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MV aktuell Glawe will Touristen und Personal glücklicher machen
Nachrichten MV aktuell Glawe will Touristen und Personal glücklicher machen
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12:22 09.11.2018
Voller Strand in Warnemünde. Das Landestourismuskonzept sieht das Thema Massentourismus an Grenzen stoßen. Quelle: dpa
Rostock

Wie bleibt die Tourismusbranche langfristig in der Erfolgsspur? Seit Jahren wartet sie auf eine neue Konzeption des Landes. In wenigen Tagen soll das Regierungskabinett nun die Endfassung beschließen. Das Konzept sorgte vor Monaten landesweit für Wirbel, etwa weil es aus Personalmangel Roboter als Kellnerersatz oder eine Öffnung der Kur- und Fremdenverkehrsabgaben auf weitere Orte vorschlägt (die OZ berichtete). SPD und CDU stritten lange, ob und wann ein Tourismusgesetz Vorgaben für Landkreise und Städte machen soll. Das Gesetz ist jetzt verschoben. Dennoch enthält das Konzept weiterhin brisante Themen. Beispiele:

Personalmangel: Jede dritte Lehrstelle im Gastgewerbe bliebt zuletzt landesweit unbesetzt, jede siebte bei Beschäftigten, Kellerplatz bundesweit. Das führe zu Besucher- und Umsatzeinbußen. Vielerorts drohten verkürzte Öffnungszeiten in Restaurants und Hotels. Mittelfristig solle die Quote auf 20 Prozent gesenkt werden, Fachkräfte verstärkt aus anderen Regionen abgeworben werden. Das Gewerbe müsse höhere Löhne zahlen, den Job so attraktiver machen. Zudem müsse landesweit ein höheres Tourismusbewusstsein entwickelt werden.

Um die Branche bei Personal flexibler zu machen, könnte die 70-Tage-Regelung für eine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung auf mindestens 90 Tage ausgedehnt werden. Dies sei ein „konsequenter Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in MV. So könnten Saisonkräfte flexibler eingesetzt werden.

Weg vom Massentourismus: „Overtourism“ ist ein Begriff, der die Branche umtreibt. Auch in MV gebe es Anzeichen für ein „Zuviel an Tourismus“, vor allem entlang der Ostseeküste. Daher sei es künftig nicht mehr oberstes Ziel, die Übernachtungszahlen weiter zu steigern. Sie lagen 2016 bei gut 30 Millionen auf einem Hoch, sanken 2017 leicht ab. Für 2018 wird ein neuer Rekord erwartet. Künftig solle aber verstärkt auf Qualität der Angebote geachtet werden. Das Konzept spricht von einer „Innovations- und Investitionsoffensive“. Angebote sollen künftig mehr auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten sein: Aktive/Sportaffine, Familien, Genießer, Erlebnisorientierte für Lifestylethemen.

Tourismus wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Übernachtungszahlen in MV sind 2017 erstmals zurückgegangen. 29,7 Millionen gab es in Hotels und Herbergen (ab 10 Betten), ein Rückgang um 1,8 Prozent gegenüber 2016. Für 2018 wird aufgrund des heißen Sommers aber ein neuer Rekord erwartet.

7,75 Milliarden Euro lassen Touristen pro Jahr in MV. 4,1 Milliarden Euro jährlich steuert die Tourismuswirtschaft zur Wirtschaftsleistung des Landes bei – fast zwölf Prozent der Bruttowertschöpfung.

Betuchte Gäste locken: Da MV gegenüber direkten Mitbewerbern wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen zurückfällt, müsse das Inlandmarketing verbessert werden. Beispiel: zahlungskräftiges Klientel aus Süddeutschland werde derzeit zu wenig ins Land gelockt. Das solle sich ändern. Dies gelte auch für Gäste aus dem Ausland.

Gäste/Personal zufriedener machen: In der Gästezufriedenheit lag MV 2017 im Vergleich der Bundesländer auf Platz fünf – Index 82,4. Ziel für die Zukunft sei es, wieder in die Spitzengruppe aufzurücken (Index-Vorgabe 86) . Geprüft werden solle auch die Einführung eines Instruments, das die Zufriedenheit des Personals misst. Der Glücksatlas der Deutschen Post sah Einwohner von MV zuletzt auf dem letzten Platz unter 19 analysierten Regionen.

Mehr Wertschöpfung: Tourismus soll künftig mehr Geld abwerfen – auch das steht im Konzept. 2014 gab es eine Bruttowertschöpfung von 4,1 Milliarden Euro durch die Branche. Dabei müssten vor allem mehr Einnahmen in der Nebensaison erzielt werden. Ehrgeiziges Ziel: Von Oktober bis Mai solle die Zahl der Übernachtungen von 13,3 Millionen im Jahre 2016 auf „mindestens 17,5 Millionen“ erhöht werden. Also doch höhere Gästezahlen als Ziel? Künftig sollen auch Übernachtungen in Herbergen unter zehn Betten in die Statistik einfließen.

Controlling: Um beschlossene Maßnahmen auch überprüfen zu können, soll im Wirtschaftsministerium ein Umsetzungsmanagement angesiedelt sein, finanziert aus Fördermitteln und Eigenbeiträgen der Tourismus-Partner. Diese zentrale Schaltstelle soll koordinieren, zu Veranstaltungen einladen, Online-Plattform und Newsletter initiieren. Die Branche müsse sich daran auch finanziell beteiligen, heißt es aus dem Ministerium.

Mobilität: Unzufriedenheit bei Gästen entsteht auch durch teils schlechte Infrastruktur – auch das steht im Konzept. Radwege und Straßen sollen ausgebaut, Angebote besser vernetzt werden. Trend: weg vom Auto. Pikant: Fördermittel für Radwege soll das Verkehrsministerium künftig nur noch an Kommunen ausreichen, die bestehende Strecken auch instand halten.

Wohnungsbau: Um den angespannten Wohnungsmarkt für Einheimische in Tourismusorten zu entlasten, soll verstärkt kommunaler Wohnungsbau gefördert werden. Minister Christian Pegel (SPD) kündigte gerade an, eine Richtlinie um Tourismusorte ab 2000 Einwohnern zu erweitern. Bisher gilt diese nur für größere Orte. Wichtig seien auch bezahlbare Kita-Plätze für das Personal aus dem Gastgewerber.

Finanzierung: Mehr Orte sollen Tourismusabgaben kassieren dürfen. Bisherige Kommunen mit Prädikat sollen als „Premium-prädikatisierte Orte“ Kur- (von Gästen) und Fremdenverkehrsabgabe (von Unternehmen) kassieren dürfen. Neu sind die Kategorien „Anerkannter Tourismusort“ und „Anerkannte Tourismusregion“. Auch hier sollen Abgaben von Unternehmen möglich sein, die vom Tourismus profitieren. Für Tourismusorte ist zudem eine Investitionspauschale für Infrastruktur im Gespräch.

Strukturelles: Der Tourismusverband MV soll künftig mehr Geld vom Land für seine Aufgaben erhalten. Konkretes? – Fehlanzeige. Aktuell seien es 3,1 Millionen Euro jährlich. „Mittelfristig“ soll die Einführung eines Tourismusgesetzes geprüft werden, das konkrete Aufgaben zuordnet und mehr Geld zusichert. Die CDU hatte eine kurzfristige Umsetzung – SPD-Forderung – abgelehnt.

Fazit: Gegenüber früheren Entwürfen ist das Landestourismuskonzept in weiten Teilen schwammiger, unverständlicher formuliert. „Weil jedes Ministerium seinen Senf dazu gibt“, sagt ein Insider. Beispiel: Für ein gutes Gelingen brauche es „Leitköpfe für ein partizipatives Umsetzungsmanagement“. Oha!

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Frank Pubantz

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