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Rostock Graffiti gegen Graffiti

Künstlerisch gestaltete Wände sollen wildes Besprühen verhindern / Hausbesitzer haben Zweifel

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Fassadenkunst in Rostock: Auftragsarbeiten, wie diese des Graffiti-Künstlers Sebastian Volgmann, verschönern Häuserwände und sollen sie auch vor „wilden“ Sprühattacken schützen.

Rostock. Graffiti sind für viele Hausbesitzer und Stadtverwaltungen ein Ärgernis. Seien es gesprühte Namenskürzel, politische Statements oder einfach nur Schmierereien.

OZ-Bild

Künstlerisch gestaltete Wände sollen wildes Besprühen verhindern / Hausbesitzer haben Zweifel

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Aber es gibt auch erwünschte Sprühbilder: Viele Fassaden in MV werden von Graffiti-Künstlern aufwendig mit Auftragsarbeiten gestaltet. Das soll einerseits schön aussehen, andererseits aber auch Schutz vor ungewünschten Graffiti bieten. Auf jeden Fall sind die oft fantasievollen Bilder Hingucker.

Die Rostocker Stadtwerke setzen schon seit Jahren auf Graffitikunst auf Trafohäuschen oder Gasstationen: „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und auch sehr positive Rückmeldungen der Bürger bekommen“, sagt Sprecher Thomas Schneider. Die Bilder, die thematisch an die Umgebung angepasst sind, würden kaum von anderen Sprayern beschädigt. So rechne sich die Fassadenkunst sogar, betont Schneider: „Wir müssen deutlich weniger unerwünschte Graffiti entfernen.“

Etwa 500 bis 1000 Euro kostet eine Wandverschönerung von Karl-Michael Constien aus Jürgenshagen (Landkreis Rostock). Dutzende solcher Arbeiten hat er bereits gemacht. „Meistens wollen die Hausbesitzer, dass ich die Fassade verschönere. Aber gerade in Rostock, Güstrow und Schwerin, wo es eine sehr aktive Sprayer-Szene gibt, sollen meine Bilder auch wildes Sprayen verhindern.“ Und das funktioniere auch ganz gut: „In Rostock wurde ich noch nie gecrossed (übersprüht – die Red.).“

Nicht sehr gut auf Sprayer zu sprechen ist dagegen der Eigentümerverband Haus & Grund. „Graffiti ist nicht gleich Graffiti“, sagt Sprecher Erwin Mantik. „Was wir meistens sehen, sind Schmierereien. Und das ist nichts anderes als Sachbeschädigung von privatem oder öffentlichem Eigentum.“ Laut Mantik hatten Hausbesitzer in Schwerin der Szene angeboten, private Torwege oder Garagenflächen künstlerisch zu gestalten. „Aber meist war das innerhalb kürzester Zeit übersprüht.“

Die Stadtverwaltung zieht ein anderes Fazit: „Schwerin hat gute Erfahrungen mit legalen Graffitiflächen gemacht“, sagt Stadtsprecherin Michaela Christen. „Unsere Kampagne ,Bleib sauber!’ hat möglicherweise im Nachhinein auch Firmen, Wohnungsgesellschaften oder Privatpersonen inspiriert, mit gestalteten Graffiti an Fassaden den illegalen Schmierereien vorzubeugen.“ Zudem gibt es in Schwerin eine Selbstverpflichtung der Hausbesitzer, Graffiti möglichst schnell zu entfernen.

Doch viele Hausbesitzer hätten inzwischen resigniert, meint Haus & Grund-Sprecher Mantik. „Die positiven Beispiele ändern nichts daran, dass frisch renovierte Häuser innerhalb kürzester Zeit wieder besprüht sind.“ Auf den Kosten blieben die Eigentümer meist sitzen: „Selbst wenn ein Sprayer mal gefasst wird, werden die Taten vor Gericht oft als Bagatelle bewertet.“ Dabei seien die Kosten oft immens, nicht nur für die Beseitigung der Sprühfarbe: „Es kommt immer wieder vor, dass die Sprayer beim Klettern an der Fassade Schäden anrichten.“

Nach Ansicht von Graffiti-Künstler Constien könnte eine Legalisierung des Sprühens helfen: „Wenn es nicht mehr verboten wäre, könnte sich eine vielfältigere Kultur entwickeln“, glaubt er. „Der Reiz des Illegalen würde wegfallen und die Bilder wären schöner, da die Sprayer sie in Ruhe fertigstellen könnten und nicht aus Angst, erwischt zu werden, unter Zeitdruck arbeiten müssen.“ Allerdings räumt er ein: „In Deutschland fehlt noch der Sinn für diese Form der Ästhetik.“

Sprühen als Straftat

3059 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti hat die Polizei in MV im Jahr 2015 registriert. Schwerpunkt war dabei Rostock, wo alleine 763 Graffiti festgestellt wurden. Der kommunale Eigenbetrieb der Hansestadt für Immobilien gibt für die Beseitigung der Graffiti einen Versicherungsschaden von rund 20 000 Euro pro Jahr an. In Schwerin gab die Stadtverwaltung 2015 dafür 7900 Euro aus.

Axel Büssem

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