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Gern gesehene Gäste: Delfine könnten in der Ostsee überleben

Gern gesehene Gäste: Delfine könnten in der Ostsee überleben

Mehrere Delfine wurden beobachtet / Die OZ sprach mit dem Kurator für Meeressäuger am Meeresmuseum, Michael Dähne, über Sichtungen und Verhalten von Tümmlern & Co.

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Fahrgäste des Ausflugsschiffes „Möwe“ beobachten einen Delfin in der Flensburger Förde (Schleswig-Holstein).

Quelle: Benjamin Nolte/dpa

Was zieht Delfine an die Küsten zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden?

OZ-Bild

Mehrere Delfine wurden beobachtet / Die OZ sprach mit dem Kurator für Meeressäuger am Meeresmuseum, Michael Dähne, über Sichtungen und Verhalten von Tümmlern & Co.

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Michael Dähne: Die genauen Mechanismen sind unklar. Es wird aber spekuliert, dass die Tiere ihrer Nahrung folgen. So tauchen etwa Finnwale regelmäßig an der jütländischen Küste auf. Delfine gelangen meist in kleineren Gruppen von Jungtieren in die Ostsee, die sie auf ihren Streifzügen erreichen.

Wovon ernähren sich die Delfine in der Ostsee?

Dähne: Delfine fressen verschiedene Beutefische. In unseren Bereichen sind das etwa Dorsche, Heringe und Flundern, aber je nach Saison auch andere Fischarten.

Könnten Delfine dauerhaft in der Ostsee überleben?

Dähne: Ja, aber nur wenn genug Nahrung zur Verfügung steht, es Paare gibt und die Delfinart mit den Eisbedingungen im Winter umgehen kann, könnten sie sich ansiedeln. Das ist derzeit aber extrem unwahrscheinlich.

Es gibt Berichte von Delfinen, die Boote begleiten. Was können Wassersportler beachten, wenn die Tiere einem Schiff nahe kommen?

Dähne: Nicht alle Delfinartigen sind zutraulich, Schweinswale sind beispielsweise scheu. Allerdings schwimmen Große Tümmler häufig auf Boote zu und „reiten“ sogar auf den Bugwellen kleinerer Boote. Dann sollten Lärmquellen unter Wasser, etwa Echolot und Fischfinder, bereits ausgeschaltet sein. Auch sollten die Bootsführer vorsichtig sein, damit die Tiere nicht verletzt werden.

Wie sollte man sich bei der Begegnung verhalten?

Dähne: Das intensivste Erlebnis ergibt sich, wenn man nicht motorisierte Boote wie Kanus oder kleinere Segelboote nutzt. Die Tiere sind dann sehr zutraulich. Wer etwa Schweinswale beobachten möchte, muss sehr leise, vorsichtig und aufmerksam sein. Nur bei glattem Wasser sieht man ihre dreieckige Rückenflosse, die Finne. Bei ruhiger See kann man sie dann sogar schnaufend atmen hören.

Wie reagieren die Tiere auf solche Begegnungen?

Dähne: Wenn sie von ganzen Bootsgruppen umringt werden, stresst sie das – so wie im September 2015 bei dem Schnabelwal in der Wohlenberger Wiek. Deshalb gilt immer: Abstand halten und die Tiere auf sich zukommen lassen, ihnen nicht aktiv und schnell folgen, Motor und Echolot ausschalten.

Anfang des Jahres tauchten zwei Delfine im Warnemünder Seekanal auf. Darf man sie füttern?

Dähne: Generell sollte man wilde Tiere nie füttern, weder an Land, noch im Wasser. Sie können sich daran gewöhnen und dann ihre Beute nicht mehr selbstständig erjagen.

Welche Gefahren lauern für die Tiere in der Ostsee?

Dähne: Delfine und Schweinswale können sich in Stellnetzen der Fischerei verfangen. Das ist die größte Gefahr für Irrläufer, sowohl in der Ostsee als auch in ihren ursprünglichen Lebensräumen.

Gefährlich ist auch Nahrungsmangel. Zudem könnte Eis die Tiere am Auftauchen und Atmen hindern. Unterwasserlärm durch Schiffe, Rammungen von Windenergieanlagen, Granatensprengungen sowie militärische Übungen sind ebenfalls für Delfine problematisch. Das gilt auch für unsere Schweinswale. Und Umweltgifte, Plastikmüll und Mikroplastik haben langfristige Auswirkungen, die wir derzeit nicht einschätzen können.

Meist sind Delfinsichtungen Zufälle. Wie kann man die Chance erhöhen, einen Delfin in der Ostsee zu beobachten?

Dähne: Indem man sich vorher gut informiert. Eine gute Möglichkeit dafür bietet die Plattform www.schweinswalsichtung.de (/map). Auf der Internetseite werden die Sichtungen aller Meeressäugetiere erfasst und auf einer Karte veröffentlicht.

Wie viele Delfine schwimmen derzeit in der Ostsee?

Dähne: Die letzte Meldung stammt zwar aus dänischen Gewässern und liegt schon etwas länger zurück. Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass die beiden Großen Tümmler, die „Selfie“ und „Delfie“

genannt wurden, sich noch in der Ostsee aufhalten. Außerdem wurden zwei Gemeine Delfine und ein Pottwal aus dänischen Gewässern gemeldet.

Diskussion zum Zustand der Ostsee bei der OZ

Eine Podiumsdiskussion zum Zustand der Ostsee findet am 3. Juni um 15 Uhr im Rostocker OZ-Studio,

Richard-Wagner Straße 1a, statt.

Eintritt ist frei.

Am 8. Juni laden folgende Einrichtungen zum Ostseetag nach Rostock ein – in den Stadthafen und die Bühne 602: Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Thünen-Institut für Ostseefischerei, Deutsches Meeresmuseum Stralsund und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

• Programm: www.ostseetag.info

Interview von Axel Meyer

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