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Grevesmühlen: Kleiner Junge misshandelt und fast verhungert

Grevesmühlen Grevesmühlen: Kleiner Junge misshandelt und fast verhungert

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vater (31) und dessen Lebensgefährtin / Schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt des Kreises / Landrätin „sehr betroffen“

Grevesmühlen. Blaue Flecken am Oberkörper, unterernährt und dehydriert: Der Fall eines dreijährigen Jungen aus Grevesmühlen hat die Behörden auf den Plan gerufen. Das Kind war vor anderthalb Wochen in das Wismarer Hanseklinikum eingeliefert worden, nachdem eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Nordwestmecklenburg Alarm geschlagen hatte. Der Junge durfte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen, lebt bei einer Pflegefamilie. Dem Vater ist das Sorgerecht inzwischen entzogen worden. Die Polizei ermittelt gegen ihn und seine Lebensgefährtin wegen Missbrauchs Schutzbefohlener.

In diesem Zusammenhang sind auch Vorwürfe gegen die Arbeitsweise des Jugendamtes laut geworden. In einem anonymen Brief werden schwere Vorwürfe gegen die Behörde erhoben. Die Mitarbeiterinnen seien überlastet, die Hilferufe der Fachdienstleiterin würden überhört. Allein vier Stellen seien nicht besetzt, in vier Fällen wurden Überlastungsanzeigen gestellt.

Laut dem Schreiben soll auch der Fall des dreijährigen Jungen aus Grevesmühlen auf die Überlastung zurückzuführen sein. Die Familiensituation, so heißt es in dem Schriftstück, das der OSTSEE-ZEITUNG vorliegt, sei falsch eingeschätzt worden. Diesen Vorwurf weist Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) entschieden zurück. „Was dem Jungen in den ersten Tagen des Monats Mai wiederfahren sein muss, macht mich sehr betroffen. Wir haben die Abläufe in diesem Fall mit dem Jugendamt analysiert und sind zu der Auffassung gelangt, dass der zuständige Bereich in Ermangelung konkreter Anhaltspunkte für eine akute Kindeswohlgefährdung zu keiner anderen Einschätzung hätte kommen können.“

Am 22. Februar hatte ein Sozialarbeiter die Familie besucht. Da hatte es, so Kerstin Weiss, keine Hinweise darauf gegeben, dass der Junge in Gefahr sei. Das Kind habe sich laut Aussage des Sozialarbeiters in einem normalen Zustand befunden. Der 31-Jährige, der den Jungen erst seit Dezember vergangenen Jahres bei sich hatte – zuvor hatte das Kind in einer Einrichtung in Schwerin gelebt –, hatte mehrfach beim Jugendamt um Hilfe nachgesucht. Verschiedene Angebote seien ihm gemacht worden. Auch am 13. Mai, dem Tag, an dem die Mitarbeiterin des Jugendamtes einen Kinderarzt einschaltete, war der Vater mit seiner Lebensgefährtin in der Behörde gewesen, um sich Hilfe zu holen. Er hatte erklärt, dass der Junge jegliche Nahrung verweigere und sich selbst verletzt habe.

Was sich genau zugetragen hat in der Familie, das müssen jetzt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. Eine Untersuchung des Falles vonseiten des Landkreises werde es nicht geben, so Kerstin Weiss.

Michael Prochnow

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