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Grindwal wird am Sund gezeigt

Kyrkesund/Stralsund Grindwal wird am Sund gezeigt

Das Skelett eines seltenen Grindwals, der an Schwedens Küste gestrandet und verendet ist, wird künftig in Stralsund zu sehen sein.

Kyrkesund/Stralsund. . Ein Grindwal ist im Grenzgewässer zwischen Nord- und Ostsee an der schwedischen Westküste gestrandet und verendet. Der 5,28 Meter lange Walbulle wurde von sieben Mitarbeitern des Deutschen Meeresmuseums Stralsund vor Ort seziert, wie der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne, sagt. Der Langflossen-Grindwal (Globicephala melas) war demnach am 25. April und an den Folgetagen bei Kyrkesund schwimmend gesehen worden. Am 1. Mai lag das Tier dann tot am Strand.

Die Wissenschaftler brachten am Wochenende Schädel und Knochen per Fähre nach Stralsund – darunter „auch die relativ schwer zu suchenden Beckenknochen“, so Dähne. „Das Meeresmuseum hat bislang kein Grindwal-Skelett in seiner Ausstellung“, sagt Dähne.

Warum das Tier, das eigentlich im offenen Nordatlantik beheimatet ist, bis in den nördlichen Kattegat vordrang und verendete, ist zunächst noch unklar. Grindwale seien in diesen Gewässern sehr seltene Irrgäste, sagt Dähne. „Der Wal war in einem mäßigen bis schlechten Ernährungszustand.“ Dennoch sei er aber wohl nicht verhungert.

Grindwale fressen vor allem Tintenfisch. Das an der schwedischen Küste gestrandete Tier habe Fisch im halbvollen Magen gehabt. Weitere Hinweise erhoffen sich die Experten von der näheren Analyse des Mageninhalts – der Magen sei komplett eingefroren worden. Innere oder äußere Verletzungen, die zum Tod des Tieres geführt haben könnten, seien nicht entdeckt worden, so Dähne. Eine mögliche Todesursache könnten aber auch Entzündungsprozesse sein.

Dähne hielt sich zum Zeitpunkt des Fundes zu einer internationalen Wal-Tagung im dänischen Middelfart und damit in der Nähe des Fundortes auf. Thema des Treffens: die internationale Kooperation unter Walforschern. Da die schwedischen Kollegen kein Interesse an dem toten Wal gezeigt hätten und die Museen in Göteborg und Stockholm bereits Grindwalskelette besitzen, habe das Stralsunder Team die Sektion des Kadavers übernommen. Die Knochen des Tieres sollen nun für die Ausstellung präpariert werden, um dann an dem Exponat auch das ausgeprägte Sozialverhalten der Grindwale zu erklären, wie Dähne sagt. Bis das Skelett in Stralsund zu sehen sei, werde aber noch mindestens ein Jahr vergehen. Die Aufbereitung sei komplex und langwierig.

Für die zentrale Ostsee gibt es nach Angaben des Meeresmuseums keine Nachweise von Grindwalen. Die wenigen Funde wurden bislang für den Kattegat und die Beltsee beschrieben. Drei Mal seien Grindwale im dänischen Isefjord beschrieben worden (1863, 1864 und 2010), ein einziges Mal sei ein Tier im Öresund (1987-88) gesichtet worden. Im September 1954 kam es nach Angaben des Meeresmuseums im dänischen Vejle Fjord zu einer Massenstrandung von 63 Tieren.

Generell seien in den letzten Jahren viele Wale und Delfine in Nord- und Ostsee zu sehen gewesen, bilanziert Fabian Ritter von der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) in einem Beitrag für das Wissenschaftsjahr 2016/17 zum Thema Meere. Die erste Delfin-Sichtung in der Ostsee nach rund sechs Jahren wurde 2007 gemeldet. Seither tauchten immer wieder Berichte über Meeressäuger auf, zum Beispiel über „Selfie“ und „Delfie“. Hinzu kamen laut Ritter 2016 weitere Delfine, die sich weit von ihrem üblichen Verbreitungsraum aufhielten. Zudem kamen mehrere Buckelwale in die Ostsee. 2015 staunten selbst Walforscher: über einen Schnabelwal, der unter anderem vor der Ostseeküste Mecklenburgs zu sehen war.

Martina Rathke und Thomas Luczak

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