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MV aktuell Gesündere Zähne: Zwölfjährige haben deutlich weniger Karies
Nachrichten MV aktuell Gesündere Zähne: Zwölfjährige haben deutlich weniger Karies
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00:05 02.02.2018
Greifswald

Das Kariesrisiko der Zwölfjährigen hat sich in Deutschland deutlich verringert. Andererseits haben schon Kleinkinder durch andauernde Zucker-Nuckelei mitunter schwarze Stummel im Mund. Zwei Trends, die sich auch in MV widerspiegeln. Das belegen die Ergebnisse der Epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016, an der insgesamt 300 000 Kinder teilnahmen. Wissenschaftlich begleitet wurde die sechste  Untersuchungsreihe vom Team um Prof. Christian H. Splieth, Chef der Abteilung für Präventive Zahnmedizin & Kinderzahnheilkunde der Greifswalder Unimedizin. OZ sprach mit ihm.

Prof. Christian H. Splieth, Abteilungs-Chef an der Greifswalder Unimedizin, begleitete die bundesweite wissenschaftliche Studie. Quelle: Foto: Christian Rödel

Gegenüber 2009 hat sich die Zahl der Kariesfälle  bei Zwölfjährigen in MV im Schuljahr 2015/2016 mehr als halbiert. Die einstigen regionalen Unterschiede im Nordosten existieren nicht mehr.

Welche Gründe gibt es für diese überraschend positive Entwicklung?

Prof. Christian H. Splieth: Die Ergebnisse sind sensationell: Während 2009 die Zwölfjährigen im Nordosten im Schnitt 0,98 Zähne aufwiesen, die von Karies befallen waren, sind es nun 0,46. Bundesweit verbesserte sich der Wert von 0,72 auf 0,44. Die mittlerweile exzellente Prävention durch Jugendzahnärzte in den Kommunen und die niedergelassenen Kollegen zahlt sich aus. Kindern ab sechs Jahren stehen bis zu ihrem 18. Geburtstag zwei Vorsorgeuntersuchungen jährlich zu. Außerdem setzen die Eltern und Kinder die häusliche Prävention erfolgreich um.

Bei den Erstklässlern erscheint die Situation sowohl bundesweit als auch in MV weniger rosig. Wird in diesem Alter zu wenig oder falsch geputzt?

Im Bereich der Erstklässler treten wir auf der Stelle: So waren aktuell bei dieser Altersgruppe im Nordosten im Schnitt 2,23 Zähne kariös, gefüllt oder fehlten wegen Karies. 2009 lag der Wert bei 2,26. Es wird in diesem Alter mitunter zu wenig bzw. nicht gründlich genug geputzt. Hinzu kommt, dass der Fluorid-Anteil – das Spurenelement wirkt sich positiv gegen Kariesbefall aus – in der angebotenen Kinderzahnpasta zu gering ausfällt. Sie enthält nur ein Drittel der Konzentration von Junior- oder Erwachsenenzahnpasta, was die Wirkung deutlich einschränkt.

Sie empfehlen also, dass man Kindern ab zwei Jahren in diesem Alter für die Zahnpflege Erwachsenen- Zahnpasta geben sollte?

Ja, wenn die Kinder gut ausspucken können und ein erhöhtes Kariesrisiko tragen oder schon Karies haben. Ein höherer Fluorid-Gehalt im Sinne der Karies-Prophylaxe ist dann sinnvoll. Die europäischen Empfehlungen sehen dieses Vorgehen seit Jahren mit Erfolg vor.

Große Sorgen bereitet Ihnen und Ihren Kollegen seit Jahren das Thema frühkindliche Karies. Bei zehn bis 15 Prozent der Dreijährigen im Nordosten verursacht die sogenannte Nuckelflaschen-Karies gravierende Schäden. Setzt die regelmäßige Zahnpflege zu spät ein?

Fakt ist, dass die Eltern mit ihren Kleinkindern nur selten bzw. zu spät den Zahnarzt aufsuchen. Bis zum dritten Lebensjahr findet deshalb kaum Aufklärung über Ernährung und Mundhygiene statt. Die Folge: Es entsteht Zahnfäule beispielsweise durch das Dauernuckeln an Plastikflaschen und Trinkbechern, die mit zucker- und säurehaltige Getränken gefüllt sind. Auch sogenannte Fruchtschorlen enthalten  ebenfalls erhebliche Mengen an Zucker, die Karies verursachen.

Wie viele der Dreijährigen in MV, die  Karies-Defekte haben, sind denn  dringend behandlungsbedürftig?

Bei  zwölf Prozent dieser Patienten sind zumeist massive Eingriffe nötig, da mehr als drei Zähne betroffen sind. Den Fachleuten bieten sich mitunter schlimme Bilder – von den Milchzähnen sind oft nur schwarze Stummel übrig. Dann bleibt nur das Ziehen der Überreste. Für die kleinen Patienten ist das trotz Narkose eine Tortur.  Der letzte Schritt ist dann das Einsetzen einer Kinderprothese.

Sie appellieren  an die Eltern, bei ihren Babys ab dem ersten Zahn das Putzen sorgfältig vorzunehmen!

Richtig. Und zwar bis die Zähne sauber sind. Die Erwachsenen müssen den Kleinen dann später  unbedingt  beim Nachputzen helfen, denn den Kleinen fehlen häufig entsprechende motorische Fähigkeiten. Dies beobachten wir nicht selten  in unserer Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde in Greifswald.

International an der Spitze

80 Prozent der zwöfjährigen Sechstklässler in Deutschland haben kariesfreie bleibende Gebisse. Somit liegt hinsichtlich der Zahngesundheit dieser Altersklasse Deutschland  zusammen mit Dänemark international an der Weltspitze. Dies zeigen die im Auftrag der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) durchgeführten „Epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe“, für die bundesweit im Schuljahr 2015/16 mehr als 300000 Kinder zahnärztlich untersucht wurden.

Interview: Volker Penne

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