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MV aktuell Giftalarm: Rostock kauft alte Deponie der Warnowwerft
Nachrichten MV aktuell Giftalarm: Rostock kauft alte Deponie der Warnowwerft
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03:40 28.08.2013
Rostock

Viel Müll aller Art ist auf der Warnowwerft angefallen. Und der wurde bis 1990 am Rand des Landschaftsschutzgebiets Am Laakkanal abgeladen. Jetzt plant Rostock, die alte Deponie vom Land zu kaufen und für das erweiterte maritime Gewerbegebiet Groß Klein zu nutzen, um dort ausgebaggerte Erde zu lagern. Umweltschützer schlagen Alarm.

„Es wäre gegen den gesunden Menschenverstand, wenn die Stadt mit öffentlichem Geld eine derartig belastete Fläche kaufen würde“, erklärt Ursel Karlowski, Bürgerschaftsmitglied und Landtagsabgeordnete der Grünen. In einer Anfrage an die Landesregierung fragte Karlowski, was genau im Boden liegt. „Die Industrieabfälle beinhalten das gesamte Spektrum ,gefährlicher Abfälle‘ aus dem Werftbetrieb, unter anderem Fette, Öle, Kraftstoffe, Säuren, Galvanikschlämme, Lacke, Lösungsmittel“, heißt es in der Antwort.

Bisher war das Land für die Sicherung der 1990 stillgelegten Deponie zuständig. Jetzt möchte Rostock das Areal kaufen. Es soll Erde gelagert werden, die bei der Erweiterung des Gewerbegebiets — als Investor ist der Rotorblatthersteller Euros im Gespräch — anfällt. Diesen dort zu entsorgen, spare Geld, argumentiert die Stadt. Etwa 57 000 Kubikmeter müssten sonst mit 2280 Lkw-Fuhren zur Sondermülldeponie nach Schönberg (Nordwestmecklenburg) gebracht werden — für 4,31 Millionen Euro. Bei Nutzung der Fläche Groß Klein ließen sich fast drei Millionen Euro sparen. Für den Bauausschusschef Frank Giesen (CDU) eine sinnvolle Rechnung. Ursel Karlowski sieht das anders. „Mit dem Aufkauf dieser unter anderem kampfmittelbelasteten Deponie spart sich die Stadt zwar Transportkosten für den Erdaushub, übernimmt damit aber freiwillig gravierende Risiken.“

Rostock sollte froh sein, die Deponie nicht zu besitzen. Was aber möchte die Stadt über dem Gift-Mix ablagern, wenn von „kontaminiertem Erdaushub“ die Rede ist? Hans-Joachim Meier, Leiter des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt, stellt klar, dass nur unbelasteter Boden aufgebracht werden darf. Anderes würde seine Behörde nicht genehmigen.

Wenn die Stadt von „kontaminiertem Aushub“ spreche, seien nur Salze in der Erde gemeint, erläutert Tiefbauamtsleiter Heiko Tiburtius. „Die sind auf natürlichem Weg durch Brackwasser dahingekommen.“

Der salzbelastete Boden müsse eben auf eine Deponie wie Schönberg gebracht werden, berichtet Heiko Tiburtius. Es sei aber möglich, ihn als Deckschicht für die Altablagerung in Groß Klein zu verwenden.

Naturschützerin Ursel Karlowski kritisiert grundsätzlich die Erweiterung der Industriefläche. Es ist das erste Mal, dass ein Schutzgebiet aufgehoben wird. „Damit existiert ein Präzedenzfall“, warnt sie. Auch Steffen Bockhahn (Linke) lehnt ab, da das Industriegebiet dicht an die Wohnbebauung rückt. Zuletzt hatten das auch immer wieder Anwohner kritisiert. Sie fürchten mehr Lärm und mehr Verkehr.

Neue Gewerbeflächen
Durch die südliche Erweiterung des maritimen Gewerbegebietes Groß Klein sollen neue Gewerbeflächen entstehen. Auf mehr als sieben Hektar mit Zugang zum Wasser könnten sich Firmen ansiedeln und bis zu 500 Arbeitsplätze schaffen.

Die Neptun Werft, Caterpillar und Nordic Yards nutzen schon jetzt die vorhandene Infrastruktur.

Das Wirtschaftsministerium fördert die Erschließung der Gewerbeflächen mit mehr als 9,6 Millionen Euro.

Thomas Niebuhr und Maria Annemüller

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