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Großer Test in MV vor 25 Jahren

Rostock/Binz Großer Test in MV vor 25 Jahren

Auf Rügen gab es in den 90ern einen Feldversuch mit 60 Elektroautos

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Ausriss aus der OZ vom 22. Juni 1996

Rostock/Binz. Sie machen 0,02 Prozent in der aktuellen Pkw-Zulassungsstatistik des Nordostens aus: die knapp 300 Elektro-Autos. Damit sind Stromer derzeit noch die Exoten schlechthin. Es fehlt in Mecklenburg-Vorpommern zudem an Stromtankstellen, und das Laden an der Steckdose daheim dauert oftmals einfach zu lange.

Eine bittere Erkenntnis. Zumal unser Bundesland vor 25 Jahren für Aufsehen mit einem damals weltweit einmaligen Großversuch zur Erprobung von E-Mobilen auf Rügen und Hiddensee sorgte. Von 1992 bis 1996 surrten über die Straßen und Wege der Inseln 60 E-Autos und Busse von BMW, Mercedes, Opel, VW und Neoplan. Insgesamt 1,3 Millionen Kilometer absolvierten die innovativen Gefährte. Der Bund, das Land MV und die Autohersteller hatten allein für den Projektstart 44 Millionen Mark lockergemacht.

Bernd Fischer, seit 1994 Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV, erinnert sich: „Der Großversuch auf Rügen war mit vielen Hoffnungen verknüpft. Frei vom Durchgangsverkehr und den endlosen Staus sollten die Seebäder dank E-Autos an Attraktivität gewinnen.“ Zur Erinnerung: In der Sommersaison 1995 quälten sich über den alten Rügendamm täglich bis zu 18000 Fahrzeuge. Die Staus waren schier endlos. Einem Lindwurm gleich schob sich die Fahrzeugmasse in Richtung der Urlaubsorte.

Große Parkplätze für die Besucher-Pkw vor den Seebädern, Transport der Gäste mit E-Bussen und Verleih von E-Mobilen für individuelle Touren auf den Inseln – vieles schien denkbar.

Doch das Super-Projekt scheiterte. Besser, die Autobauer zogen den Stecker. Der Geschäftsführer der Deutschen Automobilgesellschaft mbH (DAUG), Prof. Christian Voy, resümierte: „Die fehlende Investitionsbereitschaft in die Serienproduktion von Batterietechnologien und der sich daraus ergebende Preis für die Prototypen der Speichersysteme sind Probleme des E-Mobils.“ (OZ vom 22. Juni 1996, S. 4). Voy hielt einen Serienpreis für die Fahrzeugbatterie von 10000 Mark für realistisch.

Damals kostete ein Akku mehr als 200000 Mark. Der auf Rügen getestete City-Stromer von VW beispielsweise wog 1,5 Tonnen und hatte einen Listenpreis von rund 49000 Mark. Die Hochtemperaturbatterien – ein Bleigel-System – waren schwer beherrschbar. Zwei Brände beim Akku-Hersteller ABB warfen das Vorhaben der Elektro-Pioniere zusätzlich zurück.

Nach fast einem Vierteljahrhundert sei es mehr als bedauerlich, dass man in puncto E-Mobilität bundesweit noch immer auf den Durchbruch warte. „Die Stromer müssten seit Jahren – gerade in den touristischen Zentren – zum Alltag gehören“, betont Tourismus-Profi Fischer.

Trotz aller Unzulänglichkeiten, wie ungenügender Reichweiten, hofft er aber noch immer auf den Siegeszug des E-Antriebs. Nicht nur im Auto und beim Fahrrad, sondern für das Urlauberland Mecklenburg-Vorpommern gerade auch auf dem Wasser. Volker Penne

OZ

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