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MV aktuell Geheime Fracht auf der Ostsee
Nachrichten MV aktuell Geheime Fracht auf der Ostsee
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00:00 28.09.2018
Stralsund/Kiel

Bernd Blanck, Kapitän des Küstenfrachters „Fredo“, hat allen Grund zur Freude: „Kein Staub und gutes Geld, was will man mehr?“ Gerade hat ein Kran der MV Werften ein riesiges Stahlteil im Laderaum seines Frachters abgesetzt. Normalerweise stauben hier 1600 Tonnen Rapsschrot für eine Oldenburger Ölmühle vor sich hin. Auf dieser Reise gibt es nur ein Frachtstück. Das wiegt elf Tonnen, ist sechs Meter hoch und acht Meter lang: ein Turm-Gerüst für ein Brennstoffzellen-U-Boot, das zurzeit in Kiel gebaut wird.

Acht Meter lang und elf Tonnen schwer: der U-Boot-Turm im offenen Laderaum des Frachters „Fredo“. Für die Fahrt nach Kiel wurde die Luke geschlossen. Quelle: Foto: Peer Schmidt-Walther

Kieler Rüstungs-Exportschlager

6 U-Boote vom Typ „212 A“ mit Brennstoffzellenantrieb wurden für die deutsche Marine gebaut, zwei weitere sollen folgen. Die bei TKMS in Kiel gebauten Boote gelten als die leisesten der Welt. Norwegen hat vier bestellt, in Italien sind vier im Einsatz. Andere Lieferungen sind umstritten, etwa ins totalitäre Ägypten.

Ein Betrieb in Stralsund, der ungenannt bleiben möchte, hat den Koloss hergestellt, als Unterzulieferer. Man habe dem Auftraggeber vertraglich Verschwiegenheit zusichern müssen, heißt es. Das Schiffsteil geht an Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Dessen Sprecher sagt ebenfalls nichts, womit er zitiert werden möchte. Willkommen in der Welt der Rüstungsgeschäfte.

15 Uhr in Stralsund. Männer der Werftfeuerwehr lösen die Leinen, Kapitän Blanck stellt den Maschinentelefgrafen auf langsame Fahrt. „Beginn der Seereise“ notiert Blanck in sein Schiffstagebuch.

Steifer Westwind treibt die 83 Meter lange „Fredo“ aus Sund und Bodden auf die Ostsee hinaus.

Moderne U-Boote sind gefragt wie lange nicht mehr. China erweitert seine Flotte, andere asiatische Länder wie Vietnam und Singapur ziehen nach. Davon profitiert TKMS. Die zentrale Produktionshalle mit der Nummer 9 ist bis auf den letzten Winkel gefüllt. „Die sind am Limit“, sagt ein Insider. Ein U-Boot für Israel vom Typ „Dolphin AIP“ wird hier zurzeit gebaut, zwei weitere von der Baureihe „209“ für Ägypten und vier vom Typ „218“ für die Marine von Singapur. Norwegen und Nato-Partnerland Türkei haben ebenfalls U-Boote in Kiel geordert.

Auf der Brücke der „Fredo“ herrscht derweil gemächlicher Seemanns-Alltag. „Bin lange nicht mehr hier gewesen“, sagt Kapitän Blanck, „aber das Revier kenn’ ich noch wie meine Westentasche.“ Später blitzt von Backbord das Leuchtfeuer von Kap Arkona, Wolkenfetzen wischen vorbei.

Gut eine halbe Milliarde Euro kostet eines der U-Boote. Jedes besteht aus 350000 Einzelteilen, dreieinhalb mal so viel wie ein Airbus A 380. Der Bau dauert Jahre. Alles ist extrem anspruchsvoll. Jede Schweißnaht wird mehrfach geröntgt, um kleinste Fehler auszuschließen. Die enormen Summen wecken Begehrlichkeiten: Der Deal mit Israel, es geht um drei Boote insgesamt, ist heftig umstritten. In Israel wurde wegen Korruptionsverdacht ermittelt, auch gegen einen Ex-Thyssenkrupp-Repräsentanten, es gab Verhaftungen. 6 Uhr morgens, 39 Stunden nach dem Auslaufen. Die „Fredo“ hat inzwischen in Kiel bei Thyssenkrupp festgemacht. Plötzlich tauchen behelmte Männer am Schiff auf. Ein Schwerlastkran brummt heran, wenig später schwebt der teure Turm durch kühle Morgenluft auf eine Rollenplattform.

Kapitän Blanck freut sich schon auf weitere Fahrten nach Kiel. Die Werft heuert für solche Aufträge gern kleine Firmen an, um Aufsehen zu vermeiden. Wie lange noch, ist unklar. Im Juni wurden Überlegungen von Thyssenkrupp bekannt, den Marineschiffbau vielleicht zu verkaufen. Für die „Fredo“ geht es nach dem Abladen weiter nach Rostock – staubiges Rapsschrot laden.

Peer Schmidt-Walther und Gerald Kleine Wördemann

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