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Gestatten, Elsa! Rügens erstes Tigerbaby ist wohlauf

Sassnitz Gestatten, Elsa! Rügens erstes Tigerbaby ist wohlauf

Tiger-Mutter aus dem Zirkus nahm ihr Junges nicht an / Mitarbeiter einer Tierarztpraxis ziehen es vorübergehend auf / In drei Wochen soll die Raubkatze in den Tigerpark Dassow

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Ganz neugierig schaut das Tigerbaby, das vor sechs Wochen in Sassnitz geboren wurde, in die Kamera.

Quelle: Fotos: Udo Burwitz

Sassnitz. Ein lautes Miauen schallt durch den Raum. Dann geht es in ein Fauchen über. „Ist ja gut“, beruhigt Lisa Frömming. Die 23-Jährige arbeitet in der Praxis von Tierarzt Marco Nieburg in Sassnitz auf Rügen und ist routiniert. Sie hat es fast täglich mit Katzen zu tun, die miauen. Doch zurzeit streicht sie sehr viel öfter über ein Fell mit schwarzen Streifen als etwa über das grau-weiße von Hauskatzen oder das rotbraune von Perserkatzen. Das Fell mit den schwarzen Streifen gehört „Elsa“ – dem ersten sibirischen Tiger, der je in Sassnitz geboren wurde.

OZ-Bild

Tiger-Mutter aus dem Zirkus nahm ihr Junges nicht an / Mitarbeiter einer Tierarztpraxis ziehen es vorübergehend auf / In drei Wochen soll die Raubkatze in den Tigerpark Dassow

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„Es ist ein Weibchen“, sagt Frömming. Deshalb habe sie es „Elsa“ genannt.

Frömming – Fachkraft in der Tierarztpraxis – kümmert sich derzeit rührend um den Tigernachwuchs und ist sozusagen Elsas Pflegemutter. „Die echte Mutter hat das Junge nicht angenommen“, sagt Praxis-Chef Marco Nieburg. Elsas echte Tigermama ist in einem Zirkus zu Hause, der im Spätsommer in Sassnitz gastierte. Während dieses Gastspiels wurde das Junge geboren. „Das war vor sechs Wochen“, sagt der Tierarzt. Weil die Mutter die kleine sibirische Tigerdame aber nicht annahm, standen die Überlebenschancen für den Nachwuchs schlecht. Die Tierarzt-Praxis war die Rettung. Sie übernahm die Aufzucht. „Vorübergehend“, betont Marco Nieburg. Die Pflege des Tigers unter fachmännischer Aufsicht sei nur eine Übergangslösung. „Das Tier soll ein vernünftiges Zuhause mit artgerechter Haltung bekommen“, kündigt er an. Dafür sei der Tigerpark Dassow prädestiniert. Mit dem Park, den die Familie um den legendären Raubtierdompteur Dieter Farell im Jahr 2003 in der Stadt in Nordwestmecklenburg eröffnete, sei bereits Kontakt aufgenommen worden. Bis Elsa umziehen kann, wird es aber noch drei Wochen dauern. „Der Abschied wird garantiert unheimlich schwer fallen“, sagt die Ziehmutter auf Zeit jetzt schon.

„Jetzt gibt es aber erstmal Mittag.“ Lisa Frömming greift zur Flasche. Eine für Babys, mit Nuckel. Gefüllt ist sie mit spezieller Katzenmilch. Alle zwei Stunden bekommt Elsa die Flasche. 150

Milliliter putzt das Tigerbaby weg. Kleinigkeit! Keine Kleinigkeit ist es, Elsa aufzuziehen. „Sie braucht eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung“, sagt Lisa Frömming und freut sich, dass der Nachwuchs inzwischen nachts durchschläft. Am Anfang sei das anders gewesen, sagt sie. „Da musste ich jede Stunde aufstehen und sie füttern.“ Neuerdings soll Elsa auch feste Nahrung probieren. „Wir kochen Bio-Rindfleisch auf, damit es dem von einer richtigen Tigermutter vorgekauten ähnelt.“ Allerdings verschmäht Elsa dieses Angebot noch.

Eigentlich sollten Insulaner Rügens erstgeborenes Tigerbaby morgen zu Gesicht bekommen. Der Sassnitzer Tierpark veranstaltet ein Apfel- und Herbstfest. Zur Unterstützung einer Anlage, die nach jahrelanger Diskussion immer noch auf ihre vorgesehene Neugestaltung wartet, sollte der Tiger kurz den Besuchern gezeigt werden. Doch daraus wird nichts. Er werde das Vorstellen des Tigers aus Tierwohlgründen unterbinden, kündigte Bürgermeister Frank Kracht gestern gegenüber der OZ an.

Die größte Katze der Welt

431 bis 529 sibirische Tiger gibt es laut Umweltschutzorganisation WWF auf der Welt. Diese Schätzung basiert auf einer großangelegten Zählung im Jahr 2005. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet diese Unterart des Tigers, die als größte lebende Katze der Welt gilt, als „stark gefährdet“. Die sibirischen Tiger sind im Osten Russlands sowie Teilen Nordkoreas und Chinas beheimatet. Wilderer jagen sie gnadenlos. In den 1930er Jahren gab es kaum mehr als 50 wildlebende Exemplare. Durch strenge Schutzbestimmungen erhöhte sich die Zahl wieder.

Udo Burwitz

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