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MV aktuell Gehört der Bart zum Amt, Herr Badrow?
Nachrichten MV aktuell Gehört der Bart zum Amt, Herr Badrow?
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14:36 10.10.2018
Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) ist am 13. Oktober exakt seit zehn Jahren im Amt. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Zehn Jahre Oberbürgermeister – wann ist es denn soweit? 
Am 13. Oktober. Ich bin am 1. Juni 2008 gewählt worden und der Gag, den ich dann oft gehört habe, lautete: Wir haben unseren Oberbürgermeister am Kindertag gewählt. Seitdem habe ich mich aber verändert.

Auch optisch. Gehört der Bart für einen Stralsunder Oberbürgermeister dazu? Sie haben ja lange keinen getragen. 
Vielleicht wird das ja eine Tradition. Also an mir würde es zumindest nicht scheitern.

Was war aus Ihrer Sicht einer Ihrer größten Erfolge in den vergangenen zehn Jahren?
Ich glaube nicht, dass man an dieser Stelle ein besonderes Ausnahmeprojekt nennen kann, sondern für mich sind das viele Elemente und Glücksmomente. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gern an die Instandsetzung des Strandes in Devin. Die gelungen ist, weil alle Beteiligten Pragmatismus gezeigt und mit viel Engagement angepackt haben. Und nicht, weil wir dafür besonders viel Geld zu Verfügung hatten. Weitere wichtige Bauprojekte waren die Sanierung des Strandbades und die Fertigstellung eines durchgehenden Radweges von Parow bis Devin. Und mir persönlich liegt ein guter Zustand der Schulen sehr am Herzen. Damit investieren wir in die Zukunft. Wir freuen uns schließlich, wenn wieder mehr junge Menschen nach Stralsund kommen, die Kinder haben. Wenn, wie zuletzt im Fall des Strandbades, Dinge mutwillig wieder zerstört werden, ärgert mich das.

Haben Sie einen roten Faden für Ihre Arbeit? 
Das wäre die Frage, wie die Stadt in einigen Jahren aussehen soll und was wir dafür tun müssen, diese Vision dann umzusetzen. Die ganz großen baulichen Highlights, wie in den Jahren vor meiner Amtszeit, gab es nicht. Aber ich denke, dass sich die Stadt angesichts der Vollendung einer Vielzahl an kleineren Vorhaben sehr gut entwickelt hat und in Zukunft weiter gut entwickeln wird.

Ihr Vorgänger im Amt hat nach der Wende mehrere große Bauprojekte mit vorangetrieben, wie zum Beispiel das Ozeaneum. Diese Erfolge haben sich angesichts des generellen Investitionsdrucks nach der Wende ein Stück weit auch ohne den ganz großen Kraftakt eingestellt. Heute sind vielleicht andere Faktoren wichtiger, wie die Frage, ob es nicht zu einer lebenswerten Stadt gehört, ausreichend Kita- und Schulplätze zu haben, anstatt noch ein großes Bauprojekt anzuschieben. Trotzdem wirken Sie manchmal so, als hätten Sie auch gern ein großes Bauprojekt in Ihrer Bilanz. 
Nein, das täuscht. Das ist nicht meine Idee von Stadtentwicklung. Ich habe selbst gar keinen Bedarf, unbedingt ein gigantisches Großprojekt zu verwirklichen, außer es wäre für die Stadt wirklich wichtig. Und das ist aktuell nur an einer Stelle der Fall, im Quartier 65 neben dem Ozeaneum. Für eine Fläche in so toller Lage brauchen wir eine adäquate Lösung, die anders aussieht als ein Schotterparkplatz zwischen unsanierten Speichern. Dort muss was passieren. Generell zählen Bauprojekte und die Schaffung von Infrastruktur natürlich zu meinen Vorhaben. Wer das nicht will, darf keinen Bauingenieur zum Bürgermeister machen. Mein Ziel dabei ist, dass sich neue Baugebiete und die Einrichtungen, die dort entstehen, am Ende mit Leben füllen. Das gelingt ganz gut, glaube ich. Und wir widerlegen damit die Schätzung, dass Stralsund irgendwann nur noch 48.000 Einwohner haben würde. Das Gegenteil ist der Fall. Die Stadt wächst. Zurzeit haben wir wieder etwa 60.000 Einwohner. Es ist für mich realistischer, dass wir irgendwann 70.000 Menschen in Stralsund sind, als dass wir nochmal knapp 20.000 verlieren.

Wenn man das Potenzial von Stralsund und Greifswald addiert, beide Städte sind ja auf unterschiedlichen Feldern erfolgreich, wäre es dann nicht sinnvoll gegenüber der Landesregierung künftig noch stärker als gemeinsames vorpommersches Oberzentrum aufzutreten? Zusammen repräsentieren die zwei Hansestädte immerhin 120 000 Menschen, das jeweilige Umland noch gar nicht mitgerechnet. 
Ich finde, dass Stralsund und Greifswald sich in verschiedenen Bereichen recht gut ergänzen, seien es die Hochschullandschaft oder das touristische Potenzial. Wir stimmen uns bereits jetzt sehr eng ab, insbesondere bei Entwicklungen, die längerfristig gedacht werden müssen, wie Fragen der Raumordnung. Das machen wir, weil uns bewusst ist, dass wir allein nicht die kritische Größe haben, die mit Rostock vergleichbar wäre, und deshalb natürlich als gemeinsames Oberzentrum auftreten müssen, um unsere Chancen zu verbessern.

Gibt es für Sie eine Frist für weitere Fusionsbemühungen mit der Gemeinde Altefähr?
Generell haben wir der Gemeinde Altefähr ein sehr gutes Paket geboten, insofern wäre eine Fusion nicht nur für Stralsund eine Chance, sondern auch für Altefähr. Dazu muss sich zunächst die Gemeinde verhalten, im Anschluss daran entscheidet natürlich auch die Bürgerschaft. Mein Eindruck ist, dass es nicht viel Sinn ergeben dürfte, den Prozess nach der Kommunalwahl im Mai noch weiter zu verfolgen, wenn bis dahin keine Entscheidung der Gemeinde vorliegen sollte. Ich denke, dass diejenigen, die gegen die Fusion sind, versuchen werden, diesen Zeitpunkt zu erreichen.

Man hat den Eindruck, als gebe es innerhalb der Bürgerschaft inzwischen etwas Neid auf die Dinge, die Altefähr versprochen worden sind. Ein Thema ist die Einrichtung einer Ortsteilvertretung. Könnten Sie sich dies für ganz Stralsund vorstellen? 
Wir sollten darüber diskutieren. Dabei könnte die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Vorteile es hätte, Ortsteilvertretungen für die verschiedenen Stralsunder Stadtteile einzurichten. Mein Eindruck war bisher nicht, dass sich die Stadtteile derart voneinander unterscheiden, dass einige stärker als andere dafür kämpfen müssen, gehört zu werden. Dann hätte zuletzt die Tribseer Vorstadt anbringen können, dass dort noch mehr passieren muss, was jetzt ja ohnehin geschieht. Vor ein paar Jahren hätte man solche Signale ebenso aus der Frankenvorstadt, Knieper und Grünhufe vernehmen müssen, die sich inzwischen massiv entwickelt haben. Insofern denke ich, dass es uns bislang gelungen ist, auch ohne Ortsteilvertretungen überall die Bedürfnisse zu erkennen. Auch mit verschiedenen Ortsteilvertretungen könnten wir nicht alles gleichzeitig machen.

Ist die Idee im Quartier 65 auf der Hafeninsel ein Schwimmbad zu bauen, wirklich der Weisheit letzter Schluss? 
Uns fehlt bisher in der gesamten Hotellandschaft der Stadt ein Haus, das einen größeren Wellnessbereich mit Schwimmbad hat, der zudem noch von den Stralsundern selbst genutzt werden kann. Deshalb halte ich die Idee für gut und richtig. Zumal diese Investition angesichts der Tatsache, dass wir in Zukunft mehr Einwohner haben wollen, eine weitere Verbesserung der Lebensqualität darstellen würde, insbesondere im Winter. Ob ein Konzept, in dem allein ein Schwimmbad mit Wellnessbereich vorgesehen ist, an diesem Standort ausreicht, müssen wir prüfen. Die Entscheidung, so ein Projekt als Stadt selbst umzusetzen, ist mutig. Aber wir haben alles vor Ort: gute Planer und finanzkräftige Banken. Und es ist aus meiner Sicht die Aufgabe der Stadtverwaltung, eigene Grundstücke so einzusetzen, dass wir Geld daraus ziehen, das wir im Anschluss wieder für die Modernisierung von Schulen und Kitas einsetzen können.

Aber wie soll das praktisch laufen? 
Wir brauchen eine städtische Gesellschaft, die das gesamte Projekt trägt. Beispielsweise die Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft. Dann müsste es einen Architektenwettbewerb geben, nach dem wir uns sicher sind: Das ist genau der Entwurf, der dorthin passt. Zudem gibt es keine Verpflichtung, das gesamte Projekt auf einen Schlag zu entwickeln, sondern dies nach und nach zu tun. Wenn wir dort sofort mit einer finanziellen Größenordnung von zum Beispiel 30 Millionen Euro operieren müssten, wäre mir das Risiko auch zu groß. Ich bin aber überzeugt, dass wir das am Ende hinbekommen.

Wo sollen die Menschen parken, die das Schwimmbad und den Wellnessbereich dann dort nutzen wollen? 
Dazu gibt es erste Überlegungen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dort eine Tiefgarage zu bauen. Einerseits wegen des Verkehrs, den man damit zusätzlich auf die Hafeninsel lenken würde und andererseits wäre der Bau einer Tiefgarage so nah am Wasser extrem teuer. Man muss auch berücksichtigen, dass sich die Situation mit dem ruhenden Verkehr in Innenstädten auf Grund sich verändernder Mobilitätsgewohnheiten der Menschen in den nächsten Jahren ohnehin drastisch ändern wird.

Müsste genau deshalb nicht die Stellplatzsatzung für die Altstadt geändert werden, um die Schaffung von neuem Wohnraum nicht von Parkplätzen abhängig zu machen, die in einigen Jahren wahrscheinlich weniger gebraucht werden als heute? 
Ja, der jetzige Zustand ist heute schon schwer erklärbar, wenn man jemandem, der in der Altstadt ein Haus sanieren und Wohnungen schaffen will, sagen muss: Sie können hier zwar aus Gründen der Gestaltung und des Denkmalschutzes keine Stellplätze anlegen, aber wenn Sie keine Stellplätze schaffen, sind Ablösegebühren fällig. Das ist ein Widerspruch in sich. Ich verstehe zugleich auch, dass viele Menschen, insbesondere mit Kindern, ihr Auto nach Möglichkeit immer in der Nähe haben wollen, aber in der Altstadt wird das auf Dauer nicht möglich sein. Alle Stellplätze im öffentlichen Raum sind derzeit allein durch Anwohner mindestens doppelt belegt. Aber ich denke, wie schon betont, dass die deutschen Innenstädte in den nächsten zehn Jahren auf Grund sich ändernder Lebensbedingungen ohnehin insgesamt stärker vom Verkehr entlastet werden.

Aber bei der Umsetzung dieses Gedankens spielt Ihre CDU-Fraktion in der Bürgerschaft selbst bei einem kleineren Projekt wie der autofreien Wohnbebauung des Quartiers 33 an der Jakobikirche nicht mit. Dort sollen geplante grüne Innenhöfe geopfert werden, um am Ende ganze elf Parkplätze hinter den neuen Häusern schaffen zu können.
Nun, jetzt sieht die Welt eben noch anders aus. Man muss akzeptieren, dass es Menschen gibt, die auch ein generelles Modell „Autofreie Altstadt“ bisher ablehnen. Manche meinen, sie brauchen täglich ein Auto. Was mit mir aber nicht zu machen ist, sind Pläne, ins Erdgeschoss neuer Häuser in der Altstadt Garagen einzubauen. Das wäre zudem gestalterisch schwierig. Insofern ist die Lösung mit einer Stichstraße durch das Quartier 33, an der dann geparkt werden kann, eine Kompromissvariante. Ich selbst hätte mich für grüne Gärten entschieden, aber kann andere Meinungen dazu sehr wohl akzeptieren.

Das heißt, Sie sind Ihrer Partei nicht böse, dass sie sich für eine autofreundlichere Variante einsetzt? 
Ich denke nicht, dass die elf Parkplätze, die es im Quartier 33 geben könnte, für die Stadt das alles entscheidende Thema sind. Zudem wird dort eine Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, diese Stichstraße vielleicht eines Tages wieder zurückbauen zu können. Es wird dort auf keinen Fall Asphalt geben.

Ein Bestandteil, der zur Musealisierung der Altstadt beiträgt, ist die Gorch Fock. Halten Sie es für sinnvoll, das Schiff für acht Millionen Euro zu sanieren? 
Ja! Ich habe auch noch keine Stralsunder getroffen, die mir gesagt haben: Hau' das Ding doch lieber weg. Die Aufgabenstellung war von vornherein schwierig. Erstens sollen der Stadtverwaltung keine Kosten entstehen, aber zugleich sollen wir das Schiff im Hafen halten und zwar in einem Zustand, dass es auch in 20 Jahren hier noch liegt. Das klingt ein bisschen wie die Quadratur des Kreises. In der Variante, die wir jetzt anstreben, würden wir das aber schaffen. Der Löwenanteil wird von der Landesregierung bezahlt, den Eigenanteil übernimmt der Betreiberverein selbst, der die Gorch Fock nach der Sanierung auch weiter als Event- und Museumsschiff betreiben soll. Ob das am Ende alles hundertprozentig so funktioniert, werden wir sehen, aber diesen Weg verfolgen wir. Aus städtischen Geldern wäre so ein Projekt in dieser Größenordnung nämlich gleich gar nicht finanzierbar. Wir kämpfen dafür, dass an dieser Stelle im Stadthafen ein touristischer Anziehungspunkt erhalten bleibt. Ich bin dem Verein Tall Ship Friends nach wie vor dankbar, dass er das Schiff hergeholt hat. Allein die Zahl an Fernsehsendungen, die dort aufgezeichnet worden sind, wie zuletzt der ZDF-Fernsehgarten, sind von unschätzbarem Wert für die gute Außenwirkung, die die Gorch Fock für Stralsund erzeugt. Mir fällt kaum ein TV-Beitrag über Stralsund ein, in dem das Schiff nicht vorkommt. Das ist insbesondere im Tourismusbereich ein echter Marketingfaktor.

Steht das, was in Stralsund für die Touristen getan wird, im Gleichklang mit dem, was für die Stralsunder selbst gemacht wird? Die Kritik, dass dies nicht so sei, kommt hin und wieder mal hoch.
Ich habe das früher hin und wieder mal gehört, aber in den vergangenen Jahren hat das nach meinem Empfinden stark abgenommen. Und man muss doch ehrlicherweise auch anerkennen, dass Dinge, die vielleicht zunächst unter der Überschrift „Für den Tourismus“ geschaffen worden sind, auch die Lebensqualität der Stralsunder erhöhen, wie zum Beispiel unser Strand.

Sind Sie zufrieden mit den vergangenen zehn Jahren Ihrer Amtszeit? 
Der Badrow ist ja angeblich nie zufrieden, heißt es oft. Ich freue mich vor allem, dass ich in der Verwaltung so eine gute Mannschaft habe, die hin und wieder manchmal auch darunter leidet, dass ich wirklich nicht zufrieden bin, wenn nach einem Prozess nicht das Optimum herauskommt. Aber wenn man sich die Rahmenbedingungen ansieht, unter denen wir zurechtkommen mussten, ist die Bilanz sehr gut vertretbar. Denken Sie an die Werftkrise zurück. Mir war zeitweise nicht klar, wie es danach weitergehen könnte. Das Meiste haben aber die Stralsunder selbst vorangebracht. Das macht nicht der OB allein, aber es ist wichtig, dass man den hat.

Benjamin Fischer

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