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Gift in der Warnow: Ämter schauten jahrelang weg

Rostock Gift in der Warnow: Ämter schauten jahrelang weg

Alte Fabrik soll Quelle sein / Hafen wird ausgebaggert / Kosten explodieren

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„Die Gifte liefen unter den Augen der Behörden in den Fluss. Die Zuständigen haben die Verseuchung der Warnow in Kauf genommen. Holger Brydda, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund

Rostock. Es ist einer der größten Umweltskandale der Nach-Wendezeit in Mecklenburg-Vorpommern – und er könnte Hansestadt und Land Millionen kosten: Die Behörden in Rostock haben offenbar seit Jahren tatenlos dabei zugesehen, wie Teer- und Ölrückstände in die Warnow gelangten. Konsequenz: Der Grund des Stadthafens ist hochgradig mit Giftstoffen verseucht. Die dringend notwendige Vertiefung soll dennoch stattfinden. Doch wer die Entsorgungskosten für das giftige Baggergut trägt – darüber droht ein Rechtsstreit zwischen den Ämtern.

Dass die Warnow belastet ist, wissen die Ämter spätestens seit Ende 2016. Damals legten Gutachter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund (WSA) eine erste Studie zu den Sedimenten vor. Ergebnis:

Die zulässigen Grenzwerte – zum Beispiel für Kohlenwasserstoffe, für Sulfat und Chloride – werden um ein Vielfaches überschritten. Vor allem für die Hansestadt eine Hiobsmeldung: Denn das Rathaus fordert, dass der Stadthafen ausgebaggert wird. Der Fluss versandet mehr und mehr, für die Schifffahrt gelten bereits Beschränkungen. Leidtragende ist die Hanse Sail. Mehrere Schiffe müssen zum größten maritimen Volksfest des Landes in den Fischereihafen ausweichen.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt ließ das Ausbaggern jedoch stoppen – nachdem erste Hinweise auf die Gifte entdeckt wurden. „Wäre der Flussgrund nicht belastet, hätte das Ganze rund 1,5 Millionen Euro gekostet“, sagt Holger Brydda, Leiter des WSA. Doch das giftige Baggergut darf nicht auf Spülfelder ausgebracht werden, muss verbrannt oder aufwendig deponiert werden. Brydda schätzt, dass die Kosten explodieren werden – um das bis zu 15-Fache. Heißt: Schlimmstenfalls kostet das Ausbaggern 22,5 Millionen Euro. „Dabei wäre das alles vermeidbar gewesen.“

Denn die Gifte stammen nach Auffassung des WSA vom Gelände der ehemaligen Riedelschen Dachpappenfabrik in Dierkow. Dass das Gelände mit Teer- und Ölrückständen verseucht ist, wissen die Behörden seit Jahrzehnten. Mehrfach habe das Wasser- und Schifffahrtsamt die Stadt und das zuständige Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt zum Handeln aufgefordert. „Die Gifte liefen unter den Augen der Behörden in den Fluss. Die Zuständigen haben die Verseuchung der Warnow in Kauf genommen“, so Brydda. Das WSA will nun ein zweites Gutachten vorlegen, das dies belegen soll. „Und dann wird es darum gehen, wer die Mehrkosten zu tragen hat.“

Das Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) reagiert gelassen: „Erst mal muss bewiesen werden, dass wirklich das alte Areal der Dachpappenfabrik die Quelle ist“, sagt Stalu-Chef Jean Weiß. Es gebe aus seiner Sicht eine Vielzahl von möglichen Ursachen für die Verseuchungen im Fluss. „Aber wenn das Land wirklich diese Kontamination verursacht hat, werden wir uns auch an den Kosten beteiligen.“

Bereits in diesem Jahr soll das Areal der alten Industrie-Brache versiegelt werden. Und trotz des drohenden Streits zwischen Ämtern soll auch im Fluss gebaggert werden: allerdings in stark eingeschränktem Maße. Darauf haben sich Stadt und das Wasser- und Schifffahrtsamt bei einem Krisengipfel verständigt.

Andreas Meyer

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