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Greifswalder Medizin-Firma im Erfolgsrausch

Greifswald Greifswalder Medizin-Firma im Erfolgsrausch

Coldplasmatech wird mit Preisen überschüttet / Hilfe bei chronischen Wunden

Greifswald. Carsten Mahrenholz ist im Erfolgsrausch – einem, wie ihn wohl wenige Firmengründer in Greifswald erleben: Sein Unternehmen Coldplasmatech, das ein Hightech-Pflaster zur Behandlung chronischer Wunden entwickelt, hat drei Auszeichnungen eingesackt. Dabei ist das Produkt noch gar nicht zu kaufen.

Beim Wettbewerb „Unternehmer des Jahres“ kam Coldplasmatech vor kurzem in die Endrunde. Den „Public Value Award“ nahmen die Greifswalder entgegen. Und dann auch noch eine internationale Auszeichnung.„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Mahrenholz, der Fotos von sich bei den Preisverleihungen online gestellt hat: mit rausgestreckter Zunge, in Siegerpose. Was ihn berauscht: „Unsere Arbeit wird gesehen.“

Kein Wunder. Denn was der Biologe, Chemiker und Wirtschaftsexperte Mahrenholz und sein Team nächstes Jahr auf den Markt bringen wollen, könnte über vier Millionen Patienten allein in Deutschland Erleichterung bringen. Ein Silikonstück haben sie entwickelt, das an eine Box angekabelt wird und ein kaltes Plasma produziert. Auf große, schlecht heilende Wunden soll man es auflegen. Knopf drücken, zwei Minuten warten. Ein Plasma leuchtet lila auf, „dann sind alle Bakterien in der Wunde nachweislich abgetötet, sogar multiresistente Keime“, sagt Mahrenholz. Und die körpereigene Wundheilung kriege einen „Kick“.

Für Diabetiker mit chronischen Wunden, für Menschen mit Brandverletzungen oder wundgelegenen Stellen könne das nach wiederholter Anwendung die entscheidende Hilfe sein, sagt der Firmenchef. Nicht nur er ist davon überzeugt. Seitdem sich Coldplasmatech 2015 aus dem Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und -technologie (INP) herausgegründet hat, hagelt es Zuspruch. Das Bundes- und das Wirtschaftsministerium gaben Fördergelder, ein Investor ist mit einer sechsstelligen Summe eingestiegen, mehrere Auszeichnungen gab es. Nun die drei neuen. Eine Ehrung kam vom „European Institute of Technology“, das mit Fördergeldern der EU arbeitet. 21 ausgewählte Jung-Unternehmen aus Medizintechnologie, Biotechnologie und Digitaler Gesundheit stellten in Barcelona vor europäischen Investoren ihre Idee vor. Coldplasmatech wurde von der Experten-Jury und von diesem Publikum auf die ersten Plätze gewählt. Folge: über 32000 Euro Preisgelder. „Der Publikumspreis freut mich besonders“, sagt Carsten Mahrenholz.

Bis das Hightech-Pflaster auf dem Markt ist, wird es noch ein paar Monate dauern. Der Nutzen von kaltem Plasma für die Wundheilung wurde in Studien längst nachgewiesen, sagt Mahrenholz; mit dieser Methode arbeite auch der Plasma-Stift, der längst auf dem Markt ist. „Wir müssen aber mit einer klinischen Studie noch speziell die Wirksamkeit unseres Pflasters nachweisen.“ Parallel verhandeln die Coldplasmatech-Mitarbeiter mit den Krankenkassen, planen die Details der Serienproduktion. Klappt alles wie geplant, kommt die Wundauflage im Sommer auf den Markt und wird von den Krankenkassen als Regelleistung finanziert. Für Mahrenholz und sein Team wäre das der größte Erfolg, größer als jeder Preis.

Sybille Marx

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