. Agrarminister Backhaus ruft allerdings zu erhöhter Wachsamkeit auf. Behördenmitarbeiter und Bürger sollten Küstenbereiche und Gewässer aufmerksam beobachten und tote Tiere sofort melden. Die sollten aber nicht angefasst werden. Zwar ist nach Angaben des FLI bislang kein Fall bekannt, bei dem H5N8 auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch könne eine Empfänglichkeit des Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden.

In diesem Jahr haben die Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock bereits 151 Proben von Wildvögeln untersucht. Bislang gab es keinen Hinweis auf die Geflügelpest.

Kerstin Schröder

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