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MV aktuell Germania-Pleite bringt Rostock-Laage in schwere Turbulenzen
Nachrichten MV aktuell Germania-Pleite bringt Rostock-Laage in schwere Turbulenzen
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17:10 05.02.2019
Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania sind auch die Flüge von und zum Flughafen Rostock-Laage gestrichen. Die Schalterhalle ist leer. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Als Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, Air Berlin, vor zwei Jahren Insolvenz anmelden musste, kam der Flughafen Rostock-Laage glimpflich davon. Das dürfte dieses Mal anders sein: Die Pleite der Airline Germania – sie trifft Hunderte Urlauber aus MV und wird auch für den größten Airport des Landes zum existenzbedrohenden Problem. Denn fast die Hälfte der insgesamt knapp 300 000 Passagiere, die 2018 von Laage abhoben, flog mit Germania. Die Rostocker Grünen fordern bereits, dass sich die Hansestadt als Gesellschafter aus Laage zurückziehen soll. Der Airport habe keine Zukunft mehr.

Insgesamt zwölf Ziele – darunter Hurghada in Ägypten, Palma de Mallorca, Kreta und Wien – flog Germania von Laage aus an. „70 Prozent der Germania-Fluggäste sind Pauschalurlauber“, so Dörthe Hausmann, die Geschäftsführerin des Flughafens Laage. Am Dienstag sollte ein Ferienflieger in die Türkei abheben. Doch die Maschine blieb am Boden. „Pauschalurlauber müssen sich mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen. Der kümmert sich um alternative Flüge“, so Hausmann.

Bald keine Linienflüge mehr ab Laage?

Wie viele Urlauber aus MV an Reisezielen rund um das Mittelmeer festsitzen, könne sie nicht sagen. Germania antwortet nicht auf eine entsprechende Anfrage. Fluggäste, die direkt bei der Pleite-Airline gebucht haben, müssen sich selbst um neue Flüge bemühen. Ihr Geld ist vorerst weg.

Für den Flughafen ist die Pleite ebenfalls ein Desaster: Erst Ende des Jahres hatte die zweite große Airline in Laage, BMI Regional, die Stuttgart-Verbindung gestrichen. Im Falle eines harten Brexit droht auch den Verbindungen nach München das Aus. Dann gäbe es keine Linienflüge mehr ab Laage.

Für 2019 keine Ausweichmöglichkeiten mehr

„Wir wissen seit vier Wochen um die finanziellen Schwierigkeiten von Germania, arbeiten seit dem an Alternativen“, so Hausmann. Der Flughafen sei in Gesprächen mit Fluggesellschaften in Deutschland und dem Ausland. „Wir sind optimistisch, für einen Teil der Strecken neue Anbieter zu finden. Aber für 2019 sind die Airlines bereits alle verplant.“

Die Germania-Insolvenz bringt den Airport nach Jahren immer neuer Passagierrekorde in Bedrängnis: Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) spricht von einem „herben Schlag“ für Rostock-Laage. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) will sich zu den möglichen Auswirkungen noch nicht konkret äußern: „Der Flughafen muss allerdings befürchten, dass Außenstände für die Starts und Landungen teilweise nicht mehr beglichen werden könnten.“ Er sichert Laage Unterstützung des Landes zu.

„Die Auswirkungen der Insolvenz von Germania werden den Flughafen zu destabilisieren“, fürchtet Tobias Woitendorf, Vize des Landestourismusverbandes. „Für die Urlaubsdestination Mecklenburg-Vorpommern sind kaum Auswirkungen zu befürchten, da Germania von Rostock aus vorwiegend internationale Reisegebiete angeflogen ist“, so Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Das Hotel Usedom Palace in Zinnowitz, dass vor wenigen Jahren noch der Airline gehörte, ist von der Pleite nicht betroffen.

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Andreas Meyer

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