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MV aktuell Gold, Geld, Grundstücke: Fiskus erbt lukrative Nachlässe
Nachrichten MV aktuell Gold, Geld, Grundstücke: Fiskus erbt lukrative Nachlässe
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07:53 22.04.2013
Die mehr als 1000 Jahre alten Eichen in Ivenack bei Neubrandenburg treiben in den n�chsten Tagen wieder frische Bl�tter. Quelle: Bernd Wüstneck

Des einen Leid ist des anderen Freud: Wegen zunehmender Überschuldungsfälle privater Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern schlagen Angehörige aus Angst vor nachträglichen finanziellen Forderungen immer öfter eine Erbschaft etwa von Immobilien aus. Lachender Dritter per Gesetz ist dann das Land. Nachlässe werden dem Fiskus zugesprochen, wenn sich keine Erben finden oder diese die Hinterlassenschaften ablehnen, wie ein Sprecher des Schweriner Finanzministeriums erklärte. Das Bundesland könne ein Erbe zwar nicht ausschlagen, übernehme aber auch keine Schulden, die den Wert der Erbschaft übersteigen.

In den vergangenen Jahren ist laut Finanzministerium die Zahl der Fiskalerbschaften im Nordosten kontinuierlich gestiegen. So gab es 2008 noch 32 Fälle, dann 35 Erbschaften 2009, 42 in 2010 und 50 Fälle 2011. Zwischen 1999 und 2007 seien jährlich im Durchschnitt nur 17 neue Landeserbschaften hinzugekommen, hieß es. Die steigende Tendenz sei überwiegend den Ausschlagungen der Angehörigen wegen Überschuldung der Erblasser zuzuschreiben, erklärte ein Sprecher.

Bislang habe das Land jedes Jahr einen Überschuss aus den Nachlässen erzielt, wobei die Gewinnhöhen deutlich schwankten, erklärte Angelika Andresen vom Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) Rostock. Oft stelle sich erst beim „Versilbern“ des Vermögens heraus, dass der vermeintlich überschuldete Tote unterm Strich gar nicht so arm war wie von den Hinterbliebenen vermutet.

Mit zunehmender Verschuldung von Firmen oder privaten Haushalten im Nordosten indes könnten künftig die Fiskalerbschaften weiter nach oben gehen und zugleich die Gewinnspannen fürs Land abnehmen, schätzte die Dezernentin für Liegenschaftsangelegenheiten ein.

Aktuell aber sei der Tresor des BBL gut gefüllt. Neben einem einzelnen Goldzahn fänden sich dort Armbänder aus Bernstein, Ringe und weiterer Schmuck, sagte die Juristin. „Wir wollen bald wieder verkaufen.“ Wertsachen, wie die im Rostocker Tresor verwahrten, sowie Immobilien würden regelmäßig zugunsten des Landeshaushaltes veräußert.

Manchmal steht das Land auch direkt im Testament. So gingen vor zwei Jahren 90 000 Euro von einer Neubrandenburgerin an den Fiskus. Nach dem letzten Willen der Toten sollte das Geld der Polizei zugutekommen. 122 kugelsichere Westen wurden gekauft, weil noch immer nicht jeder Vollzugsbeamte eine passgerechte Schutzweste besitze. „Ein Erbe, über das wir uns echt gefreut haben“, sagte Verwalterin Andresen.

Schwieriger sei die Übernahme von Grundstücken mit baufälligen Gebäuden, erklärte die Dezernentin. „Dann müssen wir für einen verkehrssicheren Zustand der Immobilie sorgen“, sagte sie. Schlimmster derartiger Erbfall sei das 1,2 Hektar umfassende Gelände einer ehemaligen Großbäckerei in Teterow (Landkreis Rostock). Der völlig marode Betrieb wurde jetzt abgerissen, das Gelände soll als Gewerbegebiet versteigert werden.

Mehr Erbschaften

50 private Erbschaften fielen 2011 dem Land Mecklenburg-Vorpommern zu. Tendenz steigend. Seit 2007 hat sich die Anzahl der Familien, die ihr Erbe ausschlugen, ständig erhöht.
17 solcher Landeserbschaften wurden zwischen 1999 und 2007 pro Jahr im Durchschnitt gezählt. 2008 waren es schon 32 Fälle, ein Jahr später 35. 2010 überließen 42 Erben Nachlässe von Verstorbenen dem Staat.

Weniger Waldaktien verkauft
Der Verkauf von Waldaktien gerät ins Stocken. Die Schuld daran gibt Umweltminister Till Backhaus (SPD) dem langen Winter. Die Anfang April geplante Pflanzaktion musste wegen des Frostes auf Oktober verschoben werden. „Sonst hätten wir schon 50 000 verkauft“, sagte der Minister. So wurden bisher 43 500 der Aktien mit einem Nennwert von je 10 Euro veräußert. Mit dem Erlös wurden seit 2007 in 16 „Klimawäldern“ Bäume gepflanzt, besonders in der Nähe von Tourismusorten. Zum Tag des Baumes in dieser Woche will Backhaus am 27. April in Ivenack bei Neubrandenburg mit dem Begründer der Stiftung Baum, Silvius Wodarz, ein Skulpturenensemble enthüllen. Im Park von Ivenack stehen 1200 bis 1300 Jahre alte Eichen, die als älteste Bäume Deutschlands gelten.

Grit Büttner

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