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MV aktuell Geschenke für Schulen umstritten
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00:01 23.10.2017
Kinder mit dem Mini-Computer Calliope. Quelle: Foto: J. Alraun/calliope/dpa
Schwerin/Berlin

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) freut sich: „Was wir hier machen, ist ein Modell der Zukunft“, sagte sie bei der Vorstellung der Spende eines Berliner Unternehmens in Schwerin. Schule und Wirtschaft sollten enger zusammenarbeiten. Die gemeinnützige GmbH schenkt 2500 Mini-Computer für 100 Grundschulen, 25 Stück bilden einen Klassensatz. Gesamtwert:

75000 Euro. Kinder ab Klasse 3 sollen so ans Programmieren herangeführt werden.

Auf der Internetseite des Unternehmens Calliope erklärt Gesche Joost als eine der Gesellschafterinnen, mit dem Mini-Computer „wollen wir einen Startschuss für die digitale Bildung in Deutschland geben“. Ziel sei, flächendeckend alle Drittklässler mit dem Gerät auszustatten und es mittelfristig fest in den Schulalltag zu integrieren. „Die Anschubfinanzierung wird durch Spenden von Unternehmen und Stiftungen erreicht werden – später soll das Angebot schrittweise in den normalen Betrieb des Bildungssystems integriert werden.“ Joost sagt: „Google ist unser stärkster und größter Partner und hat mit einer Spende über die Tides Foundation dafür gesorgt, dass wir in allen Bundesländern Pilotschulen mit dem Calliope mini gratis ausstatten können.“

Kritiker sehen hier Wirtschaftslobbyismus. Das sollen und wollen die Bildungsminister eigentlich verhindern, schließlich legen sie die Bildungsinhalte fest und nicht Unternehmen. Laut einer Vorschrift des Schweriner Bildungsministeriums ist bei Schulsponsoring der Bildungs- und Erziehungsauftrag gefährdet, „wenn aufgrund der Höhe oder Dauer einer Zuwendung eine Abhängigkeit des Unterrichtsbetriebes von einem bestimmten Sponsor zu befürchten ist“. Die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, sieht diesen Tatbestand beim Mini-Computer erfüllt. „Es soll ausschließlich das Produkt dieser einen Firma zum Einsatz kommen“, sagt sie.

Solch ein Mini-Computer, der die Form eines Sheriff-Sterns hat und wie das Innenleben eines Rechners aussieht, kostet rund 35 Euro. Ein großer Schulbuchverlag, der das Projekt unterstützt, vertreibt auch das Gerät. Der Link zum Shop des Verlages steht auf der Internetseite des Spendenprojektes.

Dabei seien auch alternative Produkte auf dem Markt, sagt René Scheppler von der Lehrergewerkschaft GEW in Hessen. Er befasst sich seit längerem mit der Spendenpraxis des gemeinnützigen Berliner Unternehmens. Er betont, bisher profitierten davon nur Länder mit SPD-Regierungsbeteiligung: Saarland, Berlin, Rheinland-Pfalz, Hamburg, jetzt MV. „Die Gründung der gemeinnützigen GmbH entsprang der SPD-nahen Denkfabrik D64“, sagt er. Die Gründung wird auch im D64-Jahresbericht 2015 erwähnt. Dazu Nico Lumma, Co-Vorsitzender: „Calliope ist eine wunderbare Initiative, deren Ziel, Kindern den Zugang zum Programmieren zu erleichtern, ich ausdrücklich unterstütze. Die Calliope gGmbH wurde von einigen Mitgliedern von D64 gegründet, aber der Verein D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt e.V.

ist ansonsten nicht weiter involviert.“ D64 betont, von der SPD unabhängig zu sein. Joosts SPD-Nähe ist für Scheppler erkennbar an ihrer Berufung 2013 in das Wahlkampfteam des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Scheppler: „Ich habe den Eindruck, dass hier eine Einflussnahme auf schulische Bildung stattfindet.“

Iris Leithold

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