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MV aktuell Greifswalder Hausbesetzer wollen Abriss verhindern
Nachrichten MV aktuell Greifswalder Hausbesetzer wollen Abriss verhindern
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00:00 02.10.2014
Greifswald

In der Greifswalder Innenstadt hat eine Initiative ein altes Haus besetzt, um den Abriss zu verhindern. Die Polizei will vorerst nicht gegen die Besetzer vorgehen. „Wir müssen warten, was auf dem Rechtsweg geklärt wird, bevor wir aktiv werden“, sagt Sprecher Axel Falkenberg von der Polizeiinspektion Anklam. Ob der Eigentümer eine Räumung erzwingen will, ist offen. Er reagierte nicht auf Anfragen. Laut Stadt ist keine Genehmigung für den Abriss erforderlich. Die Besetzung ereignete sich am Dienstagabend, zuvor hatten laut Polizei 200 Demonstranten in der Universitätsstadt gegen den Abriss und für bezahlbaren Wohnraum protestiert.

Die Hausbesetzer haben Transparente an das Haus gehängt, dass seit längeren als Treffpunkt in der Nachbarschaft dient. Die Hausbesetzer seien ganz normale Leute, sagt eine Sprecherin, die sich „Verena Krüger“ nennt. Studenten, Angestellte, Selbstständige, zwischen 25 und 40 Jahre alt. Wie viele es sind, will sie nicht sagen.

Das Gebäude, um das es geht, hat eineinhalb Geschosse, ist 158 Jahre alt und steht im Stadtteil Mühlenvorstadt. Biowarenhändler Hubert Ende (56) ist der letzte verbliebene Mieter, ihm wurde gekündigt. Heute wird seine Räumungsklage vor dem Amtsgericht der Hansestadt verhandelt.

Ende, der eigentlich Landwirt ist, mietete 2008 die Ladenwohnung im Erdgeschoss und richtete einen Bioladen ein. Der Laden läuft. Alle paar Minuten öffnet jemand die knarrende Tür und schlendert durch den Laden. Ein Junge kauft ein Glas Apfelmus für zwei Euro. Eine ältere Dame aus einem der umliegenden Häuser einen Liter Milch. „Viele kommen nicht, weil das ein Bioladen ist“, sagt Hubert Ende, „sondern weil hier Einkaufen ein soziales Ereignis ist. Dass es etwas teurer ist als im Supermarkt, nehmen sie in Kauf.“

In kurzer Zeit war rund um den Bioladen, in dem die meisten Kunden mit Namen angesprochen werden, eine Art soziales Netzwerk entstanden. In einem anderen Hausteil entstand vorübergehend ein Café.

Eine Initiative „Brinke 16-17“ veranstaltete einen Solidaritätsflohmarkt, ein Straßenfest und eine Demonstration.

Die Initiative stand hinter Hubert Ende, als er zum Kündigungstermin nicht auszog. „Klar könnte ich mir andere Räume suchen, aber die Leute kommen auch wegen des Ortes hierher.“

Die Besetzer, die ihre Unabhängigkeit von „Brinke 16-17“ betonen, kritisieren in einer Pressemitteilung, dass in Greifswald in den 1980er Jahren viele alte Häuser erst verfielen und dann abgerissen wurden. Heute fänden Studenten keinen bezahlbaren Wohnraum, Geringverdienende würden aus der Innenstadt verdrängt — wo das Wohnen immer teurer wird. Diese Verdrängung, die es vor allem in Großstädten gibt, ist unter dem Schlagwort „Gentrifizierung“ bekannt geworden.

Auch andernorts kam es in Mecklenburg-Vorpommern zu Protesten gegen den Abriss historischer Häuser. In Bansin auf der Insel Usedom muss Ende des Monats eine Buchhandlung ausziehen, weil die „Villa

Emma“ Neubauten weichen muss. 2011 konnte eine Bürgerinitiative in Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) nicht den Abriss der „Villa Süd-West“ verhindern.



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