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Grüne: Zuckerfabrik-Abwässer belasten die Peene

Anklam Grüne: Zuckerfabrik-Abwässer belasten die Peene

Große Mengen sollen ungeklärt bis in den Fluss gelangen, so Umweltschützer / Landkreis sieht dagegen keine erheblichen Auswirkungen auf die Natur

Anklam. Für die Bündnisgrünen in der Region Vorpommern-Greifswald ist es ein Skandal mit Ansage: Aus den Klärteichen der Zucker- und Ethanolfabrik Anklam sollen umfangreiche Mengen ungeklärter Abwässer im Grundwasser versickern und von dort bis in die Peene gelangen. „Das geht aus dem Zwischenbericht eines Gutachtens zur Dichtheit der Abwasserteiche und Deiche des Umweltamtes des Landkreises Vorpommern-Greifswald hervor“, erklärt Dr. Torsten Wierschin, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Vorpommern- Greifswald von Bündnis 90/Die Grünen.

Die Zahlen seien alarmierend. „Etwa 100000 bis 150000 Kubikmeter Abwasser sickern pro Jahr ins Grundwasser. Dies entspricht 200 bis 300 Mal der Menge Wasser, die die Anklamer Schwimmhalle fasst“, sagt Wierschin. Etwa zwei Drittel der Gesamtmenge – bis zu 100000 Kubikmeter – würden als hochbelastete Abwässer eingestuft. So seien die Abwässer unter anderem mit Kalium verunreinigt.

Kalium werde vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie als Umweltgift eingestuft, heißt es bei den Bündnisgrünen.

Dagegen wird beim Landkreis Vorpommern-Greifswald „nach derzeitigem Erkenntnisstand von keinen erheblichen Auswirkungen auf die Natur und Umwelt ausgegangen“, sagt Vize-Pressesprecherin Anke Radlof.

Der Unteren Wasserbehörde liege seit Dezember 2015 ein hydrogeologisches Zwischengutachten vor, das ein Versickern von organisch belasteten Abwässern aus Speicherbecken und -teichen feststellt. „Die Menge des versickernden Abwassers wurde im Gutachten grob mit maximal 137000 Kubikmeter – unter Einbeziehung der Schanzenbergteiche – abgeschätzt“, erklärt Anke Radlof. Die Nutzung dieser Teiche sei deshalb in der aktuellen Zuckerrübenkampagne nur eingeschränkt mit gering belasteten Kondensat erlaubt worden.

Eine Anfrage an die Suiker Unie GmbH & Co. KG in den Niederlanden, Mutterunternehmen der Anklamer Fabrik, blieb gestern unbeantwortet.

Die Grünen fordern jetzt zusätzliche Messstellen, um die Wasserqualität zu überwachen. Die Gutachter würden die Verbesserung der Deiche, die Modernisierung der Abwasseraufbereitungsanlage und den Verzicht von Klärteichen direkt an der Peene vorschlagen.

Die Anklamer Zucker- und Ethanolfabrik sei mit der unteren Wasserbehörde und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern in Abstimmung über Maßnahmen, die das weitere Versickern unterbinden sollen, sagt Anke Radlof. Dazu plane der Betreiber umfangreiche Investitionen, die derzeit in einem Genehmigungsverfahren geprüft werden.

Das Unternehmen steht auch wegen des massiven Fischsterbens im September 2015 in der Peene in der Kritik: Die Zuckerfabrik hatte eingeräumt, dass aus der Anlage große Mengen Bioethanol über ein Rohrsystem in die Regenentwässerung und in die Peene gelangt seien. „Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in dem Fall sind abgeschlossen“, erklärt Oberstaatsanwältin Beatrix Komning von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg. Konkrete Auskünfte könnten aber noch nicht gegeben werden.

Bernhard Schmidtbauer

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