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Glyphosat: Herbizid mobiler als vermutet

Rostock Glyphosat: Herbizid mobiler als vermutet

Rostocker Forscher mit neuen Erkenntnissen

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Chemiker und Bodenkundler Peter Gros, Universität Rostock, vor einem Regal mit glyphosatbelasteten Erdproben.

Quelle: Foto: Christian Charisius/dpa

Rostock. Seit mehreren Jahrzehnten ist das heute umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat ein Renner bei den Bauern. Ein Grund dafür ist die verbreitete Ansicht, dass das Molekül schnell abgebaut wird beziehungsweise fest im Boden gebunden und damit ungefährlich ist. Doch Forschungen des Bodenkundlers Peter Gros und seinen Kollegen an der agrar- und umweltwissenschaftlichen Fakultät Rostock bestätigen, dass die feste Bindung ein Trugschluss ist. In Untersuchungen mit einer neuen Methode (Pyrolyse-Feldionisation-Massenspektronomie) konnte er nachweisen, dass Glyphosat zwar eine enge Bindung mit Eiweißen und Kohlenhydraten eingeht, es wird jedoch in diesem Komplex ausgewaschen. Auf diese Weise könne das Gift ins Grundwasser gelangen.

Die neue Methode hilft laut Gros, die Struktur von komplexen Bodenproben aufzuklären. Nach Auswertung der Fachliteratur sei das Verfahren wohl weltweit einmalig. Dabei werden Proben langsam erhitzt und die organischen Stoffe in Gase umgewandelt. Gros: „Wir können den Boden besser beschreiben und einen neuen Beitrag in der Glyphosat-Bindung liefern.“

Glyphosat steht unter anderem im Verdacht, krebserregend zu wirken. Das Mittel wird vor allem im Ackerbau zur Bekämpfung von Unkraut verwendet, es ist in einer Reihe verschiedener Herbizide enthalten. Die aktuelle Zulassung läuft Mitte Dezember aus. Letzten Donnerstag konnten sich die 28 EU-Staaten und die Europäische Kommission nicht über eine Verlängerung der Zulassung einigen.

„Die Arbeit bestätigt bekannte Daten zur Wechselwirkung von Glyphosat mit Boden und fügt diesem Wissen neue Erkenntnisse zur Wechselwirkung mit einzelnen Boden-Bestandteilen hinzu“, erklärte Silvia Pieper, Expertin im Umweltbundesamt. Sie regte an, weitere Beregnungsversuche zu betreiben, um die Mobilität von Glyphosat besser zu verstehen. Es sei bekannt, dass Glyphosat im Boden verlagert werden kann, sagte sie. Ihr Amt trage bei der Beurteilung von Glyphosat der veränderten Mobilität Rechnung. „Wir gehen davon aus, dass sie dafür verantwortlich ist, dass manchmal, wenn auch selten, Glyphosat im Grundwasser zu finden ist.“

Das Umweltbundesamt schätzt in einem Text vom Juli zum Herbizid ein, dass die Kommission mit ihrem aktuellen Vorschlag den Schutz der biologischen Vielfalt nicht ausreichend berücksichtigt.

OZ

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