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Getötete Rostockerin: Amt war ahnungslos

Rostock Getötete Rostockerin: Amt war ahnungslos

Laut Behörde gab es keine Warnhinweise — auch als der psychisch gestörte Täter seine Freundin vergewaltigte.

Rostock. In aller Seelenruhe absolvierte André H. (35) Termine bei seiner Bewährungshelferin — und ließ sich nicht anmerken, dass er kurz zuvor einen Menschen getötet hatte. Nach Angaben von Dirk Manzewski, Leiter des Landesamtes für Straffälligenarbeit, gab es keine Anzeichen dafür, dass der Rostocker ein schweres Verbrechen begangen haben könnte. Auch vor der Tat sei H.

nicht weiter aufgefallen — obwohl er da zeitweise wegen Vergewaltigung in Untersuchungshaft saß.

H. hatte Anfang dieser Woche die Polizei zur vergrabenen Leiche seiner Lebensgefährtin in einem Wäldchen an der Rostocker Stadtautobahn geführt. Er räumte ein, die 32-jährige Ramona K. am 5.

Februar getötet zu haben (die OZ berichtete). Zu Details und Motiv der Tat schweigt sich der Tatverdächtige aus. H. ist einer von 830 haftentlassenen Straftätern, die unter sogenannter Führungsaufsicht stehen, weil sie als „hoch problematisch“ gelten, heißt es im Justizministerium. Die Aufsicht soll Rückfälle verhindern. Aber wieso kam es zu der Tat, obwohl André H. unter Kontrolle der Behörden stand?

„Wir haben unseren Job richtig gemacht“, meint Amtsleiter Manzewski. Als bekannt wurde, dass H. seine Freundin in der Silvesternacht — gut einen Monat vor ihrem Tod — vergewaltigt hatte, seien die Maßnahmen verschärft worden. H. habe sich nach Entlassung aus der U-Haft „wenigstens einmal in der Woche“ bei seiner Bewährungshelferin melden müssen. Die Behörde schaltete zudem Experten für Sexualstraftaten ein. Die sollen keine Warnhinweise festgestellt haben, so Manzewski. Der 35-Jährige sei vor der Silvesternacht nie durch Gewaltdelikte oder sexuelle Übergriffe aufgefallen.

Für die Vergewaltigung entschuldigte sich H. bei seiner Freundin, die ihn in der U-Haft besuchte. Sie soll ihm daraufhin verziehen haben. Das Amtsgericht Rostock setzte den Haftbefehl außer Vollzug, H. kam frei. Ende Januar erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Demnächst hätte er wegen der Vergewaltigung vor Gericht gestanden. Nun wird es einen großen Prozess geben, bei dem alle Taten verhandelt werden: Der Tod von Ramona K. und die Vergewaltigung einer geistig Behinderten — gut sechs Wochen, nachdem er seine Lebensgefährtin getötet hatte. Angaben zur Todesursache will die Staatsanwaltschaft erst nach Abschluss der Ermittlungen bekanntgeben.

André H. soll schwer psychisch gestört sein. Von 2002 bis 2009 saß er im Maßregelvollzug in einer forensischen Klinik. Anlass war eine einjährige Haftstrafe, angeblich wegen Diebstählen und einer Bombendrohung. Laut Gutachten stellte er nach der Entlassung keine Gefahr dar. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt Dirk Manzewski. Auch unter Führungsaufsicht stehende Ex-Häftlinge könnten nicht 24 Stunden am Tag überwacht werden.

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Dutzende Leser haben auf der Seite der Ostsee-Zeitung im sozialen Netzwerk Facebook ihre Meinung zur Rostocker Bluttat kundgetan. Hier eine Auswahl:

Peter Mahler: Wie oft hat ein Richter schon gesagt, es
bestehe keine Wiederholungsgefahr und wie oft war das
Gegenteil der Fall? Deutsche Justiz ist zum Kotzen.

Julia Rowolt: Wie schrecklich die Welt doch geworden ist ... Man muss an jeder Ecke aufpassen, dass man kein Opfer ... wird! Einfach nur traurig ...

Markus Hübner: Super Gutachten, danke sagen die Bürger.

Hilmar Schröder: Wie pervers ist Rostock bloß geworden. Bin froh, auf dem Lande zu wohnen.

Yvette Pommerenke: Die Welt ist einfach nur krank.

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Gerald Kleine Wördemann

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