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MV aktuell Glücksspiel erst ab 18!
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00:05 31.03.2016

Im Lotto gewinnen — das wär‘s. Warum nicht einfach einen Schein ausfüllen, dann lacht vielleicht das Glück. Eric betritt die kleine Tabak-Nitz-Filiale im Einkaufscenter Ostseepark Rostock-Sievershagen. Sechs Zahlen kreuzt der junge Mann an, reicht der Verkäuferin seinen Tippschein — und schaut erwartungsvoll. Doch Verkäuferin Katja Schubert fragt: „Sind Sie schon 18?“ Als Eric den Kopf schüttelt, ist klar: Es wird nichts mit dem großen Gewinn. Denn laut Staatsvertrag zum Glücksspielwesen ist Minderjährigen die Teilnahme an öffentlichen Glücksspielen verboten.

Testkäufer Eric am Lottoschalter der Tabak Nitz-Filiale im Einkaufscenter Ostseepark in Sievershagen bei Rostock. Quelle: Fotos: Frank Hormann
Jede Annahmestelle fürs Lottospiel wird zwei Mal pro Jahr gecheckt.“ Projektleiter Christian Pampuch
Testkäufer Eric am Lottoschalter der Tabak Nitz-Filiale im Einkaufscenter Ostseepark in Sievershagen bei Rostock. Quelle: Fotos: Frank Hormann
Jede Annahmestelle fürs Lottospiel wird zwei Mal pro Jahr gecheckt.“ Projektleiter Christian Pampuch

Was Katja Schubert nicht weiß: Die Aktion ist ein Test. Eric ist als Testkäufer unterwegs, zusammen mit Christian Pampuch. Der 34-Jährige betreut für die Rostocker Firma „Kaufmann & Kirner Mystery Shopping“ die Jugendschutztests, in diesem konkreten Fall für Lotto Mecklenburg-Vorpommern. Rund 1100 solcher Kontrollen hat die Firma 2015 bereits durchgeführt. „Jede Annahmestelle wird zwei Mal pro Jahr gecheckt“, erläutert Projektleiter Pampuch. 15 „Tandems“ waren dazu unterwegs. Denn die Jugendlichen dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen und mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten auf Tour gehen.

Eric ist schon ein halbes Jahr dabei. „Es ist ein bisschen aufregend, aber es macht Spaß“, sagt der Gymnasiast, der in Rostock die 11. Klasse besucht. Und obendrein ist es eine gute Möglichkeit, das Taschengeld aufzubessern. Etwa 15 Euro erhält er pro Einsatz. Das Tabak-Geschäft hat den Test bestanden, Christian Pampuch vermerkt das im Protokoll. „Ich bin schon öfter kontrolliert worden“, erzählt Katja Schubert. Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel — die Tabak-Filiale bietet viele Produkte, bei denen die Verkäufer das Jugendschutzgesetz im Blick haben müssen. „Wir werden immer wieder geschult“, sagt ihre Kollegin Nicole Uhlenbrock. Allerdings: Einmal sei sie „reingefallen“. „Am allerersten Tag in einer neuen Filiale, da musste ich so viel beachten“, erinnert sich die 41-Jährige. „Die Testerin war gut geschminkt, ich hätte sie locker auf 25 geschätzt.“ Den Schreck von damals hat die Verkäuferin abgehakt: „Da lernt man draus“.

Im real-Markt des Ostseeparkes ist Eric „erfolgreich“: Der Kauf einer Flasche Havana Club, kein Problem. Die Kassiererin lässt sich zwar den Personalausweis zeigen, schaut auch kurz aufs Geburtsdatum, gibt dann aber ohne zu zögern dem 16-Jährigen das Wechselgeld heraus. Als die Testkäufer die Marktleitung informieren, reagiert die sofort. „Wir bedauern, dass das passiert ist und werden das Kassenpersonal nochmals explizit schulen“, versichert real-Pressesprecherin Alja-Claire Dufhues, „damit dieser Vorfall eine Ausnahme bleibt“.

Die Kassierer seien verpflichtet, sich zu vergewissern, ob die Kunden alt genug sind, um bestimmte Produkte zu kaufen. Ein spezielles Kassenwarnsystem unterstützt das Personal: Werden Bier, Wein, Spirituosen, Tabakwaren oder Videofilme gescannt, sperrt die Kasse. Erst wenn der Kassierer weiß, wie alt der Kunde ist, darf er die Kasse freigeben. Alkohol für Minderjährige, das solle verhindert werden. „Viele unserer Mitarbeiter sind selbst Eltern und sorgen sich auch um ihre eigenen Kinder“, macht die real-Sprecherin deutlich.

In den Lotto-Filialen gibt es bei fünf bis 15 Prozent der Tests Verstöße gegen den Jugendschutz, sagt Christian Pampuch. Bei Rubbellosen häufiger, bei Tippscheinen etwas weniger. Mit 15 „Tandems“

sind die vielen Aufträge kaum zu schaffen. „Außerdem brauchen wir neue Gesichter, die in den Lotto-Filialen noch nicht bekannt sind“, erläutert Pampuch. Die Rostocker Firma sucht deshalb ständig neue Testkäufer. „15- und 16-jährige Jugendliche aus ganz Mecklenburg-Vorpommern können sich bewerben“, sagt der Projektleiter. Die jungen Leute müssten aber immer auch einen erwachsenen Begleiter mitbringen. „Mutter, Vater, Opa oder Onkel — am besten jemanden aus der Familie.“

Spielt Christian Pampuch selbst eigentlich Lotto? „Wenn, dann zu Silvester die Glücksrakete, wenn ich eine geschenkt bekomme“, meint er. Und Testkäufer Eric? „Ich würde schon ganz gern, doch ich darf ja noch nicht“, bedauert er. Aber: Wenn er 18 ist, will er sich gleich am Geburtstag ein Los kaufen, nimmt er sich vor. Und vielleicht lacht ihm dann ja das Glück.

Verdeckter Einsatz

5 feste und weitere freie Mitarbeiter beschäftigt die Rostocker Firma Kaufmann & Kirner Mystery shopping and more. Das Unternehmen nimmt mit verdeckten Testkunden verschiedene Branchen unter die Lupe. Firmen lassen so ihre Servicequalität bewerten. Kunden sind unter anderem Apotheken, Optiker, Hotels und Pflegeheime. Irina Kirner (30) und Julia Kaufmann (28) legten im Jahr 2009 während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rostock den Grundstein für ihr Unternehmen. Seit dem Jahr 2014 haben sie auch eine Außenstelle in Essen.

• www.kaufmann-kirner.de

Von Elke Ehlers

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