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MV aktuell Glawe: „Wolgast ist das wichtigste Krankenhaus in Vorpommern“
Nachrichten MV aktuell Glawe: „Wolgast ist das wichtigste Krankenhaus in Vorpommern“
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21:20 15.04.2019
Gesundheitsminister Harry Glawe spricht zu den 250 Teilnehmern der Mahnwache der Bürgerinitiative für den Erhalt des Kreiskrankenhauses Wolgast. Quelle: Tilo Wallrodt
Wolgast

Für die 250 Teilnehmer der Mahnwache am Montagnachmittag vor dem Wolgaster Kreiskrankenhaus war das die Aussage des Tages: Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hat durchs Megaphon versichert: „Wolgast ist das wichtigste Krankenhaus in Vorpommern.“

„Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Ansonsten gab es nicht viel Neues aus dem Mund des Ministers“, fand nicht nur Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos). Auch Peter Usemann, Bürgermeister von Zinnowitz (Wählergemeinschaft) nickte zustimmend.

Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sprach am Montag mit der Bürgerinitiative zum Erhalt des Kreiskrankenhauses in Wolgast. Rund 250 Teilnehmer kamen zur Mahnwache.

Die Grund- und Regelversorgung sei im Kreiskrankenhaus Wolgast nicht gefährdet, hatte Glawe nicht nur den Teilnehmern der Mahnwache gesagt. Zwei Stunden zuvor saß er bereits mit dem erweiterten Vorstand der Bürgerinitiative für den Erhalt des Wolgaster Kreiskrankenhauses zusammen.

Nachdem dieser am Montag vergangener Woche die aus seiner Sicht unhaltbaren Zustände in der Klinik öffentlich in der OSTSEE-ZEITUNG angeprangert hatte, war Bewegung in die Geschichte gekommen. Der an diesem Tag ebenfalls beratende Kreistag Vorpommern-Greifswald hatte mit übergroßer Mehrheit Landrat Michael Sack (CDU) mit dem Mandat betraut, das zur Universitätsmedizin Greifswald gehörende Krankenhaus zurückzukaufen. Das wiederum sorgte in Schwerin bei der Landesregierung für Aufsehen. Aufstand in der Fläche? Da muss es Lösungen geben.

Beide Seiten verwenden nicht die richtigen Zahlen

Die BI kritisierte auch am Montag vor Glawe die aus ihrer Sicht inkompetente Führung des Krankenhauses durch die Kaufmännische Geschäftsführerin Marie le Claire und belegte dies mit Zahlen. „Es herrscht eine unglaublich hohe Fluktuation, gute Ärzte und Schwestern werden einfach entlassen, wenn sie eine eigene Meinung vertreten, die nicht identisch ist mit der der Kaufmännischen Geschäftsführung“, führten die BI-Vorsitzende Anke Kieser und ihre Stellvertreterin Brigitte Knappik aus. Von Seiten der Kaufmännischen Geschäftsführerin wiederum war zu hören, dass die BI mit völlig falschen Zahlen operiere und alles schlecht rede.

Glawe sagte in Wolgast, dass wohl beide Seiten – BI und Unimedizin – nicht mit den richtigen Zahlen für Wolgast operieren würden. Hier müsse dringend vermittelt werden. Denn entscheidend für den Fortbestand eines Krankenhauses seien nicht die vorgehaltenen Betten, sondern die Anzahl der Fälle, die behandelt wurden.

Fakt sei, dass die 310 Mitarbeiter (keine Vollzeitkräfte) eine sehr gute Arbeit leisten. Die Grund- und Regelversorgung in der Region sei nicht in Gefahr und werde im Krankenhausplan des Landes MV fort- und festgeschrieben. Zudem habe er le Claire als kaufmännische Geschäftsführerin mit der Zielplanung für die neue Notaufnahme in Wolgast beauftragt. Im kommenden Jahr soll mit dem Bau begonnen werden, die Kosten liegen bei neun Millionen Euro.

Drei weitere Jahre Kinderportalpraxis

Für das Medizinische Versorgungszentrum am Krankenhaus Wolgast mit drei Arztstellen vorwiegend in der Kindermedizin laufe dagegen bereits die Ausschreibung für die erforderlichen Umbauten. Im Juni soll damit begonnen werden.

Bestehen bleibe nach seinen Worten auch die Kinderportalpraxisklinik. „Die Krankenkassen haben gerade signalisiert, dass sie weitere drei Jahre finanzieren“, so Glawe. Ob dort zehn oder fünf Betten stehen würden, sei für ihn unerheblich. Die Absicherung der Besetzung der Portalklinik bis 22 Uhr, um eine gute Betreuung erkrankter Kinder zu gewährleisten, habe jedoch Priorität, meinte der Minister.

Vertrauensbildende Gespräche erforderlich

„Es macht sich aber unbedingt erforderlich, dass zwischen der BI und der Geschäftsführung des Krankenhauses vertrauensbildende Gespräche zu mehreren Themen stattfinden“, fügte er an. Harry Glawe will als Moderator diesen Gesprächen beiwohnen. Im Mai soll damit begonnen werden.

„Die Kommunikation in der Klinik und Mitarbeitermotivation müssen als erstes verbessert werden. Auch das Thema Hygiene muss auf den Tisch“, meinte der Minister, der bestätigte, dass er sich auch frage, wo all das Geld investiert wurde, dass die Unimedizin für Wolgast als Fördermittel erhalten habe. Da gebe es, wenn er beispielsweise an das noch unsanierte Treppenhaus denke, durchaus Fragen.

Minister findet Kreistagsbeschluss nicht klug

Kein Hehl machte Glawe aus seiner Abneigung zum Beschluss des Kreistages, das Krankenhaus zurückkaufen zu wollen. Der Kreis sei mit 5,1 Prozent Minderheitsgesellschafter. Der Landrat habe sich ohne Not das Thema auf den Tisch gezogen. Er frage sich als Minister, wie ein hochverschuldeter Landkreis wie Vorpommern-Greifswald Geld für den Rückkauf aufbringen wolle.

Gleichwohl werde es im Mai erste Gespräche zu diesem Rückkauf zwischen Landkreis und Landesregierung geben. Was am Ende herauskomme, könne er nicht sagen. Er sei für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in MV zuständig, das Bildungsministerium aber für die Unimedizin.

BI hält an Forderungen fest

Die Bürgerinitiative um Vorsitzende Anke Kieser war vom Gespräch mit dem Minister eher ernüchtert. „Harry Glawe hat eine vorgefasste Meinung: Die Unimedizin leiste hier in Wolgast gute Arbeit und wir reden alles nur schlecht“, fasste es Kieser zusammen. Dabei habe die BI immer sehr wohl die medizinische und pflegerische Leistung in beiden Einrichtungen – dem Kreiskrankenhaus und der Unimedizin – anerkannt.

„Wir lassen mit unseren Forderungen jedenfalls nicht locker. Und wenn der Minister nun sagt, dass tatsächlich die echten, richtigen Zahlen bei den Ärzten, Pflegekräften und den abgerechneten Leistungen auf den Tisch kommen, sind wir jederzeit zum Gespräch bereit“, versicherten BI-Chefin und Stellvertreterin Knappik.

Weigler: Alle können gewinnen

Wolgasts Bürgermeister Weigler hält am klaren Votum des Kreistages fest. „Eigentlich ist es möglich, dass es nur Gewinner gibt: Das Kreiskrankenhaus kann man kommunal betreiben, wenn man das will. Und die Unimedizin kann sich wieder auf ihre Kernkompetenz besinnen und neben der Spezialmedizin auch wieder Lehre und Forschung stärken.“

Mit dieser Meinung stand er am Montagnachmittag nicht allein da: Der OZ sagte Landrat Michael Sack am Telefon, dass er sich über den erteilten Auftrag zum Rückkauf des Krankenhauses freue und alles tun werde, um ein von allen Beteiligten mitzutragendes Ergebnis zu erreichen.

Cornelia Meerkatz

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