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Großeinsatz: Vier Rehe sollen von Autobahn verjagt werden

Rostock Großeinsatz: Vier Rehe sollen von Autobahn verjagt werden

Seit Monaten gefährdet eine Gruppe Rehe den Verkehr auf der A 20 bei Rostock

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Ein junger Rehbock auf der Insel Usedom.

Quelle: dpa

Rostock. Großaufgebot für vier Rehe: Nachdem der Abschuss der Tiere vor eineinhalb Wochen abgeblasen wurde, sollen sie nun von der Autobahn getrieben werden. Mit erheblichem Aufwand: Die Autobahn wird heute ab 9 Uhr für mehrere Stunden zwischen den Anschlussstellen Sanitz und Dummerstorf (beide Landkreis Rostock) komplett gesperrt. In der Zeit wollen knapp 40 Jäger und Mitarbeiter der Autobahnmeisterei die Rehe vertreiben. Das teilten gestern die für Verkehr sowie Umwelt zuständigen Ministerien mit.

Seit etwa einem Jahr leben die Rehe zwischen Wildschutzzaun und Fahrbahnrand, wo sie sich das Gras schmecken lassen. Das Problem: Wenn jemand bei Tempo 130 oder mehr mit einem der Tiere kollidiert, besteht Lebensgefahr. Deshalb sollten sie vor eineinhalb Wochen erlegt werden, bis Umweltminister Till Backhaus (SPD) die Aktion in letzter Minute stoppte.

Alle vorherigen Versuche, den Rehen den Aufenthalt an der Fahrbahn zu vergällen, waren fehlgeschlagen. Entweder die scheuen Tiere ließen sich nicht verjagen. Oder sie waren am nächsten Morgen wieder an der Autobahn, weil sie — so hieß es — über die Auffahrten zurückgekehrt waren. Und das lässt den Erfolg der Aktion fraglich erscheinen. „Rehe sind sehr standorttreu“, erklärt Henning Voigt vom Landesjagdverband MV. Bedeutet: Wenn es den Rehen an der A 20 so gut gefällt, warum sollen sie bei der nächsten Gelegenheit nicht über eine Auffahrt dorthin zurückspazieren? „Das kann niemand ausschließen“, räumt der Sprecher des Verkehrsministeriums, Steffen Wehner, ein. Die Alternative, die Rehe abzuschießen, war aufgrund des großen öffentlichen Drucks verworfen worden. Tier- und Umweltschützer hatten dagegen protestiert, auch viele OZ-Leser reagierten empört. „Dennoch müssen wir die latente Gefahr für den Autobahnverkehr beseitigen“, betont Wehner. Dafür müsse festgestellt werden, wie viele Rehe dort tatsächlich leben. Wehner: „Bei einer Jagd hätten wir auch nicht gewusst, ob alle Tiere erlegt worden sind.“

In der Nacht zu gestern haben daher Biologen die Böschung mit Wärmebildkameras gescannt. Auf einem Abschnitt von drei Kilometern konnten vier Rehe lokalisiert werden, sagt Backhaus. Nach erneutem Scannen sollen heute die Zäune am Standort der Rehe auf einer Länge von 40 Metern geöffnet werden. Zugleich sperren die Treiber den Tieren den Fluchtweg ab und scheuchen sie aufs offene Feld.

Anschließend werden an den Zäunen alle Schlupflöcher beseitigt — in der Hoffnung, damit den Rehen tatsächlich den Rückweg zu versperren. Unbestätigten Quellen zufolge sollen vor wenigen Tagen größere Löcher in den Zaun geschnitten worden sein. Vielleicht weil jemand die Rehe in Eigeninitiative rauslassen wollte?

In MV werden pro Jahr rund 57000 Rehe erlegt. Sollte es sich bei den A 20-Rehen um weibliche Rehe, sogenannte Ricken, sowie Kitze handeln, haben sie nach dem Vertreiben von der A 20 noch bis Ende August Schonzeit. Böcke können dagegen seit dem 1. Mai wieder geschossen werden — wenn sie sich nicht wieder an die Autobahn zurückziehen.

Übrigens war in dem A 20-Bereich erst vor einer Woche ein totes Reh gefunden worden. Offenbar war es nach der Kollision mit einem Lkw gestorben, ohne dass der Fahrer es bemerkte. Denn eine Polizeimeldung dazu gab es nicht. Bei einem Unfall mit einem Pkw hätte es hingegen zu einem auch für Menschen lebensgefährlichen Crash kommen können.

Von Axel Meyer

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