Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Geheimpapier: Fährverbindung Rostock - Gedser droht das Aus

Berlin Geheimpapier: Fährverbindung Rostock - Gedser droht das Aus

Schlechte Prognose für das deutsch-dänische Fährunternehmen Scandlines: Eine neue Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens KPMG sieht schwarz für die Zukunft der Reederei.

Berlin. Schlechte Prognose für das deutsch-dänische Fährunternehmen Scandlines: Eine neue Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens KPMG sieht schwarz für die Zukunft der Reederei. Nach Eröffnung des geplanten 17,6 Kilometer langen Tunnels unter dem Fehmarnbelt — voraussichtlich 2028 — werde es „schwierig bis unmöglich“, den Fährbetrieb zwischen Dänemark und Deutschland „mit einer Gewinnmarge“ aufrechtzuerhalten. Dann liege eine „Einstellung des Fährbetriebes nahe“, heißt es in der Studie, die der OZ vorliegt. Damit stünden die 1500 Jobs beim Fährunternehmen vor dem Aus. Scandlines bedient derzeit MV über die wichtige Fährlinie Rostock — Gedser bis zu zehn Mal am Tag je Richtung. Hinzu kommen die Strecken Puttgarden — Rødby und Helsingør — Helsingborg.

Weil das Papier so brisant ist, soll es offenbar nicht veröffentlicht werden. Weder Scandlines noch Politikern in Deutschland liegt es vor. Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen versichert: „Wir fahren weiter, auch wenn der Tunnel eröffnet werden sollte. Wir haben konkurrenzfähige Angebote.“ Das Fährunternehmen klagt derzeit gegen das dänische Staatsunternehmen Femern A/S, das den Tunnel errichten und betreiben soll, wegen Wettbewerbsverzerrung.

Die KPMG-Studie wird deutlich: Ab der Tunnel-Inbetriebnahme werde Scandlines „eine verlustbringende Gesellschaft sein“. Die Autoren errechnen einen „Totalverlust für Scandlines von 24

Millionen Euro“ im Jahr. Bis zur Eröffnung des Tunnels werde der Gewinn des Fährunternehmens zwar bis auf 33,3 Prozent des Gesamtumsatzes steigen. Doch mit Inbetriebnahme der festen Verbindung nach Dänemark werde der Gewinn stark einbrechen. Auch soll es zu einer erheblichen Verschiebung der Umsatzstruktur kommen. Bislang macht der Umsatz auf der Vogelfluglinie Puttgarden — Rødby 48 Prozent des Scandlines-Umsatzes aus. Der werde unter der Konkurrenz des Tunnels auf 18 Prozent absinken. Nicht mehr das eigentliche Fährgeschäft, sondern Einnahmen aus dem Verkauf von Spirituosen und anderen Waren aus den Bordershops würden dann das Gros des Umsatzes ausmachen.

Einschnitte bei Scandlines könnten auch starke Auswirkungen auf Mecklenburg-Vorpommern haben. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ist dennoch zuversichtlich: „Die Landesregierung sieht weiter gute Perspektiven für die Verbindung Gedser — Rostock.“ Im Vorjahr verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz von Rostock nach Hamburg. Derzeit lässt Scandlines zwei auf der Volkswerft Stralsund gebaute neue Fähren in Dänemark abspecken. Insgesamt sind zwölf Schiffe im Einsatz. Sie befördern jährlich etwa 15 Millionen Passagiere, 3,2 Millionen Autos, 900000 Frachteinheiten und 60000 Busse.

Von Reinhard Zweigler und Frank Pubantz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.