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Grevesmühlener Garnelenfarm nach anderthalb Jahren insolvent

Grevesmühlen Grevesmühlener Garnelenfarm nach anderthalb Jahren insolvent

Produktion konnte Nachfrage nicht decken / Geschäftsführer vermutet Betrug

Grevesmühlen. Eine der beiden Grevesmühlener Garnelenfarmen, die Fluxx2 GmbH, ist pleite. Nach Recherchen der OSTSEE-ZEITUNG hat Investor und Geschäftsführer Andreas Kleinselbeck bereits im September beim Amtsgericht Neubrandenburg Insolvenz beantragt. Grund: Statt der vertraglich vereinbarten 16 Tonnen Garnelen pro Jahr sei nicht einmal die Hälfte produziert worden. „Wir konnten unsere Kunden nicht mehr mit Nachschub versorgen“, erklärt Kleinselbeck gegenüber der OZ.

 

OZ-Bild

Der Geschäftsführer der Garnelenfarm, Andreas Kleinselbeck, zeigt einen Kescher mit White Tiger Prawns.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Wir konnten unsere Kunden nicht mehr mit Nachschub versorgen.“ Andreas Kleinselbeck, Geschäftsführer der Grevesmühlener Garnelenfarm Fluxx2

Dyckerhoff war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Farm war erst 2015 in Betrieb gegangen und züchtete White Tiger Shrimps. Sie wurden unter der Marke „Cristalle“ vertrieben. 1,7 Millionen Euro kostete der Bau der Anlage inklusive 750 000 Euro Fördermittel vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Das hatte von der Insolvenz bisher keine Kenntnis. Grundsätzlich, so heißt es aus dem Ministerium, könnte bei Firmenpleiten ein Teil der Fördermittel zurückgefordert werden. Allerdings nur dann, wenn die Frist, die mit der Vergabe verbunden ist, noch läuft. Ob das bei der Garnelenfarm noch so ist und ob bereits die gesamte finanzielle Unterstützung ausgezahlt wurde, konnte gestern nicht mitgeteilt werden.

Ein Blick in das Handelsregister des Amtsgerichtes Schwerin offenbart: York Dyckerhoff ist Geschäftsführer der Green Aqua Farming Verwaltungs GmbH. Sie hat zwei Garnelenzuchtanlagen in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) errichtet. Außerdem ist Dyckerhoff Eigentümer und Geschäftsführer der ersten Farm – und dazu noch der Betreiber von Kleinselbecks Garnelenzucht. „Ich habe mit Dyckerhoff einen Vertrag zur Betriebsführung auf zehn Jahre geschlossen. Darin wurde die Menge der Garnelen und das Honorar festgelegt, das wir an Dyckerhoff für die Betriebsführung zahlen – 190 000 Euro pro Jahr“, erklärt Kleinselbeck. Nur um den Vertrieb seiner Garnelen habe er sich allein gekümmert.

Bereits fünf Monate nach Eröffnung seiner Farm im Dezember vergangenen Jahres belieferte der Unternehmer mehrere Sterne-Restaurants und konnte die Nachfrage kaum decken. Doch Ende Juni erhielt er die Information, die Garnelen seien alle. Warum, wurde ihm nicht gesagt. „Ich musste den Verkauf stoppen“, sagt Kleinselbeck. Zudem sei ihm der Betreibervertrag von Dyckerhoff gekündigt worden. Dessen Honorar sollte nun das Doppelte betragen.

Kleinselbeck, der rund 150 000 Euro Privatvermögen in die Firma investiert haben will, beantragte daraufhin „Planinsolvenz“. Sie eröffnet die Möglichkeit, dass die Firma erhalten bleiben kann.

Annett Meinke und Kerstin Schröder

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