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Geflügelpest im Rostocker Zoo: Allen Vögeln droht die Tötung

Rostock Geflügelpest im Rostocker Zoo: Allen Vögeln droht die Tötung

Minister verhängt Stallpflicht für die ganze Stadt. Tierparks in MV in Alarmbereitschaft.

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Agrarminister Till Backhaus

Quelle: C. Kettler

Rostock. Traurige Gewissheit im Vogelpest-Drama im Rostocker Zoo: Alle zwölf Weißstörche trugen das Virus in sich. Ob es sich dabei um den hochansteckenden Subtyp H5N8 handle, müsse noch untersucht werden, sagt Agrarminister Till Backhaus (SPD). Er hat gestern für die gesamte Hansestadt eine Stallpflicht verhängt. Bislang galt sie nur in wassernahen Risikogebieten.

Im Zoo bangen nun die Tierpfleger um die 500 dort lebenden Vögel, darunter rund 30 geschützte und seltene Arten. Im schlimmsten Fall müssten sie alle getötet werden, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. In den vergangenen Tagen waren bereits drei Störche im Zoo verendet. Bei einem war das H5N8-Virus festgestellt worden. Neun weitere sowie 25 im selben Stall untergebrachte Enten und fünf Gänse wurden daraufhin vorsichtshalber gekeult. Von weiteren Tötungen wolle er vorerst absehen, sagt Backhaus. „Wir behalten uns jedoch weitere Schritte vor, falls wir weitere Nachweise erhalten.“

Bis einschließlich Montag bleibt der Zoo für Besucher auf jeden Fall geschlossen. Vier Epidemiologen-Teams sammeln dort, aber auch bei Hobbygeflügelhaltern im Umkreis von einem Kilometer, Proben.

„Wir setzen alles daran, die möglichen Eintragswege nachzuvollziehen“, sagt Backhaus. Fest stehe, dass die eigentlich eingestallten Zoo-Störche zwischen dem 18. und 28. Dezember Auslauf-Möglichkeiten und Zugang zu freien Wasserflächen hatten. Ein landesweites Aufstallgebot gab es zu der Zeit nicht. Wildvögel ziehen die Wissenschaftler als Virenherd ebenso in Betracht wie Futter und Einstreu.

Denn: Auch außerhalb eines Wirtstieres können Influenzaviren mehrere Tage überleben. „In kalter, feuchter Umgebung bleiben sie länger aktiv als in warmer, trockener“, erklärt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut. 20 Futterproben im Zoo, fast ausschließlich Eintagskücken, wurden schon geprüft, trugen aber keine Vogelgrippeviren in sich.

Der neue Seuchen-Fall versetzt Geflügelhalter, Hobbyzüchter und Tierparks im Land in Alarmbereitschaft. „Dennoch hyperventilieren wir jetzt nicht und sperren all unsere Tiere ein“, sagt Matthias Haase, Geschäftsführer des Vogelparks Marlow. Um alle 1200 in der Anlage lebenden Vögel hermetisch abzuschotten, fehle es ohnehin an Kapazitäten. „Wenn man sie auf engstem Raum zusammenpfercht, tut man den Tieren auch keinen Gefallen. Durch den Stress werden sie nur noch anfälliger für Krankheiten“, sagt Haase. Der Park treffe dennoch Vorkehrungen. Ein Teil der Tiere sei in überdachten Volieren untergebracht. Vor sensiblen Bereichen liegen Seuchenschutzmatten, damit Mitarbeiter keine Viren einschleppen. Täglich kontrolliert eine Tierärztin die Vögel.

Unter verschärfter Beobachtung stehen auch Wildvögel. Beim Monitoring waren im vergangenen Jahr landesweit 1162 Tiere beprobt worden (bundesweit: 5157), 914 davon wurden lebend gefangen.

Bisher ist das H5N8-Virus nur bei einer auf Rügen erlegten Krickente festgestellt worden.

Tödliches Virus weltweit aktiv

H5N8 ist für Geflügel hochansteckend und kann insbesondere bei Hühnern und Puten schnell zum Tod führen. Eine Übertragung auf den Menschen ist noch nicht beobachtet worden.
Im Januar 2014 ist H5N8 erstmals in Südkorea aufgetreten. Nachweise des Erregers gibt es auch in Japan und China. In Europa trat das Virus in den Niederlanden und Großbritannien bei Mastputen, Legehennen und Mastenten auf. Wie es nach Mecklenburg-Vorpommern gelangte, ist bislang unklar. Epidemiologen des Friedrich-Loeffler-Instituts untersuchen Waren- und Tierverkehr und Hinweise auf einen möglichen Eintrag durch Wildvögel.

 



Antje Bernstein

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